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»Wir sind nicht Karlsruhe«

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Marktschellenberg ist schon jetzt durch die Bundesstraße »zerschnitten«, die Bahn müsste an Engstellen eingleisig auf der Bundesstraße geführt werden. Fotos: Anzeiger/Hudelist
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Die drei Bürgermeister Stefan Kurz, Franz Rasp und Franz Halmich (v.l.) sind von der geplanten Königsseebahn unterschiedlich begeistert.

Berchtesgaden – Mehr als in Salzburg träumen bayerische Politiker von der Regionalstadtbahn Salzburg mit einem Ableger zum Königssee. Eine Machbarkeitsstudie wird zwar erst im Herbst 2014 zeigen, ob das Projekt Sinn macht, doch Landrat Georg Grabner spricht schon jetzt von einem »ungeheuren Potenzial«, den diese Bahn habe. Er hat jetzt auch eine schriftliche Zusage des Salzburger Bürgermeisters, sich am Projekt zu beteiligen, »wenn es keine Festlegung gibt, ob die Bahn im Bereich der Stadt oberirdisch oder unterirdisch geführt wird.« Die auf bayerischer Seite betroffenen Bürgermeister von Marktschellenberg, Berchtesgaden und Schönau am Königssee beurteilen das Projekt durchaus unterschiedlich.


Für Landrat Georg Grabner hat das Projekt Regionalstadtbahn »nicht nur Charme, sondern ein Riesenpotenzial«. Das Straßenbahnsystem soll nicht nur touristisch Bad Ischl mit dem Königssee verbinden, sondern vor allem die Stadt Salzburg und die Umlandgemeinden wie zum Beispiel Eugendorf besser verbinden.

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Zahlreiche Salzburger und bayerische Gemeinden sind im Verein Regionalstadtbahn vertreten, nur die Stadt Salzburg hat sich bisher quergelegt, weil sie sich eine mögliche unterirdische Trasse vom Bahnhof weg nicht vorstellen kann. »Jetzt habe ich allerdings ein Schreiben von Bürgermeister Schaden in der Hand, in dem er mir zusagt, dass sich die Stadt beteiligen wird, wenn nicht von vorneherein festgelegt ist, ob die Bahn in der Stadt oberirdisch oder als U-Bahn geführt wird«, sagt Grabner.

Bad Ischl-Königssee als Marketingziel

Für den Landkreis ist vor allem die Südstrecke von Grödig zum Königssee interessant, die nach ersten Schätzungen rund 90 Millionen Euro kosten würde. Für Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz haben die Pläne für die Regionalstadtbahn »vor allem touristische Bedeutung, es wäre eine wunderbare Verbindung für unsere Gäste, die bis nach Bad Ischl und zum Attersee fahren könnten.« Der Durchschnittsgast bleibe zwar nur eine Woche in Schönau am Königssee, dennoch glaubt Kurz, dass die Touristen auch die Sehenswürdigkeiten im Salzburger Land sehen wollen.

Die bestehenden Verbindungen nach Salzburg mit dem Bus oder mit der Berchtesgadener-Land-Bahn würden nach Kurz’ Ansicht »nicht so angenommen.« Die mögliche Trasse hätte im Bereich Schönau am Königssee zwar einige Engstellen zu bewältigen, »würde aber im Groben auf der alten Trasse direkt in den Ort kommen und hier eingleisig auf der Straße verlaufen.« Für die neun Monate »Nicht-Saison« glaubt Kurz, dass Einheimische und Jugendliche die Bahn auslasten würden.

Bürgermeister Halmich: »Wir sind nicht Karlsruhe«

Weniger euphorisch zeigt sich Franz Halmich, Bürgermeister in Marktschellenberg. »Ich bin dafür, wenn die Bahn für den Ort keine Nachteile bringt«, formuliert Halmich vorsichtig. Marktschellenberg sei schon jetzt durch die Bundesstraße sehr zerschnitten, »wegen der Enge müsste die Bahn dann auch auf der Bundesstraße geführt werden, und da befürchte ich, dass der Autoverkehr doch massiv behindert werden könnte.« Der Individualverkehr müsste dann viermal in der Stunde mit einer Ampel angehalten werden, der mögliche Stau würde Abgase produzieren.

Dass viele Pendler die Regionalstadtbahn nutzen werden, glaubt Halmich auch nicht richtig. »Wenn der Marktschellenberger direkt in Berchtesgaden am Bahnhof oder in Salzburg an der Strecke arbeitet, dann vielleicht, aber wenn er erst 15 Minuten zum Bahnhof gehen muss und am Ziel dann noch einmal 15 Minuten, dann wird er vermutlich auch weiterhin mit dem Auto pendeln.« Sein eher nüchternes Fazit: »Wir sind nicht Karlsruhe«.

Trend: Salzburger werden in Berchtesgaden wohnen

Eine generell bessere Vernetzung mit Salzburg durch das Bahnprojekt sieht hingegen der Bürgermeister der Marktgemeinde Berchtesgaden, Franz Rasp. »Wir sind ja derzeit für viele Salzburger immer noch ein weißer Fleck, aber das wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern.« Rasp will schon jetzt eine deutliche Zunahme von Salzburgern erkannt haben, die sich in Berchtesgaden für Wohnungen interessieren.

Wie die geschätzten Kosten von rund 90 Millionen Euro alleine für den Ast Grödig-Königssee zu finanzieren sind, das kann derzeit kein bayerischer Politiker beantworten. »Auch wenn es auf den ersten Blick unfinanzierbar scheint, kann sich das in wenigen Jahren ändern. Wir sollten das Projekt nicht schon jetzt wegen der Kosten infrage stellen«, meint Rasp. Er gibt allerdings zu bedenken, dass auch das viel gepriesene Karlsruher Modell von öffentlichen Zuschüssen für die Betriebskosten lebt. Michael Hudelist