weather-image
26°

»Wir haben von klein auf die Musik im Ohr gehabt«

4.4
4.4
Bildtext einblenden
Eva Schwab, Tochter von Franz Schwab, organisiert den Jubiläumshogoascht. (Foto: Aumiller)

Berchtesgaden – Der Schwab Franzi hat 1977 das Berchtesgadener Adventssingen ins Leben gerufen. Am 3. November wäre er 90 Jahre alt geworden. Somit wird der Jubiläumshogoascht am 20. Oktober zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Veranstaltung gleichzeitig ein Gedenktag für den Gründer. Obendrein wird die neue CD präsentiert, die im vergangenen Jahr live vom Adventssingen aufgenommen wurde. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« erzählt Eva Schwab, die Tochter von Franz Schwab, aus ihrem Leben und von ihrer Verbindung zum Adventssingen.


Frau Schwab, welche Aufgabe haben Sie beim Jubiläumshogoascht?

Anzeige

Eva Schwab: Ich kümmere mich um die ganze Organisation, das bedeutet, dass ich die Programme schreibe, dafür sorge, dass alle Gruppen da sind und in welcher Reihenfolge sie auftreten. Außerdem singe ich beim Schwabacher Dreig'sang mit.

Wie gestaltet sich der Abend? Gibt es auch einen musikalischen Leiter?

Schwab: Der einzige Dirigent ist Florian Kranawetvogl, der den Chor leitet. Ein Chor war immer auch Teil des Adventssingens. Die Chorsänger kommen von überallher, aus Berchtesgaden, aus Grödig, aus der ganzen Umgebung. Alle anderen Gruppen sind eigenständige Ensembles. Es soll vor allem ein lustiger, froh gestimmter Unterhaltungsabend sein, für uns ebenso wie für die Besucher, für die auch zum Tanzen aufgespielt wird. Fritz Schwärz erzählt zwischen den Musikstücken lustige Geschichten in Richtung Herbst und zur CD-Präsentation bringt er Anekdoten und lustige Episoden aus 40 Jahren Adventssingen ein. Schon als kleiner Bub war er als Hirt bei Tobi Reiser dabei.

Wie kam es damals zur Gründung des Berchtesgadener Adventssingens?

Schwab: Mein Vater war lange beim Salzburger Adventssingen und ebenso bei Tobi Reiser. In Anlehnung daran brachte er die Tradition nach Berchtesgaden und führte sie hier weiter.

Was bedeutete ihm diese Tradition und sein Engagement dafür?

Schwab: Mein Vater war Briefträger, das war sozusagen sein Brotberuf, aber die Musik war sein Lebensinhalt. Er hat Zither gespielt und sein Engagement für die Musik war seine Berufung.

Seit wann sind Sie dabei?

Schwab: Von Kindheit an. Wir sind drei Schwestern, Martina, Vroni und ich und wir haben als Kinder schon mitgesungen. Jedes Jahr ein bisschen mehr, bis wir zum Dreig'sang wurden. Jetzt singt die ältere Schwester leider nicht mehr im Dreig'sang mit, da sie weggezogen ist, aber wir haben in Tamara guten Ersatz gefunden. Seit 15 Jahren spiele ich außerdem die Maria bei der Herbergssuche. Man kann es mit dem Salzburger Adventssingen nicht vergleichen, wir bringen kein Oratorium, sondern eine ganz gemütliche Veranstaltung, die allen Freude macht.

Wann und wie haben Sie das Singen gelernt?

Schwab: Man muss es können, man muss das Gehör haben für das mehrstimmige Singen. Es gab keine Noten. Wir haben von klein auf die Musik immer im Ohr gehabt, weil der Vater die Weisen gesungen und gespielt hat. Aber vor zwölf Jahren habe ich eine klassische Gesangsausbildung gemacht und singe seitdem auch Klassisches.

Ist die Musik für Sie auch Lebensinhalt wie für den Vater?

Schwab: Mein Weg war etwas komplizierter. Im bürgerlichen Beruf bin ich jetzt seit 15 Jahren Altenpflegerin. Ich war immer künstlerisch veranlagt, wollte ursprünglich Architektur studieren, bin aber dann Holzbildhauerin geworden, weil mich Holz immer fasziniert hat. Da das aber eher eine brotlose Kunst ist, habe ich zehn Jahre lang als Bedienung im »Bräustüberl« gearbeitet. Aber als mein Mann sehr früh, bereits mit 40 Jahren, verstarb, war mir mit meinen drei Kindern die Arbeit im »Bräustüberl« zeitlich zu aufwendig und so hat sich die Altenpflegerin ergeben. Das sehe ich jetzt als meine Aufgabe. Ich bin in der mobilen Pflege tätig und kann dadurch in meinem Heimatort sein. Zum Holzbildhauern fehlt mir jetzt leider die Zeit, aber das Singen ist der wunderbare Ausgleich zum verantwortungsvollen Beruf. Das macht Spaß, ich singe immer irgendwo. Und es ist gesund, in jeder Situation. Das Singen vertreibt auch Kopfweh, durch die Atmung und die Schwingung. Elisabeth Aumiller