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Wer will, darf Holz in Können umsetzen

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Alle Preisträger des schulinternen Danner-Wettbewerbs an der Berufsfachschule für Schreinerei und Holzschnitzerei. (Fotos: Merker)
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Das Kleinmöbel von Maja Fenderl überzeugt auch mit seiner handwerklichen Ausführung.
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»Versuch 1« nennt Georg Mayerhanser seine Arbeit zu Mensch und Tier.

Berchtesgaden – Die Berufsfachschule für Schreinerei und Holzschnitzerei veranstaltete auch heuer wieder einen schulinternen Danner-Wettbewerb. In drei Wochen fertigten die Schülerinnen und Schüler Möbel und Skulpturen zu vorgegebenen Themen. Die besten Arbeiten wurden am Samstag prämiert.


»Beim Danner geht es immer rund in der Schule«, erzählte Schulleiter Norbert Däuber. In den drei Wochen herrscht fast ein wenig Ausnahmezustand, denn die Schülerinnen und Schüler sollen ihre eigenen Entwürfe rechtzeitig fertig bringen. Eine Jury für die Schreiner und eine Jury für die Bildhauer begutachtet nämlich dann sehr kritisch die entstandenen Stücke. Dank der Danner- Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Kunsthandwerk in Bayern zu unterstützen und zu fördern, winken neben der Ehre auch Geldpreise. Däubers Angst, sich mit unfertigen und schlechten Stücken vor der Jury zu blamieren, war umsonst, wie er feststellte, denn es sind wieder sehr schöne Arbeiten entstanden.

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Doch vor der Preisvergabe überbrachte der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp die Grüße des Landrates, der sehr an der Schule hänge. »Handwerk ist eigentlich zu kurz gegriffen, denn es müsste auch Denkwerk heißen«, so Schaupp. Die Schülerinnen und Schüler müssten durchdenken, wie kann ich das Thema umsetzen, was kann ich und wie was mache ich daraus? »Von Anfang an ist das Denken mit dabei. Deswegen sind auch heuer wieder richtige Schaustücke entstanden, die die Preise verdient haben.«

Auch Bürgermeister Franz Rasp betonte, dass wieder sehr tolle Stücke ausgestellt wurden. »Interessant ist, dass jene Stücke, die ich gut finde, nicht unbedingt auch die Jury gut findet.« Für ihn besteht die Danner-Arbeit aus einer Gleichung. »Die Leistung ergibt sich aus dem Produkt von Können, Wollen und Dürfen. Gerade beim Dürfen zeigt sich, dass es sehr weit gefächert ist.«

Drei Preise pro Klasse konnte Norbert Däuber an die erfolgreichen Schülerinnen und Schüler verteilen. In der Klasse von Jürgen Gasteiger erarbeiteten die Schreiner im ersten Ausbildungsjahr Stücke zum Thema »Regal« und die Schreiner des zweiten Jahres hatten von ihrem Fachlehrer Rochus Sebold das Thema »Warten« bekommen. Die Schülerinnen und Schüler der Schreiner im dritten und letzten Lehrjahr bauten unter der Aufsicht ihres Meisters Bernhard Wimmer als Vorbereitung zum Gesellenstück Kleinmöbel. Bei den Holzbildhauern im ersten Jahr gab Johann Stellner das Thema »Ornament« aus. Das zweite Jahr hatte sich Gedanken zu dem Thema »Gruppe« gemacht, das ihnen ihr Meister, Lutz Hesse, vorgegeben hatte. »Mensch und Tier« mussten die Holzbildhauer im dritten Jahr unter Fachlehrer Walter Ziegler fertigen.

Die ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler stellten ihre Arbeiten kurz vor, erläuterten die Idee und die Ausführung. Denn es ist immer wieder erstaunlich, auf welche Lösungen die Schülerinnen und Schüler der Schnitzschule kommen. Traditionelles Handwerk verbindet sich mit neuen Ideen. Raffiniert, wie die Schreiner manche Eckverbindungen gestalten, erstaunlich, was die Holzbildhauer sich zu den Themen einfallen lassen. Man sieht die Denkarbeit, wie sie Rudolf Schaupp angesprochen hatte, in den Stücken ganz greifbar und dem Betrachter geht es wie Bürgermeister Rasp, denn vieles gefällt einem, das nicht mit einem Preis bedacht wurde. Aber Juryentscheidungen sind immer auch tagesabhängig, betonte der Schulleiter.

Der Förderverein Schnitzschule konnte, dank der Spende der Volksbank Raiffeisenbank, ebenfalls Preise ausloben und verteilen. Während der Preisvergabe rief immer wieder einmal ein Schüler »Bingo«. Denn die Schülerinnen und Schüler veranstalten ein kleines Bingo-Spiel, bei dem derjenige gewinnt, der die Preisträger in der richtigen Reihenfolge vorhersagt. Dabei geht es darum, die eigene Leistung und jene der Mitschüler einzuschätzen. Auch das gehört zu einem guten Handwerker dazu: Qualität zu erkennen und sich durch gute Arbeiten anspornen zu lassen. Christoph Merker