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»Weißer Rauch« über dem Gymnasium Berchtesgaden

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Die vier Jahrgangsbesten mit dem Schulleiter (v.l.): Alexander Wimmer (1,0), Lucia Dorsch (1,0), Lena Mader (1,2), Christoph Zern (1,2) und Andreas Schöberl.
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62 frisch gebackene Abiturientinnen und Abiturienten erhielten am Gymnasium Berchtesgaden ihre Reifezeugnisse. (Fotos: Kastner)

Berchtesgaden – »Weißer Rauch« war es nicht wirklich, der aus dem Gymnasium Berchtesgaden austrat: Aber die weiße Flagge über dem Gebäude zeigte an, dass 62 Abiturienten am Freitag ihr Zeugnis bekommen haben.


Aber die weiße Flagge, die seit einiger Zeit über dem Gebäude wehte, war das Zeichen dafür, dass alle 62 Abiturientinnen und Abiturienten die Reifeprüfung bestanden hatten. Und das sogar mit Bravour, denn es gab 24 Abschlüsse mit einer Eins vor dem Komma. Das entspricht einer Einser-Quote von 38,7 Prozent. So war die Freude groß, als es am Freitag im Rahmen der Abschlussfeier in der Schulaula die Reifezeugnisse gab.

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Die »Star Wars«-Filme mit ihren Episoden gehören zu den erfolgreichsten Werken der Filmgeschichte. Vielleicht haben die Berchtesgadener Abiturienten deshalb heuer ihr Motto an diese Trilogie angelehnt: »Stoa war's – Abisode XVII«. Von dem Titel zeigte sich stellvertretender Schulleiter Markus Spiegel-Schmidt in seinem mit ironischem Unterton versehenen Redebeitrag »irritiert«. »Wollt Ihr nur die Anstrengungen Eurer achtjährigen Schulzeit in Erinnerung behalten?«, fragte der stellvertretende Schulleiter und analysierte den Begriff »Stoa« in seiner historischen Bedeutung. Der geht nämlich auf die philosophische Schule des Zenon von Kition zurück. Der Stoiker lernt durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung, sein Los zu akzeptieren, und strebt mithilfe von Gelassenheit und Seelenruhe nach Weisheit.

Dieses Thema griff sofort Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp auf, der vor 25 Jahren zusammen mit Markus Spiegel-Schmidt das Abitur gemacht hatte. »Jetzt fängst Du an mit Zenon von Kition«, wandte sich Rasp lästerlich an seinen ehemaligen Schulkameraden und riet den Abiturienten: »Vergesst es! Was man selbst gestalten könne, sei die Ethik. Ihr seid selbst dafür verantwortlich, ob Ihr glücklich werdet oder nicht.« Rasp wünschte den Abiturientinnen und Abiturienten Zuversicht. »Probiert Neues aus. Und wenn Ihr was macht, dann macht es g'scheit. Sollte es wirklich scheitern, dann könnt Ihr immer noch auf Herrn Kition zurückgreifen.«

Verantwortung übernehmen

»Jetzt ist die Zeit, Euer Wissen richtig umzusetzen«, sagte stellvertretende Landrätin Elisabeth Hagenauer und riet den Abiturienten, für die eigene Meinung einzustehen. Die jungen Menschen seien bereit, Verantwortung zu übernehmen – »und das werdet auch Ihr tun«.

Die Elternbeiratsvorsitzende Katja Springl rief den Abiturienten in Erinnerung, dass sie in ihrer Schulzeit des Öfteren an Grenzen gestoßen seien. »Aber es ist immer weiter gegangen. Auch dank derer, die immer an Euch geglaubt und Euch unterstützt haben.« Katja Springl: »Ihr habt jetzt ein Etappenziel erreicht. Aber es ist nur eine Episode auf dem Weg durch die Galaxie.«

Für die Abiturienten selbst sprachen Pauline Pistor und Alexander Wimmer, die nicht verhehlten, dass man auf dem Weg zum Abitur mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. »Teilweise waren wir als schlimmste Klasse der Schule verrufen. Aber dann haben wir uns, auch dank unserer guten Klassengemeinschaft, zu halbwegs umgänglichen Menschen entwickelt.« Jetzt beginne erst einmal der Ernst des Lebens. »Wir hoffen, dass wir nicht ins kalte Wasser geworfen werden, sondern dass wir am Gymnasium auch was fürs Leben gelernt haben«, so die Abiturientensprecher. Die bedankten sich bei den Lehrern für ihre Unterstützung und resümierten: »Wir brechen jetzt auf in neue, unbekannte Welten. Stoa war's, aber es hat sich zu hundert Prozent gelohnt.«

»Chance für die Mutigen«

»Das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife sperrt Euch auf einen Schlag alle Türen auf«, sagte Schulleiter Andreas Schöberl. Geholfen hätten dabei vor allem die Oberstufenkoordinatoren Gerd Schiener und Rupert Aigner sowie die Eltern und weiteren Lehrer. Schöberl riet den Abiturienten ganz nach Victor Hugo (»Chance für die Mutigen«), sich nicht vor der Furcht vom Unbekannten beherrschen zu lassen.

»Ihr sei der Beweis dafür, das achtjährige Gymnasium Gymnasium funktioniert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft das Räderwerk jetzt«, betonte Schöberl und stellte sogleich die Frage, warum die Politik ein gut eingespieltes System mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium nun wieder ändere. Die Antwort sei wohl, dass die Politik versuche, auf die neuen unterrichtlichen Anforderungen zu reagieren und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. »Dieses Paket lässt uns mit Spannung und Zuversicht in die Zukunft blicken«, betonte Schöberl.

Bevor Schöberl und Oberstufenkoordinator Gerd Schiener die Reifezeugnisse aushändigten, räumte Schiener noch ein: »Es ist eine große Zufriedenheit, wenn man sagen kann: Es haben alle bestanden, lasst weißen Rauch aufsteigen.«

Für Leistungen und Engagement geehrt

Freude bereiteten auch mehrere Schüler, die gesondert geehrt wurden. So die vier Abschlussbesten (Luzia Dorsch Alexander Wimmer, Lena Mader und Christoph Zern) sowie der sozial engagierte Sebastian Lochner, die von Marktbürgermeister Franz Rasp und Sparkassenvertreter Ulrich Reichart ein Geschenk und von den fünf Talkessel-Bürgermeistern eine Einladung ins Hotel »Kempinski« bekamen. Eine Urkunde und eine einjährige Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft erhielten Kevin Fegg und Luzia Dorsch, die ihr schriftliches Abitur in Naturwissenschaft abgelegt haben.

Eine einjährige Mitgliedschaft in der Deutschen Mathematikervereinigung bekamen Alexander Wimmer und Luzia Dorsch für ihre herausragenden Leistungen im Fach Mathematik. Ebenfalls ausgezeichnete Leistungen erzielten Kaya Beneke und Lena Mader in den MINT-Fächern und in den P-Seminaren, wofür sie ein Zertifikat erhielten.

Musikalisch aufgelockert wurde die Feier von Alexander Wimmer, Silvan Gschoßmann, Florian Hönes, Dorothee Hölzl und allen Abiturienten beim Abschlusslied. Ulli Kastner