Wieviel Gewerbe soll in den Flächennutzungsplan?

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Ob auf dem Ludlerfeld einmal ein kleines Gewerbegebiet entstehen wird, ist noch lange nicht sicher. In den neuen Flächennutzungsplan soll es nach dem Mehrheitsbeschluss des Marktgemeinderats aber aufgenommen werden. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Eine »Entwicklung mit Augenmaß« und ein »moderates Wachstum« hat sich die Marktgemeinde Berchtesgaden bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans zusammen mit den Nachbargemeinden auf ihre Fahnen geschrieben. Das unterstrichen auf der Montagsitzung, in der der Marktgemeinderat mit einer Gegenstimme (Manfred Leubner) die Entwurfsplanung billigte und die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung beschloss, auch alle Diskussionsredner. Und doch wird es vor allem um die Ausweisung der einzigen Gewerbefläche auf dem Ludlerfeld in Unterau noch Diskussionen geben, wie sich am Montag bereits andeutete.


»Der Bebauungsplan ist als Strategieplan zu verstehen, mit der die Gemeinde ihre Planungsabsicht für die nächsten 20 Jahre kund tut«, sagte Bürgermeister Franz Rasp. Und unterstrich erneut, dass ein Flächennutzungsplan keinesfalls Baurecht schaffe. Zudem versicherte der Rathauschef, dass im Zuge der nun anstehenden frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden jeder Bürger die Möglichkeit habe, Vorschläge einzureichen. »Jeder Punkt wird im Gemeinderat einzeln geprüft und diskutiert«, versicherte Rasp.

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Sehr angetan von der bisherigen Planungsarbeit zeigte sich Wolf Steinert vom gleichnamigen Planungsbüro in Übersee, der für die fünf Talkessel-Gemeinden den neuen Flächennutzungsplan inklusive Landschaftsrahmenplan erstellt. Er freute sich, dass sich die beteiligten Gemeinden beim Leitbild einig sind. Dazu gehören ein moderates Bevölkerungswachstum, die Sicherung und Erweiterung des Arbeitsplatzangebots, die Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe, ein Bekenntnis zur Tourismusregion und die Stärkung des Ortszentrums Berchtesgaden.

Man geht derzeit von einem Bevölkerungswachstum von rund 0,4 Prozent aus, was einem jährlichen Zuwachs um 33 Menschen entspricht. Damit würde sich die Bevölkerungszahl in Berchtesgaden bis zum Jahr 2026 auf 8 213 Einwohner erhöhen. Für sie werden 289 neue Wohneinheiten benötigt. 155 davon sollen durch Innenentwicklung entstehen, 134 könnten durch Neuausweisungen von Bauflächen entstehen. Außerdem sind 1,1 Hektar an Gewerbeflächen auf dem Ludlerfeld in Unterau ins Auge gefasst, darüber hinaus sieben Ausweisungen von Sondergebieten für den Tourismus (Hotels, Camping, Gesundheit, Freizeit). Steinert geht davon aus, dass der Flächennutzungsplan etwa ab August/September öffentlich ausgelegt wird.

»Wir haben uns jede Flurnummer im Detail angeschaut«, versicherte Bürgermeister Franz Rasp. Die 450 Seiten starke Entwurfsplanung sei leider zu groß für eine Darstellung im Internet. Auf Wunsch bekomme aber jeder Bürger eine CD-Rom mit allen Daten.

In der anschließenden Diskussion zeigten sich zunächst alle Gemeinderäte angetan von der »vergleichsweise moderaten Entwicklung«, wie es auch Manfred Leubner (Grüne) formulierte. Der zeigte sich aber mit der Ausweisung des Ludlerfelds als Gewerbefläche nicht einverstanden. »Er hält das Grundstück am Eingangstor zu Berchtesgaden für nicht geeignet. Außerdem kritisierte Leubner, dass im Flächennutzungsplan Wohngebiete wie das Auerdörfl oder die Klaushöhe nicht als solche dargestellt würden.

»Wenn wir nachhaltig Arbeitsplätze sichern wollen, dann müssen wir geeigneten Betrieben Gewerbeflächen anbieten«, sagte Franz Rasp und verwies darauf, dass es nur um das Ludlerfeld gehe. Zudem solle hier auf keinen Fall ein Einkaufszentrum entstehen. Nur unter dieser Bedingung habe auch der Grundstückseigentümer grundsätzliche Gesprächsbereitschaft angekündigt. Beim Auerdörfl und der Klaushöhe gehe es darum, die Außenbereichsflächen zu schützen und stattdessen die Innenentwicklung zu stärken.

Dass das Gewerbegebiet Ludlerfeld noch lange nicht in »trockenen Tüchern« ist, zeigte die weitere Diskussion. So sieht Dr. Bartl Wimmer (Grüne) ein Gewerbegebiet Ludlerfeld als »verhängnisvolle Entwicklung« und befürchtet, dass mit einer Realisierung in Punkto gemeindeübergreifendes Gewerbegebiet sich lange Zeit nichts mehr tun werde. Auch Bartl Mittner (SPD) hält ein Gewerbegebiet am Ortseingang für schlecht platziert.

Für Bürgermeister Franz Rasp ist es trotz mancher Bedenken wichtig, dass man das Gewerbegebiet Ludlerfeld in den Flächennutzungsplan aufnimmt. Denn nur dann könne man die Stellungnahmen bekommen, um sich eine endgültige Meinung zu bilden. Auch den privaten Grundstücksbesitzern riet Rasp, sich den neuen Flächennutzungsplan genau anzusehen, um festzustellen, ob eigene Flächen betroffen sind. Die Einschaltung eines Steuerberaters könnte in manchen Fällen von Vorteil sein. Ulli Kastner

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