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»Wir haben keine Reservebank wie der FC Bayern«

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Im Rahmen der Dehoga-Kreisversammlung wurde der Posten des Kassiers neu besetzt. Brunhilde Krainer (2.v.r.) von der Falterkutsche in Bad Reichenhall hat dieses Amt übernommen. Vorsitzender bleibt Johannes Hofmann (r.), Schriftführer ist weiterhin Wolfgang Spiesberger (l.) und stellvertretende Vorsitzende Dagmar Haider. Foto: Anzeiger/kb

Berchtesgaden - Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) des Berchtesgadener Landes hielt am Donnerstag seine Kreisversammlung im Hotel »Edelweiß« ab. Dauerthema der Branche: der Fachkräfte- und Azubimangel. Der Kreisvorsitzende Johannes Hofmann fand deutliche Worte. Angefangen vom Koch bis hin zum Kellner bräuchten diese Berufsgruppen vor allem ein besseres Image.


Johannes Hofmann zog auf der Versammlung eine kurze Bilanz zum vergangenen Jahr. Auch wenn die aktuellen Übernachtungs- und Ankunftszahlen aus dem gesamten Berchtesgadener Land noch nicht vorlagen, zeigte sich Hofmann zufrieden. Der südliche Landkreis macht es vor und hat bei den Anreisen um drei Prozent zugelegt. Auch bei der Verweildauer gehe es wieder nach oben. Den Begrüßungsworten von Bürgermeister Franz Rasp konnte sich Hofmann nur anschließen. Demnach solle man nicht nur auf den Urlauber schauen, sondern auch auf den Einheimischen. »Denn wenn ein Einheimischer zufrieden ist, geht er mit dem Urlauber ganz anders um«, so der Kreisvorsitzende. »Wenn wir zufriedene Mitarbeiter haben, strahlt das auch auf die Gäste aus.«

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Aber ist die Gastronomie im Berchtesgadener Land von der Struktur und dem Personal her überhaupt bereit für mehr Urlauber? »Wir sind definitiv nicht so beieinander wie der FC Bayern mit seiner Reservebank, wo man beliebig auswechseln kann. Das können wir uns im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht leisten. Außerdem ist die Reservebank auf dem Arbeitsmarkt gar nicht zu haben«, sagte Hofmann. Qualifizierte Arbeitskräfte würden seit Jahren stark umworben, es gäbe inzwischen Industriebetriebe, die mehr Geld für Mitarbeiterbewerbung statt Produktvermarktung ausgeben, weiß er. Der ostdeutsche Raum, der nach der Wende noch Potenzial bot, sei abgeschöpft. »Die Fachkräfte aus den neuen Bundesländern sind längst vermittelt, 33 000 davon bei unseren österreichischen Nachbarn. Wenn man heute auf eine Skihütte kommt, darf man sich nicht wundern, wenn man von einem Mädchen in Dirndl-Kleid und sächsischem Dialekt bedient wird. Das ist halt mal so.«

Die Abwanderung ins Ausland hängt Hofmanns Meinung aber nicht nur damit zusammen, dass in Österreich die Bezahlung etwas besser sei, sondern das Image von gastronomischen Berufen. »Man merkt ganz deutlich, dass die dort höher angesiedelt sind. In Frankreich wird ein Koch sogar als ›Monsieur Chef‹ angesprochen. Bei uns ist das ein Mitarbeiter, der schauen soll, dass er was Gescheites auf den Teller bringt.«

Dieses grundsätzliche Problem werde man in kurzer Zeit nicht beheben können, macht sich Johannes Hofmann nichts vor. »Wir können nur bei den Chefs unserer Mitgliedsbetriebe und ihrer Mitarbeiterführung ansetzen, um motiviertes Personal zu halten. Wenn uns das nicht gelingt, bin ich mir sicher, dass wir die Abwärtsspirale in den Ausbildungsberufen für Gastronomie und Hotellerie nicht stoppen werden.« Zumal sich in Zeiten moderner Kommunikationsmittel wie Facebook negative Meldungen schnell verbreiten lassen. »Jugendliche erleben etwas Negatives im Betrieb, gehen an ihr Handy und multiplizieren das tausend Mal.« Solche schlechten Schlagzeilen könne man sich nicht leisten, sagt Hofmann, der auf Initiativen wie »Arbeitskreis Schule Wirtschaft« oder die Berufsinformationsmesse setzt, an der die Dehoga in diesem Jahr wieder teilnehmen wird.

Dass Johannes Hofmann derzeit Ex-Hotelier und Gastronom ist, liege nicht an ihm, sondern an der Stadt Bad Reichenhall, die das rund 12 800 Hektar große Areal, auf dem sich der Hofwirt befindet, veräußern will, erklärte er im Gespräch mit der Heimatzeitung. »Ich bin in keiner Weise in Gram mit der Stadt auseinandergegangen, ich wurde sogar gebeten, für eine weitere touristische Nutzung mein Wissen einzubringen.« Der Verlierer des Verkaufs sei in erster Linie der Gast, bedauert Hofmann. kb

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