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Wer hat Carlos gesehen?

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Sie setzen seit August international alle Hebel in Bewegung, um Carlos Gallardo Ramirez zu finden: seine Schwester Marcela (2.v.l.), der Generalkonsul Chiles, Aldo Famolaro (M.), Carlos' Tante (2.v.r.) und seine Mutter (r.). Dazu haben sie auch die Online-Aktion »#LetsFindCarlos« gestartet. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Carlos Gallardo Ramirez ist am 12. August verschwunden. Damals ist der junge Chilene zu Gast in Salzburg gewesen und hatte vorgehabt, nach Berchtesgaden zu fahren.


Dann ist der Kontakt abgebrochen. Seitdem sucht seine Familie verzweifelt nach ihm. Am Montag waren seine Mutter, Schwester und Tante aus Chile und der Generalkonsul Chiles in Berchtesgaden. Sie wollen auf die internationale Suchaktion »#LetsFindCarlos« aufmerksam machen und erkundigen sich bei der Kriminalpolizei nach dem Stand der Ermittlungen. Auch die Redaktion des »Berchtesgadener Anzeigers« haben sie besucht.

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Der 24-jährige Carlos Gallardo Ramirez hat ein Austauschjahr an einer Universität in Spanien absolviert. Der Chilene studiert Logopädie. Anschließend ging er im August auf Europareise. Er reiste mit der Bahn, mit dem Flugzeug und auch mit Fernbussen. Bis zum 11. August war er in regelmäßigem Kontakt zu seiner Familie und Freunden, über Whatsapp, SMS, Telefon und Internet. Dann brach der Kontakt ab. Buchungen für Reisen nach diesem Tag wurden nicht eingelöst. Das Letzte, was die Familie noch weiß: Carlos hatte vor, am 12. August von Salzburg nach Berchtesgaden zu fahren. Ob er diese Fahrt je angetreten hat, ist unklar.

Seitdem setzen seine Familie, das Chilenische Konsulat in München, Interpol und Tausende Helfer alles daran, den 24-jährigen Carlos wiederzufinden. Sie haben eine Suchaktion in Facebook gestartet, mit dem Titel »#EncontremosACarlos«, auch »#LetsFindCarlos«. Diese Aktion hat mittlerweile über 8 000 Unterstützer.

Carlos' Schwester Marcela erklärt bei dem Gespräch in der Redaktion der Lokalzeitung, was sich die Familie von der Aktion erhofft: »Wir wollen die Leute aufmerksam machen, und Carlos selbst. Vielleicht wurde er gesehen, oder er erfährt von der Suchaktion und meldet sich.« Die Mutter des Vermissten kann kein Wort herausbringen, ohne in Tränen auszubrechen.

Am 3. September hätte Carlos wieder heimfliegen sollen, im November wollte er in Chile mit der Uni fertig werden. Nachdem er nicht aufgetaucht ist, hat seine Mutter in Chile die Vermisstenanzeige aufgegeben. Danach wurde die Kriminalpolizei Traunstein aktiv und hat in Krankenhäusern angerufen, sich überall erkundigt und die Vermisstenanzeige veröffentlicht. Mittlerweile beschäftigt der Fall Interpol, die den jungen Mann im gesamten Schengen-Raum sucht. Der Fall beschäftigt auch den chilenischen Generalkonsul Aldo Famolaro, der normalerweise in München sitzt. Er begleitet die Familie bei ihrer Reise, gemeinsam mit einer konsularischen Übersetzerin.

Die Familie ist in einem Hotel in Salzburg untergebracht. Am Montag fuhr die Gruppe nach dem Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« nach Traunstein zur Kriminalpolizei. Dort sollten unter anderem der Mutter und der Schwester DNA-Proben entnommen werden. Zudem wollten sie dort den neuesten Stand erfragen. »Etwas später an diesem Tag kommen wir wieder nach Berchtesgaden, um hier Plakate aufzuhängen. Dafür haben wir eine Genehmigung«, sagt die Schwester weiter. Am Dienstag stand noch ein Termin in Salzburg an. Am Freitag fliegt die Familie wieder nach Chile.

Als letzte Bitte äußert die Schwester Marcela stellvertretend für alle Anwesenden: »Carlos soll wissen, dass wir hier sind. Er kann sich jederzeit melden. Wir wollen auch eine Bitte an die Bevölkerung richten: Meldet euch, wenn ihr ihn seht.« Annabelle Voss