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»Wir wollen eine begehrenswerte Region werden«

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Statt einer Geburtstagstorte gab's für die Gäste der BGLT-Jubiläums-Feier eine »10-er Breze«. (Foto: Hudelist)

Berchtesgaden – »Es war eine schwierige Schwangerschaft und eine schwierige Geburt«, begann Landrat Georg Grabner am Mittwoch bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Berchtesgadener Land Tourismus Gesellschaft (BGLT) im »Haus der Berge« seine Erinnerungen an den Start der gemeinsamen Vermarktung aller Gemeinden im Landkreis Berchtesgadener Land mit Ausnahme Ainrings. Für BGLT-Chef Stephan Köhl steht fest, dass die immer kürzer werdenden Urlaubsaufenthalte nur durch ein Mehr an Gästen ausgeglichen werden können, gleichzeitig warnt er aber vor einem Massentourismus. »Wir wollen nicht die Billigsten sein, sondern wollen gutes Geld für gute Leistung«, also die Wertschöpfung durch den Tourismus sei das wichtigste Ziel. Eine flammende Rede für mehr Attraktionen für Jugendliche hielt Extremkletterer Thomas Huber, er wünscht sich einen »großen Spielplatz« für die nachkommende Generation.


Eine launige Gästeschar hatte sich im »Haus der Berge« eingefunden, um den zehnten Geburtstag der BGLT zu feiern, unter den 130 geladenen Gästen auch zahlreiche Bürgermeister wie zum Beispiel Hans Feil aus Laufen, Josef Flatscher aus Freilassing und Sylvester Enzinger aus Anger sowie Thomas Weber aus Bischofswiesen, Franz Rasp aus Berchtesgaden und Hannes Holzner aus Piding. Landrat Grabner erinnerte daran, dass damals die BGLT fast noch an der Frage gescheitert wäre, wo die neue Geschäftsstelle sein soll. »Aber am Ende hat die Einsicht gesiegt, dass es um eine wichtige Weichenstellung geht.«

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Heute habe die BGLT eine Vorreiterrolle übernommen, »wir sind hervorragend vertreten in den Zeitungen und im Fernsehen«, so Grabner, der sich an dieser Stelle extra bei Karin Mergner von der BGLT bedankte, die alle TV-Produktionen im Landkreis rührend betreut. Die BGLT mache hervorragende Arbeit, »aber man kann auch nur das Angebot vermarkten, das vorhanden ist«, so Grabner und sprach damit das Fehlen weiterer Premium-Hotels an.

BGL an der Grenze zum Tourismus-Profi Österreich

Auch Gabriella Squarra als Sprecherin der BGLT-Gesellschafter wiederholte, dass die Geburt der BGLT nicht einfach war, »das habe ich in einem Zeitungsinterview ausführlich geschildert und dazu stehe ich.« Am Ende habe die Erkenntnis gesiegt, »dass wir nur gemeinsam stärker sind, an der Grenze zum touristischen Profi Österreich«.

Die Zusammenarbeit innerhalb der BGLT sei in den letzten Jahren sehr intensiv gewesen, aber es sei eben nicht immer einfach, alle Eigenwilligkeiten und Besonderheiten in eine Schublade zu packen. »Wir arbeiten derzeit an einer neuen Strategie, in der sowohl das Gemeinsame, als auch die Besonderheiten Platz finden werden«, so Squarra. »Bad Reichenhall darf ab und zu aufmüpfig sein, aber wir dürfen auch etwas voran bringen.«

Konstant 3,5 Millionen Übernachtungen

»Die Vielfalt in der Region ist gut, aber wenn sich ein Gast entscheiden muss, dann ist Vielfalt tödlich«, ist BGLT-Geschäftsführer Stephan Köhl überzeugt. Er präsentierte die Kennzahlen des BGL-Tourismus, die sich durchaus sehen lassen können. So hat sich die Zahl der Gästeankünfte von rund 600 000 im Jahr 2005 auf rund 700 000 im Jahr 2013 gesteigert, die Zahl der Übernachtungen ist allerdings von 3,6 Millionen (2005) auf 3,5 Millionen (2013) zurückgegangen, was auch daran liegt, dass die Gäste generell immer kürzer an Urlaubsorten bleiben. Die meisten Übernachtungen gab es übrigens 1992, durch den Fall der Mauer und dem Boom an Touristen aus der Ex-DDR zählte das Berchtesgadener Land damals fünf Millionen Übernachtungen, ein Rekord.

Die aktuelle Herausforderung besteht darin, die immer kürzer werdenden Urlaubsaufenthalte durch mehr Gästeankünfte auszugleichen. Doch BGLT-Chef Köhl warnt, »wir wollen nicht die Billigsten sein mit den meisten Übernachtungen, sondern wir wollen die beste Wertschöpfung haben, also gutes Geld für gute Leistung.«

Ein Plädoyer für Jugend-Angebote

Als emotionalster Botschafter der Marke »Berchtesgadener Land« entpuppte sich Extremkletterer Thomas Huber, der ältere Bruder der Huber-Buam. Er hielt ein flammendes Plädoyer für einen »großen Spielplatz« für Jugendliche. »Ja, wir wollen klettern im Nationalpark, denn wir gehören dazu wie die Steinböcke und die Gämsen. Es geht uns um eine individuelle Verwirklichung, aber wir wollen keinen Massentourismus und nicht alles muss erschlossen werden«. Für den Extrembergsteiger Huber ist es perfekt, alles vor der eigenen Haustür zu haben, »aber die Gefahr ist, wenn alles so total schön ist, dass man sich nicht mehr anstrengt.« Die Jugend sei das Rückgrat der Region, »aber für die 12- bis 18-Jährigen haben wir kaum was, mit denen kann man tolle Konzepte entwickeln, es könnte ein großer Spielplatz werden«, träumt Huber.

Geradezu euphorisch wird Huber bei zwei Beispielen: In München sei das Surfen am Eisbach anfangs auch belächelt worden, jetzt sei es ein Mega-In-Treffpunkt, »wir haben jetzt die Chance auf eine Welle an der Saalach, also wenn wir das nicht machen, wären wir ganz schön blöd«. Auch auf dem Jenner kann sich Huber mehr als nur einen Winterbetrieb vorstellen, »das könnte im Sommer ein toller Downhill-Park werden, warum machen wir das nicht für die Jugend?« Es gäbe so viele junge Köpfe in der Region, die sich einbringen möchten, »wenn ihr was braucht, Alexander und ich sind dabei.« Michael Hudelist

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