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»Wildboutique« im Forstbetrieb Berchtesgaden

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Dr. Daniel Müller und Claudine Leistner, die den Verkauf leiten wird. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforste möchte ab 15. Juni in einer eigens eingerichteten Wildboutique heimisches Fleisch an Endverbraucher verkaufen. Die Abschusszahlen von Gams, Reh oder Hirsch sollen allerdings nicht steigen.


Für den staatlichen Forstbetrieb Berchtesgaden bedeutet die Wildboutique eine neue Einnahmequelle. »Wir wollen in die Direktvermarktung«, sagt Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller. Pro Jahr werden rund 1 300 Stück Schalenwild geschossen. »Es gibt genaue Abschusspläne«, sagt Müller. An diesen wird sich auch nichts ändern.

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Die Idee ist rund ein halbes Jahr alt. Weil der Christbaumverkauf kurz vor Weihnachten seit Jahren ein großer Erfolg ist und an diesem Tag auch eine kleine Auswahl regionalen Fleisches verkauft wird, hat man sich bei den Bayerischen Staatsforsten dazu entschlossen, dauerhaft in den Verkauf einzusteigen. »Es soll besonderes Fleisch werden, von der Hirschsalami bis hin zu Gämsen-Grillwürstchen.«

Die Bayerischen Staatsforste haben 45 000 Euro investiert und gleich nach dem Eingangsbereich einen Raum geschaffen, der ins Auge stechen soll. »Eine besondere Fleischqualität verlangt nach einem exquisiten Verkaufsraum«, so Müller. Große Glasvitrinen, ein indirekt beleuchtetes Bild des Wartsteins auf der Reiter Alpe, mehrere Tiefkühlvitrinen und Kühlschränke finden sich hier. Besonders geachtet hat man auf den Ausbau mit heimischen Hölzern.

Der Innenarchitekt hat dunkle Eiche als Bodenbelag gewählt. Die Schränke sind aus Tanne, die Schrankeinhausungen aus Ulmenholz. Auf einem riesigen Tisch wird künftig das Wildbret präsentiert. »Da kann man dann auch mal einen Kaffee trinken«, sagt Müller. Zirbenduft liegt in der Luft. Ein Schreiner hat die Platte aus einer 300 Jahre alten Zirbe hergestellt, diese ist kaum behandelt und handgehobelt und wurde eigens dafür auf der Reiter Alpe geschlagen. Falls mal Ersatz notwendig wäre, hat man im Forstbetrieb vorgesorgt und bereits eine zweite, mehrere Zentimeter dicke Platte anfertigen lassen. Die Zirbe stand direkt an der Straße im Übungsgebiet der Bundeswehr auf der Reiter Alpe. Über die Bundeswehrseilbahn wurde sie ins Tal befördert. »Wir haben das beste heimische Holz verwendet, das wir bekommen konnten«, sagt Müller.

»Bislang haben wir unser Fleisch an Restaurants, Hotels und Gaststätten verkauft.« Diesen Zwischenschritt möchte man nun umgehen. Gemeinsam mit einer Metzgerei aus Bischofswiesen lässt man das Fleisch verarbeiten. »Wir verkaufen es dann nur noch.« So wird es in Zukunft ganzjährig Gams- und Hirschschinken geben, Wildsalami, Gamsknacker oder Bratwürste. Das Verkaufssortiment wird je nach Jahreszeit angepasst. Im Sommer soll es Steaks zum Grillen geben, im Winter wird die Ware durch Braten und Keulen ergänzt.

Wer jetzt auf die Idee kommt, dass im Forstbetrieb Berchtesgaden künftig mehr Tiere geschossen werden als bislang, liegt falsch: »Die Jagd auf das Schalenwild ist gesetzlich geregelt«, sagt Daniel Müller. Alle Abschusspläne seien geregelt. Würde zu viel geschossen werden, drohten dem Forstbetrieb Bußgelder. »Das ist nicht in unserem Sinn«, sagt er. Kommt der Direktverkauf gut an, »müssen wir an anderer Stelle einsparen und verkaufen dann halt weniger an Hotels oder Restaurants«.

Zum offiziellen Start der Wildboutique soll es ein großes Grillfest geben, inklusive Blasrohrwettbewerb, kündigt Müller an. Ebenso verrät er, dass die Bayerischen Staatsforste planen, ein eigenes Kochbuch auf den Markt zu bringen.

Die Eröffnung ist für 15. Juni geplant. Die Fleischboutique wird dann während der regulären Öffnungszeiten des Forstbetriebs, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, geöffnet sein. Kilian Pfeiffer