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Weihnachtslieder in Vorbereitung: Musik verbindet Nord und Süd

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Fleißig geprobt wird derzeit im Münsterland. Schließlich will der Projektchor bei seinen für die Adventszeit geplanten Auftritten in Berchtesgaden und Salzburg überzeugen. Foto: Hans Dieter Meyer
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Mit großer Vorfreude erzählte Erich Münstermann im Hotel »Edelweiß« von seinem Chorprojekt. Foto: Anzeiger/Weidl

Berchtesgaden – Die »stade Zeit« ist in Berchtesgaden etwas ganz Besonderes – das wissen nicht nur die Einheimischen, sondern auch die vielen Gäste zu schätzen, die jedes Jahr im Talkessel ihren Weihnachtsurlaub verbringen. Einer dieser Gäste ist Erich Münstermann aus dem Münsterland. Er hat einen Projektchor gegründet, der zur Adventszeit in Berchtesgaden und Salzburg singen wird.


Erich Münstermann sitzt in einem roten Sessel im Foyer des »Hotel Edelweiß«, auf dem Tisch vor ihm steht eine Tasse Kaffee und daneben liegt eine große Mappe. Darin befindet sich schon jetzt – im August – das Programm für die Reise im Advent »seines« Projektchores aus dem Münsterland nach Berchtesgaden und Salzburg. Gleich auf der ersten Seite steht in großer, roter Schrift: »Sich einen Traum erfüllen.« Das ist das Motto, das der Chor für seine Reise gewählt hat – der Traum, einmal im Salzburger Dom und in der Stiftskirche zu singen.

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140 Sängerinnen und Sänger

Für 140 Sängerinnen und Sänger aus Gronau im Münsterland und den umliegenden Gemeinden wird dieser Traum im Advent dieses Jahres Wirklichkeit. »In dem Projekt stecken über zwei Jahre Vorbereitung und Proben«, weiß Erich Münstermann zu berichten. Er hat zeit seines Lebens für die Kirche gearbeitet – im Beruf als Verwaltungsleiter der katholischen Kirche im Dekanat Ahaus (Bistum Münster) und später, in Altersteilzeit, als ehrenamtliches Mitglied. Seit vielen Jahren kommt er nach Berchtesgaden.

Ein Schlüsselerlebnis hatte er, als er zum ersten Mal die »Heilige Nacht« in St. Bartholomä erleben durfte. »Ganz ehrlich: Ich habe zuerst Kitsch vom Feinsten erwartet«, gibt er mit einem Schmunzeln zu. Diese eher skeptische Erwartung hat sich aber nicht erfüllt. Sofort war Erich Münstermann angetan, wie würdevoll und ruhig Hans Stanggassinger diesen Abend gestaltet hat. Ohne Fotografie, ohne Film, ohne Gerede und ohne Applaus – ganz im Sinne der »staden Zeit«, weit weg von Weihnachtstrubel, Kommerz und schneller Touristenabfertigung.

Große Resonanz

»Dürfen wir mal kommen?« – mit dieser kleinen Frage im Salzburger Dom, zu dem Erich Münstermann schon seit längerem Kontakt unterhält, begann dann das ambitionierte Projekt, einen Projektchor zu gründen. Zurück im Münsterland warb er bei Chören aus der Region für das Projekt. Die Resonanz war überwältigend: »Plötzlich standen 150 Menschen vor der Tür zum ersten Treffen«. Schließlich sind Auftritte im Salzburger Dom und in der Berchtesgadener Stiftskirche für viele ein einmaliges Erlebnis. Und so begannen dann die Proben unter der Leitung von Kirchenmusiker Jürgen Etzrodt aus Gronau.

Auf dem Programm stehen traditionelle Weihnachtslieder aus dem Gotteslob. Aber auch ein ganz besonderes Schmankerl hat der Chor im Repertoire, das zur »Völkerverständigung« beitragen soll: ein altes Weihnachtslied mit plattdeutschem Text. Erich Münstermann, der auch selbst mitsingt, ist verantwortlich für die Organisation und da gibt es viel zu bedenken: Zimmer müssen gebucht, die Reise mit Bus und Bahn geplant werden. Keine leichte Aufgabe, denn zu den 140 Sängerinnen und Sängern kommen nochmals rund 60 Mitreisende aus dem Freundeskreis und den Familien. Weil Erich Münstermann seine Begeisterung für das Berchtesgadener Land auch an die Teilnehmer weitergeben will, stehen neben dem Singen auch Besuche im »Haus der Berge«, im Salzbergwerk, im Hofbräuhaus und in der Dokumentation am Obersalzberg an.

Noch 40 Proben

Finanzieren müssen die Chorteilnehmer die Reise selbst , die Kosten liegen zwischen 400 und 500 Euro pro Person. Höhepunkte des Besuchs sind zweifellos die beiden Konzerte am 29. November in der Stiftskirche Berchtesgaden und am 1. Adventssonntag im Dom in Salzburg. Bis dahin müssen die Sängerinnen und Sänger zu Hause im Münsterland noch gut 40-mal proben. »Wir wollen liefern«, konstatiert Erich Münstermann voller Inbrunst – die Reise mit dem Projektchor ist für ihn eine Herzensangelegenheit, das spürt man.

Genau genommen sind es sogar drei Auftritte, die der Chor hat. Einmal singen die Münsterländer auch bei einer Sonderveranstaltung der »Heiligen Nacht« in St. Bartholomä. Darüber will Erich Münstermann aber kein großes Aufsehen machen – ganz im Sinne der »staden Zeit« und einer würdigen Weihnacht. Joseph Weidl