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Weniger Lust auf die Rupertustherme

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Foto: Hudelist

Bad Reichenhall – Wellness genießen, saunieren und abtauchen können derzeit nur die Besucher der Rupertustherme. Geschäftsführer Dirk Sasse würde vermutlich am liebsten abtauchen. Denn der heiße Sommer und die Grenzkontrollen seit Mitte September haben den Umsatz und die Besucherzahlen gleichermaßen einbrechen lassen. Allein von September bis November kamen 20 Prozent weniger Österreicher. Sasse rechnet damit, dass am Jahresende 500 000 Euro weniger in der Kasse sind als 2014. Die Eigentümer werden wohl weiter zuschießen müssen.


Im Herbst boomen die Thermen in der Regel. Neben der Watzmann Therme in Berchtesgaden profitiert auch die Rupertustherme von der Nähe zu Salzburg. Doch dann setzte Deutschland Mitte September wegen der Flüchtlingsbewegung das Schengen-Abkommen außer Kraft und führte die Grenzkontrollen wieder ein.

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Die Folge: Die Österreicher bleiben vermehrt im eigenen Land. »40 Prozent unserer Kunden kommen aus Österreich. Auch wenn es am Kleinen Walserberg keine Grenzkontrollen gibt, sind unsere Gäste doch verunsichert«, so Sasse. Außerdem sei die Bundesstraße von Wals kommend wegen des Ausweichverkehrs oft verstaut, was auch viele Kunden abschrecke. Seit Dezember steigen die Zahlen wieder leicht an. Doch das Jahresminus ist nicht mehr aufzuholen. »Wir werden ein extrem schlechtes Jahresergebnis einfahren. Ich rechne mit rund 8,9 Millionen Euro Nettoumsatz«, so Sasse. Im vergangenen Jahr waren es noch 9,4 Millionen Euro, also 500 000 Euro mehr.

Die Eigentümer der Therme, der Freistaat Bayern, sowie Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain hätten in diesem Jahr nur mehr für das Familienbad Zuschüsse leisten müssen, aber das wird sich mit den hohen Einbußen nicht ausgehen.

Bereits beim ersten Umsatzeinbruch im Sommer reagierte der Thermen-Chef mit einer Ausgabensperre, alle Rechnungen über 1 000 Euro mussten ihm vorgelegt werden. »Seit November gibt es eine absolute Ausgabesperre, zahlreiche Investitionen wie zum Beispiel neue Liegen haben wir eingefroren.«

Falls die Grenzkontrollen und die damit verbundene Unsicherheit bei den österreichischen Kunden im kommenden Jahr anhalten und der Umsatz dadurch weiter hinter den Erwartungen bleibt, schließt Sasse auch »ein Drehen am Personalkarussell« nicht aus. Derzeit hat die Therme 90 Festangestellte. Michael Hudelist