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»Wir sind überlastet«

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90 Prozent aller Dokumentationsbesucher schauen sich die Ausstellung ohne professionelle Führung an. 10 Prozent, das entspricht 16 000 Leuten, nutzen die Rundgangsführungen. Foto: Dokumentation Obersalzberg
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Beliebt als Führung: die alljährlich stattfindenden Winterausstellungen in der an die Dokumentation Obersalzberg angeschlossenen Bunkeranlage. Foto: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden – Elf Rundgangsleiter arbeiten aktuell in der Dokumentation Obersalzberg. »Zu wenige«, sagt ein Rundgangsleiter. Ein Jahr, nachdem die Zusammenarbeit zwischen Institut für Zeitgeschichte und den vormals 22 Angestellten beendet wurde, wird nun ein »Bunkertourismus« befürchtet, wie der ORF berichtet.


Erwin Meier-Heindl war früher in der Dokumentation Obersalzberg Rundgangsleiter. Dann flatterte Ende Oktober 2013 – »völlig überraschend« – ein Brief ins Haus, der allen 22 Mitarbeitern die unschöne Kunde überbrachte, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich sei.

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Die Gruppe der Rundgangsleiter habe sich dann aufgespalten, sagt Erwin Meier-Heindl dem ORF: »17 haben Klage gegen die Kündigung erhoben. Wir Rundgangsleiter erhalten nun Abfindungen zwischen drei- und elftausend Euro.«

Elf Mitarbeiter sind übrig geblieben, die einen neuen Arbeitsvertrag erhalten haben und nun – in kleinerer Runde – bis zu 800 Führungen pro Jahr leisten müssen. Das Rundgangsaufkommen ist gleich geblieben, Tendenz eher steigend, die Mitarbeiter aber wurden deutlich dezimiert. Wegen Personalmangels mussten in den vergangenen Monaten mehrere Führungen abgesagt werden, heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Dem widerspricht Markus Rosenberg, Betriebsleiter der Dokumentation Obersalzberg, im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. »Fast alle, die eine Führung wollen, bekommen auch eine.« Nur in Ausnahmefällen, etwa dann, wenn bereits zwölf Führungen am Tag stattgefunden haben, würde eine dreizehnte abgesagt werden, sagt er.

Einige Rundgangsleiter befürchten einen »ungefilterten Bunker- und Gruseltourismus«. So etwa Tibor Légrády: »Wir sind eigentlich überlastet. Wir wären froh gewesen, wenn sich die andere Hälfte (der Rundgangsleiter; Anm. d. Red.) auch mit dem Landrat geeinigt hätte. Das Institut für Zeitgeschichte müsste jetzt dafür sorgen, dass neue Rundgangsleiter ausgebildet werden.«

Sie fordern gegenüber dem ORF, weitere Mitarbeiter beim Institut für Zeitgeschichte ausbilden zu lassen.

Die Pressesprecherin des Instituts, Simone Paulmichl, sagt auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeiger«, dass in der Vergangenheit »nach meinem Kenntnisstand keine Führungen abgesagt wurden.« Die Aussagen der Rundgangsleiter hätten sie überrascht.

Laut Markus Rosenberg ist der Ansturm an Besuchern enorm, erst im August verzeichnete die Einrichtung mit 31 000 Besuchern einen Rekord für einen Monat (siehe eigener Bericht auf Seite 4). 112 Führungen waren es alleine im Juli.

Der Betrieb in der Dokumentation läuft also. »Nach außen hin gibt es keine Probleme«, sagt Markus Rosenberg. Zwei bis drei Personen an zusätzlichem Personal? Da würde Rosenberg aber sicher nicht Nein sagen. Kilian Pfeiffer