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»Wilde Hilde« wieder auf dem Bildschirm

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Als »Wilde Hilde« ging sie in die Sportgeschichte ein. Die Schönauerin Hilde Gerg wird ab 30. Januar am TV-Format »Ewige Helden« auf VOX teilnehmen. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Hilde Gerg hat vor genau 20 Jahren olympisches Gold und Bronze in Nagano gewonnen. Inzwischen ist sie TV-Kommentatorin bei Skirennen. Jetzt hat sie die Hauptrolle der TV-Sendung »Ewige Helden«, die ab Dienstag um 20.15 auf VOX läuft. Am 13. Februar wird der Fokus in einer eigenen Folge auf Hilde Gerg liegen.


In der mittlerweile dritten Staffel von »Ewige Helden« treten acht ehemalige Spitzen-Athleten in 24 Wettkämpfen gegeneinander an. Mit dabei ist diesmal Skirennläuferin Hilde Gerg aus Schönau am Königssee. »Ich gebe nicht auf, wenn, dann ziehe ich es durch«, sagt sie. Gerg gehörte über zehn Jahre lang zur Weltelite, sammelte sechs Olympia- und Weltmeisterschafts-Medaillen, darüber hinaus 20 Weltcupsiege.

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In der TV-Reihe will sie beweisen, dass sie nicht nur auf Skiern eine Top-Athletin ist. »Ich habe lange überlegt, ob ich bei dem Format mitmachen soll«, sagt Gerg, die in ihrem Leben so manchen sportlichen, aber auch persönlichen Schicksalsschlag einstecken musste. Im vergangenen Jahr hatte sie zunächst noch abgesagt, dieses Mal sagte sie zu: »Es ist die optimale Gelegenheit, nochmal auf die eigene Karriere zurückzublicken«, sagt sie.

Gerg ist mittlerweile 42 Jahre alt, hat drei Kinder. Im Winter steht sie noch immer gern auf Skiern, im Sommer findet man sie in den Berchtesgadener Bergen. Bereits mit 14 Jahren gehört sie zu einer der besten Junioren-Skifahrerinnen in Deutschland, durfte mit 16 Jahren das erste Mal im Europacup mitfahren und hatte mit 17 Premiere im Weltcup. Der Leistungssport prägte sie. »Ich sehe in der Teilnahme an dem neuen TV-Format eine Herausforderung, um mich sportlich unter Beweis zu stellen«, sagt Gerg, die mehrere Wochen lang für das Format trainierte. Unter anderem das Tauchen. Mit Hansi Ebner vom Obersalzberg ging sie regelmäßig in die Watzmann Therme und ins Schornbad nach Schönau am Königssee, immer dann, wenn die Gäste bereits weg waren. Einen Monat lang hatte sie Zeit, ihre Fitness »auf Vordermann zu bringen«.

Dreharbeiten in Andalusien

Die Aufnahmen fanden in Andalusien/Spanien statt. Sie dauerten dreieinhalb Wochen. Acht Folgen mit je Minuten Dauer. »Die Dreharbeiten dauerten lang«, sagt Gerg, die zwar das Meer liebt. Aber wochenlang auf die Berge zu verzichten, das war dann doch eine besondere Herausforderung, wie sie mit einem Grinsen anfügt. »Es war nicht leicht, organisatorisch alles unter einen Hut zu bekommen«, sagt sie. Allein schon wegen ihrer Kinder. Aber sie war gespannt auf den sportlichen Wettkampf, zumal sie die Teilnehmer, die gegen sie antreten, persönlich noch nicht kannte. »Das hat mich schon irgendwie gereizt.«

Neben Hilde Gerg sind drei weitere Frauen und vier Männer mit von der Partie: Handball-Star und Weltmeister Pascal Hens, die erfolgreichste deutsche Sportgymnastin Magdalena Brzeska, Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, Turn-Europameister Philipp Boy, Europas Fußballerin des Jahres, Celia ai, Siebenkampf Vize-Weltmeisterin Jennifer Oeser sowie der elfmalige Europameister im Wasserspringen, Sascha Klein.

Angetreten wird in 24 verschiedenen Wettkämpfen, es geht um Punkte, die beste Leistung. Ihren Siegeswillen hat Hilde Gerg, die wegen ihres rasanten Fahrstils als »Wilde Hilde« in die Sport-Geschichte einging, nie verloren. Dass sie nun aber mit Abstand die Älteste war, der Leistungssport schon lange zurückliegt, machte ihr Gedanken: »Natürlich ist es schwierig, mit über 40 Jahren Top-Leistungen zu zeigen«, sagt sie. Aber Skifahrer sind Allrounder. Vielleicht nicht die besten Ausdauersportler, aber was Kraft, Balance und Schnelligkeit angeht, »da fühle ich mich gut«.

In der Tat seien die dreieinhalb Wochen anstrengend gewesen. Der Fokus lag die gesamte Zeit über auf den sportlichen Herausforderungen: Egal, ob Cross-Parcours, bei dem man unter Holzbalken hindurch im Dreck robbte, Schlammlöcher durchquerte oder Hindernisse bewältigte, sich über Stunden in einen Türrahmen spreizte oder an Turnstangen in vier Metern Höhe akrobatische Leistungen vollbrachte. Die Grenzen des Machbaren waren oft erreicht. »Ich habe mich oft gefragt, wieso ich mir das alles antue«, sagt Hilde Gerg.

»Eine wackelige Angelegenheit«

Spätestens beim sogenannten »Heimspiel«, also jenem Wettbewerb, der auf sie zugeschnitten wurde, konnte sie ihr Können unter Beweis stellen. Eine Gleichgewichtspyramide auf Wasser musste gemeistert werden. Die Balance zu halten, gehört für Skifahrer zum A und O. »Das war eine ziemlich wackelige Angelegenheit«, sagt sie. Gewonnen hat sie am Ende ihre Paradedisziplin aber trotzdem.

Privater Schicksalsschlag

Nicht nur der sportliche Wettkampf stand im Fokus, sondern auch das Private. Auch Erlebnisse, über die sie nur schwer sprechen konnte. Denn Gerg erlebte einen schweren Schicksalsschlag, kurz nach ihrer erfolgreichen Karriere. Ihr Mann und langjähriger Trainer Wolfgang Graßl wurde vor einigen Jahren aus dem Leben gerissen und hinterließ eine große Lücke in ihrem Leben. Doch sie fand wieder die Kraft, nach vorne zu schauen. Sie heiratete vor drei Jahren erneut. Künftig möchte sie wieder mehr trainieren, das neue TV-Format hat ihre sportlichen Ambitionen geweckt. Kilian Pfeiffer