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Wer ist verantwortlich für Kramperl-Attacke?

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Einiges ist schief gelaufen beim Besuch einer Buttnmandl-Bass in einer Schönauer Einrichtung. (Symbolbild: Kastner)

Schönau am Königssee – Zwei Erzieherinnen, 25 und 32 Jahre alt, haben schlechte Erinnerungen an einen Besuch der »Bernei Bass« in ihrer Einrichtung in Schönau am Königssee. Als Buttnmandl beziehungsweise Kramperl verkleidete Männer sollen sie im Freien in sexueller Weise bedrängt haben. Einer der mutmaßlichen Täter, ein 24-Jähriger aus Schönau am Königssee, lässt seine Verurteilung in erster Instanz derzeit von der Dritten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will überprüfen. Der Prozess wird am 26. Juni um 13.30 Uhr fortgesetzt.


Wie am ersten Tag, so machte der Angeklagte, dem Verteidigerin Stefanie Lindner aus Passau zur Seite steht, in seiner Berufungsverhandlung auch gestern keine Angaben – weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Martina Huber. Das Amtsgericht Laufen hatte den 24-Jährigen im September 2017 zu neun Monaten Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit und 1 000 Euro Geldauflage wegen sexueller Nötigung verurteilt.

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Das Amtsgericht war im September 2017 zu dem Ergebnis gelangt, der Schönauer sei der Tat am 5. Dezember 2016 überführt. Gemäß Anklageschrift trat die 25-köpfige Gruppe samt Nikolaus – wie jedes Jahr – in der Einrichtung auf. Als der Nikolaus und der Kramperl das Gebäude wieder verlassen hatten, zerrten zwei Buttnmandl eine 25-jährige Erzieherin aus dem Haus und warfen sie zu Boden. Die Zeugin schilderte gestern: »Alles war ganz lustig. Dann aber legten sich die zwei auf mich drauf. Ich sagte, sie sollten runtergehen, sie seien mir zu schwer.«

Einer der Männer stand nach Worten des Opfers auf. Der Zweite aber, ein Fellkramperl mit geschwärztem Gesicht und hochgeschobener Holzmaske, hörte nicht auf und fasste der 25-Jährigen unter anderem an die Brüste. Die Frau rief um Hilfe. Ein anderes Buttnmandl zog den Täter weg und half der Erzieherin auf. Die Zeugin flüchtete ins Haus und erzählte kurz darauf alles dem Chef.

Die junge Frau bedauerte, sie könne den Täter nicht beschreiben. Sie wandte sich direkt an den Angeklagten: »Ich weiß nicht, ob du es warst. Aber du musst gesehen haben, wer es war. Wenn du es nicht warst, wer dann? Warum sagst du nicht, wer es war? Ihr kennt euch doch.« Auch darauf antwortete der 25-Jährige kein Wort. Wer der zweite Vermummte war, konnte bei den Ermittlungen nicht geklärt werden.

Auch eine 32-jährige Erzieherin wurde damals mit nach draußen gezogen. Sie kam unmittelbar neben der 25-Jährigen zu liegen. Auch die Kollegin spürte grabschende Hände von Buttnmandln am Körper und forderte, sofort damit aufzuhören. Die Männer reagierten nicht, wie die Zeugin gestern berichtete. Was genau mit der Kollegin passierte, konnte die 32-Jährige nicht sehen. Später in der Toilette ihrer Einrichtung entdeckten beide Damen schwarze Farbe an sich.

Am nächsten Tag kamen drei Buttnmandl der »Bernei Bass«, um sich zu entschuldigen – wie es der 56-jährige Nikolaus von der Gruppe gefordert hatte. Wer tatsächlich für die Übergriffe verantwortlich war, wisse er nicht, hatte der Nikolaus im Zeugenstand am ersten Verhandlungstag ausgesagt. Monika Kretzmer-Diepold