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»Wir wollen weniger kontrollieren und mehr beraten«

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Die Watzmann Therme wird die Konkurrenz durch das in Planung befindliche Paracelsus-Bad in Salzburg deutlich zu spüren bekommen. Bei der TRBK beschäftigt man sich deshalb zurzeit intensiv mit der Zukunft des Berchtesgadener Familienbads. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) sucht nach neuen Zieldefinitionen und Messkriterien, um die touristische Entwicklung im Berchtesgadener Land und die Arbeit der Verantwortlichen besser bewerten zu können. Das wurde am Donnerstag auf der Sitzung des Zweckverbands deutlich. In diesem Zusammenhang machte Vorsitzender Franz Rasp auch klar, dass sich das Berchtesgadener Land künftig teurer verkaufen müsse: »Es geht um Marge und nicht um Übernachtungszahlen und Auslastung.«


»Die Arbeit der Vermieterinnen und Vermieter soll sich doch rentieren«, sagte Franz Rasp. Als Beispiel für Vermieter, die ihre Betten unter Wert anbieten, nannte Rasp einen Fall aus Marktschellenberg, den er im Internet entdeckt hatte. Eine perfekt ausgestattete Ferienwohnung für vier Personen in einem Neubau werde dort für 40 Euro angeboten. »Wenn eine Ferienwohnung tipptopp ist, dann kann und sollte ich dafür auch einen vernünftigen Preis verlangen«, sagte Rasp. Um die Vermieterinnen und Vermieter dafür zu sensibilisieren, werde die TRBK künftig auch die Beratung verbessern: »Wir wollen weniger kontrollieren und mehr beraten«, kündigte Rasp an. Dass es die Tourismusvereine ähnlich sehen, sagte Michael Lichtmannegger aus Bischofswiesen: »Wir wollen auf mehr Qualität und höhere Preise setzen, denn wir verkaufen die Region bislang zu billig.«

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Breiten Raum im Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden Franz Rasp nahmen allerdings die verschiedenen TRBK-»Baustellen« ein. Mit dem zweiten Bauabschnitt im Kongresshaus werde man Anfang Juli beginnen, das Ende ist für Dezember geplant. Darüber hinaus beschäftigt man sich auch mit der Zukunft der Watzmann Therme. »Wir müssen uns überlegen, wo die Watzmann Therme in 20 Jahren stehen wird, unabhängig davon, ob in Salzburg das Paracelsus-Bad gebaut wird oder nicht«, sagte Rasp. Wenn das Salzburger Bad aber tatsächlich gebaut werden sollte, werde die Watzmann Therme rote Zahlen schreiben, »denn so viel Effizienzsteigerung ist nicht zu schaffen«. Man müsse sich deshalb überlegen, ob man das Bad saniere, neu baue oder eine andere Zielgruppe ansprechen wolle.

Das Projekt Salzalpensteig sieht Franz Rasp mittlerweile in gute Bahnen gelenkt. Dagegen gebe es am Kehlstein noch einiges zu tun. Auf der Kehlsteinstraße und auf der Dahlsenwinklstraße müsse man sehen, was in Sachen Steinschlagschutz und Oberflächenbehandlung noch zu erledigen ist. Noch nicht entschieden sei auch über die Zukunft des Kurdirektions-Gebäudes. »Wir eruieren derzeit, ob eine Sanierung infrage kommt oder ob es Alternativen gibt«, sagte Rasp.

Als größte touristische »Baustelle« bezeichnete Franz Rasp den Markenprozess. »Wir müssen uns darüber klar werden, wofür wir stehen und was die optimale Organisationsform ist. Wir müssen den Weg aber Schritt für Schritt gehen und werden uns nicht zu Entscheidungen drängen lassen, die noch nicht anstehen«, so der Vorsitzende.

»Grundsätzlich sind wir richtig unterwegs«, sagte Dr. Bartl Wimmer. Nach seiner Meinung müsse man aber noch viel mehr mit Zielvorstellungen arbeiten und sich dann daran messen lassen. »Sonst nehmen wir die Zahlen zur Kenntnis und wissen nicht, ob sie gut oder schlecht sind«, sagte Wimmer. Für die Zielvorgaben sei der Zweckverband als politisches Gremium zuständig.

Landrat Georg Grabner gab Franz Rasp in seiner Bewertung recht. »Wenn wir über Wertschöpfung sprechen, dann müssen wir aber auch die Entwicklung der Bettenzahl betrachten«, sagte Grabner. Um die nach den enormen Rückgängen jetzt einigermaßen stabil zu halten, bräuchten die Vermieterinnen und Vermieter Unterstützung bei den Investitionen. »Darüber müssen wir uns Gedanken machen«, so der Landrat. Dass es gerade hier hakt, betonte Gabi Springl, Vorsitzende des Tourismusvereins Schönau am Königssee. Sie wusste, dass in Schönau am Königssee viele Investitionszuschüsse bei Baumaßnahmen vonseiten der Regierung abgelehnt worden seien.

»Wir haben hier bereits massiv protestiert«, erwiderte Landrat Georg Grabner. Zum Beispiel würden Tourismusbetriebe in Mühldorf unterstützt, die im Berchtesgadener Land aber nicht. Die Begründung vonseiten der Regierung von Oberbayern sei, dass das Berchtesgadener Land eine positive Bevölkerungsentwicklung habe. »Die Wahrheit ist aber, dass viele ältere Menschen in die Region ziehen. Das kann ich doch nicht als Kriterium für Zuwendungen nehmen«, so Georg Grabner. Er will nun zusammen mit Verbandsvorsitzendem Franz Rasp »Druck in dieser Sache« machen. Ulli Kastner