weather-image

»Wer Radmuttern lockert, ist ein Verbrecher«

3.7
3.7
Bildtext einblenden
»Das Lockern von Radmuttern ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr«, sagt Berchtesgadens Polizeichef Günther Adolph. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Eine Einheimische hat am Sonntag noch rechtzeitig bemerkt, dass am linken Hinterreifen ihres Suzukis alle Radmuttern gelockert waren. Sie hatte zwei Stunden zuvor ihr Auto auf dem Parkplatz neben der Poststelle in Berchtesgaden abgestellt. Als sie nach Hause fahren wollte, bemerkte sie das »Scheppern« und fuhr in die Werkstatt. Wie die Polizei mitteilt, geschah so etwas in jüngster Zeit häufig, heuer insgesamt schon sechs Mal.


»Wenn jemand die Radmuttern an einem Auto lockert, ist das keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Verbrechen«, gibt Günther Adolph im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« zu bedenken. Derjenige, der so etwas tut, will damit einen Unfall hervorrufen, erklärt Adolph.

Anzeige

Der Polizeichef von Berchtesgaden zitiert den Paragraphen »315b« des Strafgesetzbuches: »Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, dass er Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt, Hindernisse bereitet oder einen ähnlichen, ebenso gefährlichen Eingriff vornimmt, und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft.« Auch der Versuch ist strafbar.

Günther Adolph hat verschiedene Theorien, welche Personentypen als Täter in Frage kommen. »Es kann sowohl ein Streit zwischen Eheleuten die Ursache sein, woraufhin der Ehemann zum Beispiel den Wagen seiner Frau manipuliert. Oder auch ein Verrückter, der wahllos Radmuttern an verschiedenen Fahrzeugen lockert. Das können wir auch nicht ausschließen bei den Fällen in Berchtesgaden«, erklärt Adolph. Die Polizei Berchtesgaden ermittelt.

Ein Problem bei einer solchen schweren Straftat ist, dass es fast keine Spuren gibt. Ein anderes Problem: »Es gibt auch Fälle, bei denen sich die Radmuttern im Laufe der Zeit selbst gelockert haben«, informiert Adolph. Das könne man manchmal schlecht unterscheiden. »Deswegen sagt man auch, dass bei frisch gewechselten Reifen die Radmuttern nach 100 Kilometern nachgezogen werden müssen«, fügt er hinzu.

Allerdings gehen die Polizisten bei den aktuellen Fällen von vorsätzlicher Handlung, sprich Sabotage, aus. »Wir sind dringend auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen«, betont der Inspektionsleiter.

Im Falle der Einheimischen, die das lockere Rad am Sonntag bemerkte, ist Gott sei Dank nichts Schlimmeres passiert. Aber Adolph weiß, was passieren kann: »Wenn ein Auto zum Beispiel den Obersalzberg hinunterfährt, und das linke Vorderrad locker ist und abgeht, dann kracht das Auto in den Gegenverkehr. Wenn das rechte Rad abgeht, bricht der Wagen nach rechts aus und fährt den Hang hinunter. Oder jemand fährt auf der Bundesstraße und das Rad löst sich. Dann kann er an einem Baum landen oder auf den Fußweg rasen. Es können die schlimmsten Unfälle passieren.« Ein aufmerksamer Autofahrer würde aber rechtzeitig merken, wenn ein Rad am Auto locker ist. »Dann beginnt es, zu eiern und zu scheppern«, so Adolph.

Die Polizeiinspektion Berchtesgaden, Telefon 08652/94670, bittet auf jeden Fall dringend um Hinweise. Wer etwas Verdächtiges oder jemanden, der an einem Auto nachts die Radmuttern lockert, beobachtet hat, soll sich melden und bei der Aufklärung der Verbrechen helfen. Annabelle Voss