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»Wir müssen total fit sein«

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Der Kärntner Höhlenretter Andreas Langer ist mit acht Kollegen bei der Bergung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser im Einsatz. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Er mag den Medienrummel um die »Riesending«-Rettung nicht. Er will nur helfen. Der Heimatzeitung hat der Kärntner Höhlenretter Andreas Langer, der seit Freitag mit acht Kollegen am Untersberg im Einsatz ist, allerdings ein kurzes Interview gegeben. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Andreas Langer über Kameradschaft, Fitness und das Streichholz für den Notfall.


Bisher fanden die Aktionen der Höhlenforschung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Jetzt kennen wohl Millionen Menschen die Bedingungen unter Tage ganz genau. Hat das für sie nicht auch einen positiven Nebeneffekt?

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Andreas Langer: Uns wäre lieber gewesen, weiterhin unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit zu arbeiten. Denn durch diese mediale Verbreitung erwarten wir einen zusätzlichen Höhlentourismus. Dadurch könnten die Unfallzahlen stark ansteigen.

Sie führen ihre persönliche Ausrüstung im Auto mit, damit sie im Falle eines Einsatzes sofort bereit sind.

Langer: Die Grundausrüstung unserer Leute ist in einer Plastikwanne verstaut. Darin sind alle persönlichen Gegenstände, die wir für die Kameradenrettung benötigen.

Neben den klettertechnischen Schwierigkeiten in einer dunklen Welt ist es dort rutschig, nass und kalt. Haben sie keine Angst, dass ihnen einmal das Licht ausgeht?

Langer: Mit der heutigen LED-Technik und zusätzlichen Akkus sowie Notbatterien haben wir genügend Licht. Im Biwak können wir auch mit »Brechlichtern« arbeiten, die etwa acht Stunden halten. Und wenn alle Lichter ausgehen (Langer schraubt eine dichte Plastikdose auf), habe ich immer Streichhölzer und eine Stumpenkerze dabei.

Welche Kriterien müssen sie und ihre Leute erfüllen?

Langer: Das Problem bei einer Höhlenbergung ist, das richtige Material dabei zu haben. Der Abstieg zum verletzten Höhlenforscher dauert immerhin zwölf Stunden. Wichtig ist dabei auch, dass Retter dabei sind, die das Höhlensystem kennen. Sie müssen körperlich, technisch und psychisch in der Lage sein, den Einsatz durchzustehen. Dafür trainieren wir unter anderen im Höhlensystem Rosskofel bei uns in Kärnten vier bis sechsmal pro Jahr den Ernstfall. Das größte Problem bei schweren Höhlenunfällen ist, einen Arzt zum Verletzten zu bringen. Höhlenretter sind als Ersthelfer speziell ausgebildet. Trotzdem sind wir keine Ärzte. Unsere Aufgabe ist es, Verletzte so schnell wie möglich aus den Höhlen zu bringen.

Sie arbeiten alle ehrenamtlich. Wie sieht es mit einer Unterstützung seitens der Politik aus?

Langer: Nicht recht gut. Aber vielleicht hat die große Aktion in der »Riesending«-Schachthöhle den Nebeneffekt, dass die Politik uns finanziell besser ausstattet. Christian Wechslinger