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»Wir sind auf jeden Winter vorbereitet«

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Salz en masse: Das Lager der Straßenmeisterei in Bischofswiesen ist bereits jetzt prall gefüllt. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgadener Land – Der Winter kommt. Wann, weiß niemand. Und wie schneereich er wird, auch nicht. Peter Maltan ist das egal. Denn der für den Winterdienst zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt Traunstein und sein Team sind schon längst auf Eis, Schnee und Matsch vorbereitet.


Herr Maltan, Wahrsager prophezeien einen langen, kalten Winter. Ist das Staatliche Bauamt dafür gerüstet?

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Peter Maltan: Wir sind auf jeden Winter vorbereitet. Unsere Lager sind schon jetzt gut gefüllt. Insgesamt 8 800 Tonnen Streugut haben wir in unseren sieben Hallen und zwei Silos. Hinzu kommen 12 000 Tonnen im Wasserburger Zentrallager. Das haben wir nach dem heftigen Winter 2006/2007 eingeführt. Denn das Salz muss in der Region sein, um im Ernstfall lange Lieferwege und -zeiten vermeiden zu können.

Wie viele Fahrzeuge beziehungsweise wie viel Personal steht für den Winterdienst zur Verfügung?

Maltan: Wir haben 92 Mitarbeiter. An Fahrzeugen verfügen wir über 14 Lastwagen und vier Unimogs. Hinzu kommen 30 angemietete Fahrzeuge von privaten Unternehmern.

Es gibt verschiedene Arten, Schnee und Eis von den Straßen fernzuhalten. Welche ist die effektivste?

Maltan: Split spielt heutzutage eine untergeordnete Rolle. Er wird praktisch gar nicht mehr verwendet. Wir benutzen fast ausschließlich Salz. Und zwar das effektive Feuchtsalz. Dabei wird das Trockensalz direkt auf dem Streuteller mit Sole gemischt. Das hat den Vorteil, dass das Streugut kaum vom Wind verweht wird. Alles kommt da hin, wo es hingehört. Nämlich auf die Straße.

Wie oft kommt es vor, dass der Räumdienst irgendwo stecken bleibt oder in einen Unfall verwickelt ist?

Maltan: Bei uns gibt es sehr wenig Unfälle. Es kommt aber durchaus vor, dass ein Räumfahrzeug zu einem Unfall hinzukommt. Zum Beispiel, wenn ein Lkw mit schlechten Reifen quer steht. Oft lassen die anderen Fahrer dann den Winterdienst vorbei, sodass er vor dem havarierten Lkw streuen kann. Das reicht meistens schon, damit es weitergeht.

Im Volksmund heißt es oft: Bei schönem Wetter ist der Winterdienst dauernd unterwegs. Aber wenn es schneit, sieht man weit und breit kein Räumfahrzeug. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Maltan (lacht): Das kann ich nicht bestätigen. Denn wir müssen ja die Verkehrssicherheit gewährleisten. Aber, was schon stimmt: Natürlich sind wir auch bei trockenem, schönem Wetter unterwegs. Zur Vorbeugung. Wir haben spezielle Glättemeldeanlagen und beobachten sowohl die Luft- als auch die Fahrbahntemperatur. Ab einem bestimmten Wert rücken wir aus. Denn Blitzeis oder Eisregen darf sich nicht in Eisglätte verwandeln. Bei starkem Schneefall gilt: Auch der beste Winterdienst kann nicht gewährleisten, dass alle Straßen schneefrei sind.

Das Einsatzgebiet des Staatlichen Bauamtes beim Winterdienst ist groß und topografisch sehr unterschiedlich. So gibt es im Berchtesgadener Talkessel weitaus mehr Straßen mit Kurven, Steigungen und Gefällen als beispielsweise in Neuötting. Wie werden Sie dieser Tatsache gerecht?

Maltan: Die Straßenmeistereien kennen ihr jeweiliges Gebiet sehr gut. Sie wissen genau, wo die neuralgischen Punkte sind und die Verkehrsbelastung am höchsten ist. Und darauf konzentrieren sie sich schwerpunktmäßig. Ein gutes Beispiel ist der Hallthurmer Berg beim Berufsverkehr. Es gibt die Vorgabe, dass ein Räumfahrzeug spätestens nach drei Stunden wieder bei der Ausgangsstelle sein muss. Wir unterschreiten diese Vorgabe übrigens. Bei uns hat ein Winterdienstfahrzeug eine Strecke von etwa 30 Kilometern zu bewältigen. Was natürlich vom Schwierigkeitsgrad abhängt. Ein besonderes Kennzeichen des Berchtesgadener Landes ist, dass es beispielsweise zur selben Zeit am Wachterl schneit und am Hallthurm regnet. In solchen Fällen koordinieren wir den Winterdienst flexibel per Funk.

Auf was müssen Autofahrer achten, wenn ihnen ein Räumfahrzeug entgegenkommt beziehungsweise sie hinter einem herfahren?

Maltan: Das Wichtigste ist Geduld. Überholen sollten Autofahrer auf gar keinen Fall. Ein Schneepflug ist ziemlich breit. Wenn einem also ein Räumfahrzeug entgegenkommt, sollte man am besten ganz rechts fahren. Und auf die Positionsleuchten außen achten, damit es nicht kracht. Christian Fischer

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