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»Wir wollen für einen Wow-Effekt sorgen«

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Bürgermeister und BBAG-Vorstandsvorsitzender Hannes Rasp hat sich viel vorgenommen: den Neubau der Jennerbahn. Foto: Bittner

Schönau am Königssee – Nostalgie hin oder her, mit ihrer 60 Jahre alten Jennerbahn kann Schönau am Königssee schon lange nicht mehr richtig punkten. Lediglich 480 Personen kann sie pro Stunde zur Bergstation bringen, eine neue Zehner-Kabinenbahn könnte in 60 Minuten 1 500 Gäste auf den Gipfel bringen. Der geplante Neubau der Jennerbahn (wir berichteten) war der wichtigste Tagesordnungspunkt bei der Aktionärshauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) am Freitag auf dem Jenner.


»Wir müssen einfach mit der Zeit gehen«, stellte Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp (CSU), der auch Vorstandsvorsitzender der BBAG ist, bei der Hauptversammlung vor den Aktionären im Marktrestaurant unweit des Jennergipfels klar. Die Regierung von Oberbayern würde das 32-Millionen-Mammutprojekt fördern, allerdings nicht allein den Neubau der Bergbahn: »Die erwarten von uns ein Gesamtkonzept für den ganzen Berg«, so Rasp. Dieses soll die unterschiedlichsten Komponenten beinhalten. Beispielsweise die Verlegung der Bergstation oder einen barrierefreien, auch im Winter begehbaren Weg Richtung Jenner mit Aussichtsplattform. Die parallel zur Bergbahn verlaufende Jennerwiesenbahn würde durch das Vorhaben entbehrlich und könnte abgebaut werden. Ein Übungsgelände soll bei der Mittelstation entstehen, obendrein Gastronomie am Speicherteich sowie ein Kinderland – sowohl für den Sommer als auch den Winter.

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»Wir wollen den Sommer stärken, wir wollen den Winter stärken, wir wollen die Randzeiten stärken«, sagte Rasp. Ein Ganzjahreskonzept wird angestrebt. Nicht jeden im Raum überzeugte das in Anbetracht der immer milderen, schneearmen Winter. »Eine sportliche Aufgabe«, so Rasp. Eile sei geboten. Den bald laufen die Förderprogramme aus. Der Aufsichtsrat hatte der Projektplanung bereits Mitte April zugestimmt.

Die Gemeinde Schönau am Königssee als Hauptaktionär könne das Kapital nicht aufbringen, deshalb »benötigen wir weitere Aktionäre«, so der Bürgermeister. Mittlerweile wurde der Aktienmehrheitsanteil verkauft, die Gemeinde ist nicht mehr Hauptaktionär der BBAG. Und die Gemeinde werde ihre Anteile weiter verringern, auf jeden Fall unter 25 Prozent. Der Freistaat Bayern gewährt für Kleinunternehmen eine Förderung bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten. »Das ist für unser Projekt nicht realistisch, darum haben wir in der Kalkulation einen Fördersatz von 28 Prozent angesetzt«, so Rasp. Rund ein Drittel der Investitionssumme soll als Eigenkapital in Form von Gesellschafterdarlehen erbracht werden, ein weiteres Drittel als Fremdkapital.

Positiv werde sich laut Rasp die Eröffnung des »Explorer-Hotels« mit 100 Gästezimmern sowie des Familienklettersteigs am Kleinen Jenner auf die Bergbahn auswirken. »Der Jenner muss ausgebaut werden, der Zustand der Anlagen ist kein Ruhmesblatt für unseren Tourismus«, sagte auch Landrat Georg Grabner am Rande der Versammlung. »Die Maßnahmen müssen jedoch mit größter Sorgfalt erfolgen, um dem einzigartigen Naturraum nicht zu schaden. Darauf werden wir besonders achten«. Hans-Joachim Bittner