weather-image
12°

»Wir können viel erreichen«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Auch zuhause arbeitet Bezirksschülersprecher Louis von Stebut an seinen Kunstwerken. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Damit, dass er tatsächlich zum obersten Bezirksschülersprecher gewählt werden würde, hatte Louis von Stebut nicht gerechnet. Aber es ist so gekommen. Somit vertritt der angehende Holzbildhauer, der die Berufsfachschule für Bildhauerei und Holzschnitzerei in Berchtesgaden besucht, alle Berufsfachschulen, Fachschulen, Fachakademien, Wirtschaftsschulen und Berufsschulen aus dem Regierungsbezirk Oberbayern. »Es gibt viele Themen, die man angehen muss«, sagt er.


»Hier wird Demokratie gelebt«, sagt Louis von Stebut und meint damit sein kürzlich neu besetztes Amt als Bezirksschülersprecher. Demokratie mitzugestalten sei ein besonderes Privileg, das man nutzen solle, wenn man dazu die Möglichkeit habe. Von Stebut hat am Lockstein eine kleine Wohnung mit hübschem Panoramablick auf die Berge. Dort arbeitet er in seiner Freizeit an seinen Objekten. Ein großer Holzblock aus Eukalyptus-Holz steht in der Mitte des Zimmers. »Daraus soll mal ein Kopf werden«, sagt er, während er in seinen Händen ein Schmiedeeisen hält. Er hat sich in Berchtesgaden gut eingelebt, die Berge, die Natur, mehrere Freundschaften konnte er schon knüpfen. Er betont: »Die Berchtesgadener sind nicht so, wie es ihnen manchmal nachgesagt wird.«

Anzeige

Louis von Stebut kommt aus München. Seit eineinhalb Jahren wohnt er in Berchtesgaden. »Ich bin im zweiten Lehrjahr«, sagt der 24-Jährige, der Holzbildhauer werden will. Er über Umwege in den Talkessel. »Das war nicht der klassische Weg«, sagt von Stebut. Er hat schon viel in seinem Leben ausprobiert. Viele Monate hatte er nach dem Abitur im Ausland verbracht. In Lateinamerika bereiste er die verschiedensten Länder, in Ostafrika arbeitete er im Busch mit zwei Elefantenwaisen zusammen. »Das war die extremste Form des gesellschaftlichen Ausstiegs«, sagt der Wahl-Berchtesgadener. Unter sternenklarem Himmel am See Genezareth war er vor einigen Jahren live dabei, als Israel die ersten Luftangriffe auf Syrien flog. »Das hat mich damals richtig fertiggemacht«, sagt von Stebut.

Er wollte daraufhin studieren. Doch dann kam alles anders. Er sprang bei einem Freund, dessen Band auf Tournee ging, als Gitarrist ein. 20 Songs in zwei Tagen galt es einzuspielen. Für den Plan, Tierpfleger zu werden, war er überqualifiziert, aus dem Studiengang »Forstwissenschaften und Naturmanagement« wurde nichts. Über eine Bekannte stieß er dann auf die Schnitzschule in Berchtesgaden. »Ich hatte davor handwerklich nichts am Hut«, sagt er. Zufälligerweise fand zu diesem Zeitpunkt ein Tag der offenen Tür statt. »Mich hat vor allem interessiert, dass ich zu der ganzen Sache keinerlei Gefühl hatte – weder positiv noch negativ.«

Von Stebut bewarb sich trotzdem, er wurde genommen, und ist nun glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben. »Die Ausbildung ist klasse«, sagt von Stebut, der in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiven Zeichenunterricht genießen durfte. Dinge zu formen, sei ein Privileg, das Gefühl zu entwickeln, schöne Objekte zu gestalten, sei eine Einmaligkeit, die man nicht in jedem Berufszweig erleben könne.

Auch, wenn er damit in seiner bisherigen Schulkarriere keine Erfahrungen hatte, ließ er sich zunächst zum Klassensprecher an der Schnitzschule wählen. »Ich setze mich gerne für andere und die Belange der Schule ein«, sagt von Stebut. Bei der Bezirkstagung wurde er zum Bezirksschülersprecher gewählt. Während der Tagung werden Themen der jeweiligen Schulen besprochen, Verbesserungsvorschläge eingebracht. Drängende Themen sind etwa die Digitalisierung der Berufsfachschulen. Laut von Stebut gibt es da noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Nicht alle Schulen seien mit einer ausreichend Computern ausgestattet, zudem fehle oft ein allgemeiner Internetzugang oder die freie WLAN-Nutzung. Ebenfalls haben Hygienethemen einen besonderen Stellenwert. »Die Hygienestandards an so mancher Schule lassen zu wünschen übrig«, sagt von Stebut.

In einem Punkt waren sich alle Tagungsteilnehmer einig: An Berufsfachschulen, Fachschulen, Fachakademien, Wirtschaftsschulen und Berufsschulen aus dem Regierungsbezirk Oberbayern fehlen Sozialpädagogenstellen. Um auf die vielfältigen Themen intensiver eingehen zu können, ist es von Stebuts Anliegen, die Bezirkstagung nicht nur einmal pro Jahr abzuhalten, sondern zweimal. Die Vernetzung von Schülersprechern sei wichtig, er hofft, dass die Teilnehmerzahlen bei wichtigen Tagungen künftig deutlich ansteigen. Und weil das Amt des Bezirksschülersprechers nur für ein Jahr gilt, möchte sich der Auszubildende bei der nächsten Wahl erneut aufstellen lassen.

Louis von Stebuts Ziel ist es, die Ausbildung in der Schnitzschule erfolgreich abzuschließen. Vorstellen könne er sich, im Folgenden auf eine Kunstakademie zu gehen oder zusätzlich eine Schreinerausbildung zu machen. Vielleicht möchte er auch weiter politisch aktiv bleiben. Kilian Pfeiffer