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Wilfried Haslauers Angst vor geschlossener Grenze

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Selbst bei Regen und kalten Nachttemperaturen geben die Flüchtlinge ihren Platz in der Warteschlange nicht mehr auf. (Fotos: Hudelist)
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Die Salzburger Ärztin Fatma Gürel ist jeden Abend an der Grenze unterwegs, hier mit einem Kind aus Afghanistan, das völlig durchnässt Fieber hatte.

Freilassing/Salzburg – Rund 1 500 Flüchtlinge reisen derzeit täglich über Freilassing in die Bundesrepublik ein, darunter rund die Hälfte mit Sonderzügen direkt vom Hauptbahnhof Salzburg. Salzburgs Landeshauptmann warnt unterdessen vor der »großen Krise« und fragt: »Was machen wir, wenn Bayern dicht macht?« Davon abgesehen, dass nicht Bayern, sondern nur die gesamte Bundesrepublik einen Einreisestopp verhängen könnte, sprach Wilfried Haslauer von einem Plan B, wenn bei einer Grenzschließung »innerhalb von wenigen Stunden 5 000 Leute da sind«. Unterdessen entpuppte sich eine angebliche Kontrolle der Flüchtlingsbrücke durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) als Ente.


Die Stadt Salzburg ist derzeit Endstation in Österreich für die meisten Flüchtlinge, die über Ungarn einreisen. Es gibt zwar sowohl in Nickelsdorf als auch am Wiener Westbahnhof und in den Regionen Übergangslager, dennoch landen am Ende viele Reisende am Hauptbahnhof. In der Nacht auf Donnerstag übernachteten 1 300 Menschen in der Tiefgarage des Hauptbahnhofes, »das können wir aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulassen«, sagte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, seither wird die Tiefgarage bei 800 belegten Notbetten geschlossen. Die Folgen sind nicht ungefährlich, denn im ersten Fall werden die dann ankommenden Flüchtlinge zur Autobahnmeisterei gefahren, von wo aus sie aber alle zur Grenze Saalachbrücke weitergehen und die Situation dort verschärfen.

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Im zweiten Fall müssen die Flüchtlinge irgendwo im Bahnhofsbereich einen Platz finden. »Hier besteht die Gefahr, dass die ÖBB den Hauptbahnhof sperren, wenn wegen Überfüllung die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann«, so Hannes Greifeneder, Sprecher der Stadt Salzburg.

Entspannung an der Flüchtlingsbrücke

Am Freitagnachmittag war die Situation an der Flüchtlingsbrücke zwischen Salzburg-Liefering und Freilassing relativ entspannt, die Helfer haben eine Art Nummernsystem entwickelt, sodass nicht mehr ganze Familien mit Kindern am kalten Gehweg sitzen, sondern nur mehr ein Familienmitglied. Frauen und Kinder warten derweil im warmen Notlager im ehemaligen Zollgebäude.

Am Hauptbahnhof waren zu Mittag rund 300 Menschen auf der Flucht, »gegen 14 Uhr ist aber schon wieder ein Zug aus dem Süden mit rund 400 Flüchtlingen angekommen«, so Greifeneder. »Wir appellieren daher dringend an den österreichweiten Einsatzstab, den Zustrom aus Wien und Richtung Süden zu reduzieren«, so der Sprecher der Stadt.

Am Donnerstag herrschte am Grenzübergang Saalachbrücke kurze Zeit Aufregung, weil die UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinen Nationen, angeblich eine Kontrolleurin zur Grenze geschickt hatte. Auf Nachfrage bei der UNHCR-Vertretung in Österreich stellte sich allerdings heraus, dass es sich lediglich um eine Art Sonderberichterstatterin handelte, »die europaweit umherreist und mit Flüchtlingen spricht«, so Ruth Schöffl, Pressesprecherin von UNHCR Österreich in Wien.

»Es gibt also weder eine offizielle Beurteilung der Situation an der Grenze noch wird es einen Bericht geben, der Besuch wurde aufgebauscht«, so Schöffl. Wenn die Situation an der Grenze offiziell beurteilt worden wäre, hätte das ein Mitarbeiter von UNHCR Österreich gemacht.

Plan B bei deutschem Einreisestopp

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer sieht unterdessen eine »große Krise« heraufziehen, »sollte Deutschland die Grenze schließen. Dann haben wir innerhalb von zwei, drei Stunden 5 000 Leute da in Salzburg«, so Haslauer beim ÖVP-Treffen am Rande des Ruperti-Tages. »Was machen wir mit denen?« – gemeint sind die Menschen auf der Flucht. Das Land habe für diese Situation einen Plan B. »Ich hoffe, wir müssen ihn nie umsetzen«, so Haslauer.

Ablösung für die Hilfskräfte

In Freilassing sind nach wie vor alle Flüchtlinge in einer Art großen Wartehalle, das heißt sie warten bei der Kontrolle auf der deutschen Seite der Flüchtlingsbrücke auf die Weiterfahrt mit Bussen und anschließend in der Notunterkunft Sägewerkstraße auf die Registrierung und die abermalige Weiterfahrt mit Bussen Stunden später zum Bahnhof Freilassing. Von dort aus reisen sie zu Zielen im gesamten Bundesgebiet.

Die Flüchtlingszahlen in Freilassing sind daher nur absolute Momentaufnahmen, so waren gestern am späten Nachmittag 267 Menschen in der Notunterkunft Sägewerkstraße untergebracht. Im Laufe des Abends reisten rund 1 300 Asylbewerber mit Sonderzügen weiter.

Unterdessen steht für die ehrenamtlichen Hilfskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes eine verdiente Atempause bevor. Nach über zwei Wochen Einsatz rund um die Uhr werden sie am Sonntag vorübergehend durch Kräfte des Arbeiter-Samariterbundes abgelöst. Außerdem lösten gestern Nachmittag Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Malteser Hilfsdienstes und der Caritas ab und stellen jetzt die Verpflegung in der Asylunterbringung in Freilassing sicher. Michael Hudelist

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