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Willy Michl gibt »Konzert der Zuneigung«

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»Sound of Thunder« Willy Michl liebt die Natur wie hier am Hintersee. Am 8. November gibt der »Isarindianer« im Gasthof »Unterstein« ein »Konzert der Zuneigung«. Anzeiger-Fotos
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Treffen im »Alpenhof« am Hintersee (v.l.): Gerd Bartels jun., Viktoria Bartels, Willy Michl, Inge Bartels, Cora Michl und Gerd Bartels sen.

Ramsau/Schönau am Königssee - Er ist ein »Traumwanderer« und seit Jahrzehnten unterwegs auf der »Straße des Rock 'n' Roll«. Die führt Willy Michl am Donnerstag, 8. November, in den Gasthof »Unterstein« in Schönau am Königssee, wo der bayerische Bluesbarde und »Isarindianer« ein »Konzert der Zuneigung« geben will. Um die Geister im Berchtesgadener Land schon einmal auf seinen musikalischen Auftritt einzustimmen, stattete der 62-Jährige mit seiner Frau Cora am Mittwoch dem Hintersee einen Kurzbesuch ab. Dort unterhielt sich der »Berchtesgadener Anzeiger« mit dem Freidenker über seinen musikalischen Lebensweg, die besondere Magie des Berchtesgadener Landes und natürlich über das bevorstehende Gastspiel in Unterstein.


Die Einladung der Familie Bartels vom »Alpenhof« kommt spontan, als sie den Willy und seine Cora unweit ihres Gasthofs entdecken. Beide nehmen gerne an und beantworten auf der Terrasse die Fragen des »Anzeiger«-Redakteurs. Doch zunächst ist »Sound of Thunder« noch zu sehr mit seinen Adlerfedern beschäftigt. Es dauert eine Weile, bis der Münchner Blueser alle sieben Federn korrekt an seinen langen schwarzen Haaren befestigt hat. Das Ganze ist ein Ritual, bei dem er sich gerne konzentriert. »Die Federn sind Antennen zu den Göttern; die könnten es einem übel nehmen, wenn man nicht bei der Sache ist.«

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Schließlich sitzt der Kopfschmuck perfekt und ein gut aufgelegter Willy Michl tut seine Zuneigung zu den Berchtesgadenern kund. »Die Berchtesgadener sind ein eigenes Volk, vergleichbar mit einer Indianernation«, sagt der »Isarindianer« mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und der 62-Jährige ist auch überzeugt, dass es im »Land der liegenden Hexe« auch Geister gibt. Früher hat er öfters das Lied von den Geistern an der Wimbachbrücke gesungen. »Doch das mache ich nicht mehr, weil ich die Geister sonst aufwecke. Man muss sie in Ruhe lassen.«

Willy Michl ist überzeugt, dass man im Berchtesgadener Land mit seiner grandiosen Natur dem großen Geheimnis näher ist als in der Stadt. »In Berchtesgaden gehen die Uhren anders«, sagt der Musikprofi. Gleichzeitig weiß er, dass es natürlich auch hier Probleme gibt, beispielsweise mit Drogen und Alkohol. Willy Michl kennt die Gefahren, die davon ausgehen. »Ich habe gelernt, dass der Konsum falsch war«, bekräftigt der Münchner, der seit langer Zeit »keinen Tropfen Alkohol mehr trinkt«. Dass ihm das guttut, ist ihm anzusehen. Der Willy präsentiert sich in guter körperlicher Verfassung, hat stark abgenommen und ist voller Energie.

Könnte es bei so viel Tatendrang nach 30-jähriger Pause (seit »Die Antwort« aus dem Jahr 1982) nicht einmal wieder eine neue Platte/CD geben? »Diese Frage kann nur der Berg beantworten«, sagt Willy Michl. Der Wunsch ist sicherlich da beim Bluesbarden, immerhin hat er nach eigenen Angaben »mindestens 45 eigene Songs« auf Lager, die noch keiner kennt. »Aber ich habe mich nie einer Plattenindustrie unterworfen und werde das auch künftig nicht tun«, verspricht der Willy. Außerdem koste es sehr viel Geld, wenn man etwas Gutes auf Tonträger bringen will. Und der »Isarindianer« ist sogar ein wenig stolz darauf, dass er der einzige namhafte Sänger ist, der seit 30 Jahren »ohne neuen Tonträger on the road gehen kann«.

Die »Straße des Rock 'n' Roll« wird Willy Michl, der 1974 mit seiner ersten Platte »Blues goes to Mountain« schlagartig bekannt wurde, am 8. November nach Unterstein ins Gasthaus von Judith und Thomas Lichtmannegger führen. Schließlich hat der Münchner zu den »Liachtein« seit 1971, als er erstmals in die Ramsau kam, eine enge Verbindung. »Das sind meine Brüder und Schwestern«, sagt Michl über die Familie Lichtmannegger. Doch der Blueser, der er Zeit seines Lebens geblieben ist, freut sich auch darauf, am 8. November seine anderen Berchtesgadener Freunde zu sehen. Das »Konzert der Zuneigung« widmet er dem bayerischen Märchenkönig Ludwig II., den Willy Michl als Friedensfürsten bezeichnet. Als »Friedenskonzert« will der Münchner seinen Auftritt zwar nicht sehen, doch werden »Love, Respect und Honour« in den Michl-Songs natürlich wieder eine tragende Rolle spielen.

Bei dem »Indianerkonzert für die Berchtesgadener Indianer« wird man beispielsweise »Wakan Tanka« hören, das Lied vom großen Geheimnis, oder den Song »Indian Summer«, in dem es um Liebe, Respekt und Ehre geht. Den »Caribbean Reggae« muss der Willy erst noch einmal üben, weil er ihn lange nicht mehr gespielt hat. Vermutlich wird der Sänger die Textzeile, in der er seinen Wunsch kundtut, einen »alten Nazi den Haifischen zum Fraß vorzuwerfen«, aber korrigieren. Denn der Münchner würde das Problem heute anders lösen wollen: »Heute würde ich mit dem Nazi reden und versuchen, ihm klarzumachen, wo sein Denkfehler liegt.«

Bevor sich »Sound of Thunder« nach intensiven Gesprächen vom Hintersee und der Familie Bartels verabschiedet, greift er natürlich noch zur Gitarre. Groß ist das Erstaunen der Gäste, als der »Isarindianer« vor dem Gasthaus »Alpenhof« in voller Montur einige seiner Hits wie »Wakan Tanka« und »Una bella Signorina« erklingen lässt. Die Geister dürfte der Willy mit seinem Kurzbesuch am Hintersee wieder einmal besänftigt haben. So sollte auch über dem Konzert in Unterstein, das um 20.30 Uhr beginnt, ein »guter Geist« schweben.

Karten für das Konzert gibt es im Gasthof »Unterstein« (Telefon 08652/6556055), bei Kartenservice Scharf (Telefon 08652/2325) und im Gasthof »Goldener Bär« (Telefon 08652/2590). UK