weather-image

»Wir tun alles dafür, dass die Straße dicht bleibt«

3.4
3.4
Bildtext einblenden
Mit Asphaltbeton versiegelte Teerstraßen schlängeln sich den Kehlstein entlang: Der Amtsleiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein sagt, dass die Straßen in gutem Zustand sind. Ein Ausschwemmen giftiger Stoffe sei nicht möglich. Ein Gutachten gibt es allerdings nicht. (Foto: Kehlsteinhaus)

Berchtesgaden – Von der Kehlsteinstraße, aus Teer gebaut, gehe keine Gefahr aus, wie Sebald König, Amtsleiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigt. Eine Asphaltbetonschicht verhindere das Eindringen von Wasser in die Teerstraße.


Eine Gemeinsamkeit haben die kilometerlangen Straßen am Kehlstein: Das verwendete Material ist Teer. Früher wurde dieser im Straßenbau immerzu verwendet, seit Jahrzehnten ist ein Einsatz nicht mehr zulässig. Die enthaltenen Stoffe gelten als giftig. Vor allem jene polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die durch Wassereintrag freigesetzt werden und in den Boden dringen können, sind der Schreck bei den Straßenzuständigen.

Anzeige

Deshalb ist Amtsleiter Sebald König auch felsenfest davon überzeugt, alles Notwendige dafür zu tun, um die Kehlsteinstraße, Ausflugsziel Hunderttausender Touristen, in einem guten Zustand zu halten. »Wir begehen die Kehlsteinstraße regelmäßig, überwachen, ob es Risse gibt, in die Wasser eindringen könnte«, sagt König.

Am Hintereck am Obersalzberg beginnt die 1938 nach 13 Monaten Bauzeit fertiggestellte, 6,5 Kilometer lange Kehlsteinstraße. Sie führt durch fünf Tunnel – Reck-, Martinswand-, Gams-, Hirsch- und Schwalbennesttunnel – und überwindet dabei einen Höhenunterschied von etwa 700 Metern. Tagtäglich fahren die Busse der RVO Hunderte Touristen zum Buswendeplatz, von wo aus es hoch zum Kehlsteinhaus geht. Seit 1952 ist die Kehlsteinstraße für den Individualverkehr gesperrt und darf lediglich von Bussen der Kehlsteinlinie befahren werden. »Natürlich ist die Straße stark belastet«, weiß auch Sebald König. Trotzdem genießt sie den sogenannten Bestandsschutz: »Es besteht keine generelle Sanierungserfordernis, solange uns keine Bodenveränderungen bekannt sind«, präzisiert der Amtsleiter. Gutachten, die belegen könnten, dass von der Kehlsteinstraße kein Eintrag von giftigen Stoffen in den Untergrund erfolgt, gibt es nicht. »Uns sind aber keine Erkenntnisse bekannt«, bekräftigt König. Demnach gebe es keine Erfordernis, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Zwar seien Forst- und Kehlsteinstraße aus Teer gefertigt, dennoch ließen sich die Straßen nicht miteinander vergleichen. »Die Kehlsteinstraße ist versiegelt und gut in Schuss, die Forststraßen sind von Netzrissen durchzogen und in weiten Teilen beschädigt.« Man tue alles dafür, die Kehlsteinstraße zu pflegen.

»In der Bundesrepublik gibt es Tausende Straßen, die aus Teer gebaut und später versiegelt wurden«, sagt König. Der Bestandsschutz greife auch dort. Anders etwa bei der A 8, der Autobahn von Salzburg in Richtung München. »Da hat man Beton verwendet.«

Panik, dass Gifte in den Untergrund eindringen, braucht also niemand haben. Der Amtsleiter verspricht: »Wir werden alles dafür tun, dass die Kehlsteinstraße dicht bleibt.« Kilian Pfeiffer