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»Wir müssen keine Angst haben«

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»Wir können uns in Berchtesgaden sicher fühlen«, das versicherte der Berchtesgadener Polizeichef Günther Adolph im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Die Bürger im Talkessel müssen keine Angst vor Gewalt durch Asylbewerber haben. Das betonte der Berchtesgadener Polizeichef Günther Adolph am gestrigen Dienstag im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Generell ist die Zahl an Straftaten im Talkessel gesunken, wie aus dem Sicherheitsbericht der Polizeiinspektion Berchtesgaden hervorgeht.


Wie in einem Leserbrief in der Dienstagsausgabe zu lesen war, seien angeblich »wiederholt junge Frauen von aufdringlichen Asylanten angemacht« worden. Das sei falsch, versichert der Polizeichef. Es habe lediglich einen Vorfall vor einem Jahr gegeben, bei dem eine Frau von einem Asylbewerber angesprochen wurde. »Wir haben 150 Asylbewerber und fast keine Auffälligkeiten«, sagt Adolph.

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Die Häufigkeit von Straftaten liegt laut Sicherheitsbericht der Polizei zudem deutlich unter dem Durchschnitt Bayerns. Von allen Straftaten konnten die Berchtesgadener Polizisten 64 Prozent aufklären. 2014 gab es 758 Straftaten, im Vorjahr waren es noch 813. 2004 waren es noch über 1 000.

2013 gab es noch 110 Körperverletzungen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 85. Davon konnten die Ermittler knapp 90 Prozent aufklären. Dieser Deliktsbereich hat laut Polizeibericht maßgeblichen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, weshalb die Ermittlung der Täter immens wichtig sei. Dieses Gefühl für Sicherheit betonte Adolph im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« besonders. Es bedeutet, dass die Bürger keine Angst haben müssen, alleine durch den Markt zu gehen oder überfallen zu werden. »Besonders hat man die Wichtigkeit des Sicherheitsgefühls nach dem Mord in der WM-Nacht in Bad Reichenhall gesehen.« Damals haben sich die Menschen abends aus Angst nicht mehr auf die Straße getraut. Das sei in Berchtesgaden nicht der Fall.

48 Ladendiebstähle gab es im Jahr 2014 im Talkessel. Dazu kamen fünf Wohnungseinbrüche, von denen die Polizisten nur einen aufklären konnten. 34 Mal haben Diebe Räder gestohlen. 2013 waren es noch 40 Fahrraddiebstähle. Im Gegensatz dazu gab es einen Anstieg bei den Betrugsdelikten: Von 63 im Jahr 2013 auf 80 Betrugsfälle im Jahr 2014.

Im Bereich Vandalismus verzeichnen die Berchtesgadener Polizisten einen Rückgang von 140 Taten im Jahr 2013 auf 95 im vergangenen Jahr. 38 Mal haben Rowdys dabei Autos beschädigt. Die meist Unbekannten ließen ihre Wut bevorzugt an Straßenlaternen, Parkbänken, Hauswänden und Autos aus. Die Aufklärungsquote liegt hier lediglich bei 28 Prozent. Dafür hat Günther Adolph jedoch eine Erklärung: »Wenn ein Täter zum Beispiel mit seinem Fuß an ein Auto tritt, gibt es eventuell Schuhspuren. Wenn er allerdings mit einem anderen Gegenstand die Scheibe einschlägt, wird es schwierig. Es sei denn, es gibt eine Überwachungskamera oder die Anwohner haben etwas gesehen.«

Was Drogendelikte angeht, so ist auch hier die Zahl von 36 auf 20 im vergangenen Jahr gesunken. So war es auch bei den Sexualdelikten. 2013 mussten die Beamten in zwölf Fällen ermitteln, 2014 zehn. Dazu gehören sowohl exhibitionistische Handlungen als auch sexuelle Nötigungen sowie sexueller Missbrauch von Kindern. »Darunter fallen aber keine Vergewaltigungen«, erklärt Adolph, »Wir haben eher den Fall, dass ein Großvater seinem Enkelkind an den Hintern fasst. Das wird dann angezeigt.«

Der Polizeichef weist darauf hin, dass die Hilfe aus der Bevölkerung ein wichtiger Punkt beim Aufklären von Straftaten ist. Zum Beispiel haben 2014 einige Anrufer dabei geholfen, 38 illegale Schleusungen im Talkessel aufzuklären. »Die Menschen sind sehr aufmerksam und teilen der Polizei mit, wenn sie verdächtige Personen sehen«, weiß Adolph. Das sei auch gewünscht. Die Berchtesgadener zeigen laut dem Polizeichef Zivilcourage.

Bei Verkehrsunfällen starben drei Menschen. Insgesamt gab es 651 Unfälle. Bei 136 Unfällen wurden 44 Menschen schwer und 120 Menschen leicht verletzt. Der Schaden an den Autos lag bei einer Million Euro. Bei 18 Unfällen war Alkohol im Spiel. Hier will die Polizei in Zukunft wieder stärker kontrollieren, heißt es im Sicherheitsbericht. Von 143 Unfällen mit Unfallflucht konnten die Beamten nur 49 aufklären. Dazu kamen 65 Unfälle mit Wild. Annabelle Voss