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Wenn »Amadeus« beim »Schifoan« »Macho Macho« singt

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»Danke Berchtesgaden. Ihr wart ein super Publikum« (v.l.): Peter Schuster, Reiner Winterstetter, Robert Ertl, Mathias Rasch, Manuel Graumeier und Bernhard Schmied. (Fotos: Tessnow)
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Sie gaben die Töne an (v.l.): Peter Schuster, Mathias Rasch und Manuel Graumeier.

Berchtesgaden – Alle waren sie da. Die ganz großen Songwriter aus Österreich. Natürlich nicht leibhaftig. Dafür aber »livehaftig«. Die Motto-Band »I am from Austria« inszenierte am Dienstagabend im Großen Saal des Kongresshauses ein Potpourri aus einem halben Jahrhundert österreichischer Hit-Geschichte.


Bei ihrer gelungenen Gassenhauer-Revue kamen die sechs Topmusiker teilweise zum Verwechseln ähnlich an die Originale heran und rissen das Publikum von den Stühlen. Das »Leiwaundste« dabei: Die Bandmitglieder sind alle keine Österreicher.

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Eigentlich beendete das Sextett sein Konzert mit einer harmonisch geträllerten Lüge. Denn die Heimat aller Musiker von »I am from Austria« ist das grenznahe Südostbayern. Der Bandname steht natürlich als Synonym für die ewigen Chartstürmer und minderte auch nicht die qualitative Aussage der Show. Es dauerte nicht lange, da sang das überzeugte Berchtesgadener Publikum textsicher mit und feierte fast drei Stunden die kopierten Hits der Legenden aus der Alpenrepublik.

Die Musiker von »I am from Austria« sind schon lange im österreichischen Musikgenre unterwegs. Seit Jahren feiern vier Bandmitglieder der STS-Coverband »Auf A Wort« große Erfolge. Die Gitarristen und Sänger Peter »Schutti« Schuster und Mathias »Hias« Rasch sowie Bassist Bernhard Schmied und Schlagzeuger Robert Ertl wollten aber mehr. Man erweiterte das Repertoire auf alle Interpreten, die je im Nachbarland Meilensteine und Chartgeschichte geschrieben haben. Um alles auf der Bühne realisieren zu können, holte man sich für das neue Projekt noch mit Manuel Graumeier (Gesang, Leadgitarre) und Reiner Winterstetter (Akkordeon, Keyboard) zwei neue Bandmitglieder als Verstärkung hinzu. Es wurde bis zur größtmöglichen Perfektion geprobt und in eine aufwendige Lightshow investiert, die den Liveauftritten ein zusätzliches professionelles Konzertambiente vermittelt.

Retro-Party, Wiener Schmäh und fette Emotionen

Im ersten Showpart des Abendprogramms griff die Band eher auf ruhige Titel mit der »Überdosis G'fühl« zurück. Das melancholische »Großvater« von STS ragte dabei als eines der Highlights heraus. Auch weitere Songs des Kult-Trios aus der Steiermark interpretierten Schuster und Rasch so täuschend echt, dass beim Augenschließen kaum ein Unterschied zum Original herauszuhören war.

Aufgelockert wurde das Programm anschließend durch Medleys von Rainhard Fendrich und Peter Cornelius. Bei stellvertretenden Klassikern wie »Strada del sole« und »Du entschuldige I kenn di«, sangen viele mit. Kurioserweise begeisterte aber Ludwig Hirschs »Ge du mogst mi« das Publikum am meisten. »Dabei ist Hirsch mit seinen Texten doch eigentlich als Stellvertreter für depressive Launen und sogar als Provokateur zur Suizidgefährdung verschrien«, scherzte Frontmann Mathias Rasch nach tosendem Applaus.

Auch um das Schaffen von Georg Danzer machte die Band bis auf »Jö schau« und »Weiße Pferde« einen großen Bogen. Peter Schuster erklärte auf Nachfrage: »Den Georg kennen die Leute nicht mehr so gut. Außerdem war er oft politisch und gesellschaftskritisch unterwegs.«

Tempoverschärfung nach der Pause

Nach der Pause zog die Band das Tempo an und kramte alle Partyhits aus der Kiste. Bei »Schifoan« von Wolfgang Ambros grölte jeder im Saal mit und sein »Es lebe der Zentralfriedhof« ist immer noch nicht tot zu kriegen. Auch der »Märchenprinz« von EAV nicht. Ein anschließendes Multi-Medley mit »Macho Macho«, »Life is Life«, »Amadeus« und vielen anderen Megahits, riss die Zuschauer zunehmend von den Sitzen und es wurde teilweise getanzt. STS's »Fürstenfeld« zum Abschluss war natürlich gesetzt und provozierte zwei Zugaben.

Bei Hubert von Goiserns emotionalem »Weit weit weg« sollte es im Großen Saal wieder andächtig ruhig werden und mancher bekam wohl immer noch eine fette Gänsehaut. Zum Abschluss dann, wie erwartet, die »Nationalhymne« »I am from Austria«.

400 Austro-Pop-Fans wurde eine aussagekräftige Performance geboten. Im April ist ein Livemitschnitt für die erste CD-Produktion geplant, die Ende des Jahres im Handel erscheinen soll. Da kann dann jeder das Gehörte noch einmal nachhören. Jörg Tessnow