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Wenn das Schlucken zur Qual wird

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Dr. Ilona Steppan, Oberärztin der Abteilung für Neurologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall. (Foto: privat)

Bad Reichenhall – Der Mensch schluckt bis zu 1 000 Mal täglich. Aufmerksam wird er auf das Schlucken in der Regel erst dann, wenn es nicht reibungslos funktioniert. Schluckstörungen können sich nicht nur sehr störend auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Im schlimmsten Fall haben sie sogar lebensbedrohliche Folgen.


Darauf wies Dr. Ilona Steppan, Oberärztin der Abteilung Neurologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, in ihrem Vortrag zum Thema Schluckstörungen hin.

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Die von rund 50 Interessierten jedes Alters besuchte Veranstaltung aus der Vortragsreihe »Gesundheit Aktiv« hatte ihren Schwerpunkt vor allem auf den neurologischen Ursachen und den diagnostischen Möglichkeiten von Schluckstörungen in der Kreisklinik Bad Reichenhall. Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle, Morbus Parkinson oder Demenzen haben einen großen Anteil an den Ursachen für Schluckstörungen. Diese kämen in Alten- und Pflegeheimen außerordentlich häufig vor, erklärte Dr. Ilona Steppan. »Die Häufigkeit wird von vielen Ärzten und vielen Mitarbeitern aus der Pflege unterschätzt«, meinte sie.

Zwischen 30 und 40 Prozent der Bewohner litten nach Schätzungen an Schluckstörungen. In Krankenhäusern seien zwischen zwölf und 20 Prozent der Patienten betroffen. Auch, wenn rund die Hälfte aller Parkinson-Patienten und in der Akutphase sogar 80 Prozent aller Schlaganfallpatienten unter Schluckstörungen leiden, gibt es noch viele weitere mögliche Ursachen. In Frage kommen nämlich neben Schädigungen von Gehirn, Nerven und Muskeln zum Beispiel auch Erkrankungen von Mund, Rachen oder Speiseröhre oder auch psychische Ursachen. Auch Medikamente kommen in Betracht. »Schluckstörungen können auch als Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Antidepressiva, auftreten«, so die Referentin.

Breit sei auch die Palette der Symptome, sagte sie. Zu den indirekten Hinweisen auf eine Schluckstörung zählten unter anderem unklares Fieber, eine veränderte Stimme, veränderte Kopf- oder Körperhaltung, eine verstärkte Verschleimung oder zwanghaftes Räuspern. Direkte Symptome einer Schluckstörung seien hingegen Husten vor dem Essen oder währenddessen, Schmerzen beim Schlucken oder in der Herzgegend sowie eine beim Essen veränderte Atmung.

»Die Folgen und Gefahren einer Schluckstörung können eine Unter- oder Mangelernährung, Gewichtsverlust, Austrocknung und Aspiration sein«, sagte Dr. Steppan. Als Aspiration werde das Eindringen von Nahrung oder Flüssigkeit in Luftröhre oder Atemwege bezeichnet. Die nicht abgehusteten Fremdkörper könnten in die Lunge vordringen und unbehandelt zu einer Lungenentzündung führen. »Vor Aspirationspneumonien haben wir am meisten Angst«, so die Medizinerin. Schluckreflex-Abtestung sei ein Teil einer im Falle von Schluckstörungen also dringend nötigen umfangreichen klinischen Diagnostik. Diese umfasst ein ausführliches Anamnese-Gespräch mit unter anderem Fragen nach Art, Ausmaß und Dauer der Schluckstörung, eine körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls auch endoskopische oder radiologische Diagnostik.

An Diagnose und Therapie wirken in der Kreisklinik Bad Reichenhall die Fachärzte aus Neurologie und bei Bedarf anderer Fachbereiche, die für Schluckstörungen ausgebildeten Pflegekräfte und Logopäden mit. Die Spezialisten für Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen führen mit den Klinikpatienten ein auf sie angepasstes Schlucktraining zur Stärkung der am Schluckvorgang beteiligten Muskeln und Organe durch.

»Wichtig ist eine Absprache zwischen Ärzten, Therapeuten, Pflege und Angehörigen«, sagte Dr. Steppan. Grundsätzlich gehe eine Schluckstörung nicht von alleine weg. Das Ziel einer Behandlung an der Kreisklinik sei »die vollständige oder teilweise Wiederherstellung der gestörten Schluckfunktion« unter Vermeidung einer Aspiration. Die Neurologin gab den Besuchern auch einen praktischen Rat für das Schlucken beim Essen mit: Das Vorbeugen des Kopfes könne verhindern, dass Flüssigkeit oder Nahrung versehentlich in die Atemwege geraten. fb