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Wie ist das Leben auf dem Bauernhof?

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Erlebnisbäuerin Katharina Walch vom Berneggerlehen mit ihrer »Mischherde«. (Foto: Horn)

Berchtesgaden – Wie werden eigentlich gesunde, regionale Lebensmittel produziert? Woher kommt die Milch und in welchem Einklang stehen die Abläufe auf einem Bauernhof? Es gibt viele Fragen, die sich rund um das Thema »Landwirtschaft« auftun. Einen Beitrag dazu leisten die »Erlebnisbäuerinnen«. Die erste dieser Art im Berchtesgadener Talkessel ist Katharina Walch, die ihr Wissen rund um die Landwirtschaft weitergeben will.


»Erlebnisbäuerin«, das ist eine Qualifikation, die dazu berechtigt, Kindern oder Erwachsenen das Leben und die Zusammenhänge auf einem Bauernhof näher zu bringen. Katharina Walch vom Berneggerlehen am Obersalzberg hat diese Ausbildung erfolgreich absolviert. Die 31-jährige Jungbäuerin sprüht nur so von Ideenreichtum.

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Beste Voraussetzungen bieten sich für die junge Frau, die mit ihrer Familie im Berneggerlehen auf einem idyllischen Fleckchen Erde lebt. Das Lehen liegt auf rund 700 Höhenmetern in der Nähe der Oberau und wird als Nebenerwerbsbetrieb mit 20 Hektar Grünland und sechs Hektar Wald geführt. Katharinas Schwiegereltern Josef und Maria Walch sind die Besitzer. Die Arbeit wird von der ganzen Familie bewältigt. Die Landwirtschaft ist ein Zubrot. Josef Walch betreibt ein Lohnunternehmen und Maria Walch arbeitet in Teilzeit als Verkäuferin. Katharinas Mann Florian ist ebenfalls berufstätig und Katharina, die eine Berufsausbildung als Tourismuskauffrau absolviert hat, geht zusätzlich stundenweise arbeiten. Die Jungfamilie hat mittlerweile zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren.

Kälbchen, Esel, Ziegen, Katzen, Hasen und Enten

Die Arbeit auf dem Hof erfordert neben der Berufstätigkeit viele zusätzliche Stunden, und doch oder gerade deshalb, hat sich Katharina entschieden, sich zur Erlebnisbäuerin ausbilden zu lassen. »Vergangenes Jahr hat mich meine Schwiegermutter Maria darauf gebracht, das zu machen, und mir vollste Unterstützung zugesagt«, erzählt Katharina. Maria Walch ist die stellvertretende Kreisbäuerin im Berchtesgadener Land.

Der Berneggerhof ist vielseitig strukturiert und bietet optimale Voraussetzungen dafür. Im Stall stehen neun Milchkühe, die Nachzucht verbringt den Sommer auf der Alm und wird erst im Herbst wieder zurück zum Hof gebracht. Gut aneinander gewöhnt ist die »Mischherde« mit einem Kälbchen, zwei Eseln und drei Ziegen. Katzen, Hasen und Enten runden den Tierbestand ab. Nachdem die familiären Weichen gestellt waren, hat Katharina dann im vergangenen November mit dem ersten Teil, dem Kurs »Innovativer Unternehmer werden und sein« begonnen. Von Januar bis Mai dieses Jahres hat sie Tagungen und Seminare besucht. »Die Kurse haben auf verschiedenen Höfen in der Mitte Bayerns stattgefunden, da musste ich teilweise mehr als vier Stunden Fahrzeit in Kauf nehmen«, erzählt Katharina Walch.

Tiere füttern und Geräusche erkennen

Die Prüfung fand schließlich am heimischen Hof statt. Katharina hat schon die ersten positiven Erfahrungen mit ihrer neuen Qualifikation gemacht. »Es waren schon Kindergärten und Schulklassen auf dem Hof, wir haben einen Kindergeburtstag gefeiert und ich durfte einer Gruppe von zehn jungen Müttern das Leben auf dem Bauernhof näher bringen«, freut sie sich. Die Programme für die einzelnen Gruppen stellt sie individuell zusammen.

»Mir geht es darum, sowohl Kindern als auch Erwachsenen aufzuzeigen, was Landwirtschaft bewirkt und wie gesunde regionale Lebensmittel erzeugt werden«, steckt Katharina Walch ihre Ziele ab. Das Angebot ist vielseitig strukturiert, nicht nur die Einheimischen werden angesprochen. »Auch Feriengäste haben großen Spaß daran«, erzählt sie. So dürfen die Besucher etwa die Tiere füttern, sie sollen die Geräusche im Kuhstall definieren oder Walch erklärt ihnen die Unterschiede zwischen Heu und Stroh.

Die Erlebnisbäuerin hat noch viel vor. Die Anfänge sind gemacht und die Weichen für die Zukunft gestellt: so wird sie unter anderem im kommenden Jahr mit einem Sommerprogramm im Freizeitpass des Landratsamtes aufgeführt sein. Maria Horn