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Wird der »Schandfleck« zum Gebrauchtwagenhandel?

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Der Streit um die Ansammlung von Autos und Containern an der Wimbachbrücke dauert schon einige Jahre. Jetzt gibt es die Chance, dass sich etwas tut, denn der Gemeinderat hat einem Antrag des Besitzers auf einen Gebrauchtwagenhandel zugestimmt. (Fotos: Voss)
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Wenn man auf der Wimbachbrücke steht, bietet sich dieses Bild: Die Natur erobert langsam ihr Territorium zurück.

Ramsau – Einmal mehr hat sich der Gemeinderat Ramsau am Dienstagabend mit der Container-Ansammlung an der Wimbachbrücke beschäftigt. Der Eigentümer des Grundstücks, das in der Presse und von Bürgern als »Schandfleck Nummer eins« bezeichnet wird, hatte einen Bauantrag auf Nutzungsänderung gestellt.


Er möchte einen Gebrauchtwagenhandel aufmachen. Dem stimmten die Gemeinderäte mit 7:5 Stimmen zu. Damit erhoffen sie sich eine bessere Verhandlungsposition in der schon Jahre dauernden Diskussion und eine Verbesserung der Zustände auf dem Grundstück.

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Zunächst erklärte Geschäftsleiter Martin Willeitner, was genau in dem Bauantrag auf Nutzungsänderung steht. Demnach hatte der Eigentümer immer wieder angedeutet, einen Handel mit gebrauchten Motorrädern und Autos aufzumachen. Nun plant er konkret, das Gebäude innen zu sanieren, allerdings nicht zu erweitern. Außerdem sollen zur B 305 hin Ausstellungsflächen und eine Sichtschutzwand aus Holzbohlen. In der Beschlussvorlage empfahl die Verwaltung, das Einvernehmen zu erteilen, »um eine rechtliche Handhabe zu haben«. Bürgermeister Herbert Gschoßmann äußerte seine Hoffnung, auch eine optische Verbesserung zu erreichen.

Richard Graßl (CSU) tat seinem Unmut zu der Sache kund: »Das Thema beschäftigt uns nun schon so lange. Ich sehe hier auch keinen bestehenden Betrieb, sondern einfach eine private Sammelleidenschaft.« Das Argument, durch den Antrag eine rechtliche Handhabe zu erlangen, widerlegt er: »Wir hätten schon jetzt eine rechtliche Handhabe. Diese Container, die jahrelang dort stehen, sind nicht zulässig.« Man habe sonst auch hohe Ansprüche, besonders, wenn es um Bauten im Außenbereich gehe. Daher sollte man überall den gleichen Maßstab ansetzen. »Ich glaube nicht, dass dadurch etwas vorwärts geht«, schloss er seinen Beitrag.

Sebastian Karl vom Ramsauer Wahlblock sah die Sache ähnlich: »Das mit den Gebrauchtwagen ist für mich eine reine Alibi-Sache.« Er habe immer schon moniert, dass von den Kraftstoffen auf dem Grundstück Gefahren ausgehen. »Es wird sich an der Situation nichts ändern«, ist er überzeugt.

Sein Fraktionskollege Hannes Grill wagte einen Blick voraus: »Was passiert, wenn wir das gemeindliche Einvernehmen nicht geben? Dann kann das Landratsamt es ersetzen.« Letztlich verliert man nur wieder Zeit. Wenn man dem Antrag zustimme und es eine Baugenehmigung gäbe, könnte man zumindest etwas festlegen: »Da wird dann nichts von Containern stehen«, so Grill. »Es gibt einen kleinen Lichtblick, eine Chance, die Zustände zu verbessern.«

Anderer Meinung ist Andreas Bönsch (CSU): »Einen Lichtblick sehe ich nicht.« Der Grundstücks-Eigentümer wäre der Gemeinde in der Vergangenheit auch nicht entgegengekommen, gab Bönsch zu bedenken. »Wenn man ehrlich wäre, müsste es heißen: Ausstellungsfläche für Container.«

Zweiter Bürgermeister Rudi Fendt vom Ramsauer Wahlblock bezeichnete das Verhalten des Landratsamtes in diesem Fall als »fragwürdig«. Bei anderen Gelegenheiten sei die Behörde viel kritischer. Zur Info: Zuletzt war es am Landratsamt Berchtesgadener Land gelegen, das Grundstück an der Wimbachbrücke unter die Lupe zu nehmen und Maßnahmen unter anderem gegen die unzulässige Containeransammlung zu ergreifen. Passiert ist bis dato nichts. Fendt fuhr fort: »Wir haben hier jahrelang nichts erreicht. Und ich weiß, wie oft Herbert Gschoßmann hier verhandelt hat.« Der Zweite Bürgermeister sagte, er habe dieselben Bedenken wie seine Kollegen im Gemeinderat. »Aber das ist die erste Chance auf eine rechtliche Besserung. Denkt darüber nach.« Schlechter könne es kaum werden.

Dritter Bürgermeister Josef Maltan (CSU) fasste sich kurz: »Es kann nicht in unserem Sinne sein, dem Bauantrag zuzustimmen.« Sebastian Karl gab abschließend noch zu bedenken: »Es ist ein Baurecht, keine Baupflicht. Das heißt, auch wenn der Antrag genehmigt ist, kann er uns trotzdem wieder hinhalten.« Christian Riel (CSU) tat sich nach eigener Aussage schwer, das Für und Wider in diesem Fall abzuwägen.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann sagte zu dem Bauantrag: »Man hat einfach versucht, einen Weg zu schaffen, der zu einer Verbesserung führen kann. Weil schlechter kanns nicht werden.« Im Talkessel gebe es noch andere Beispiele, wie lange sich solche Dinge hinziehen können. Gschoßmann bezeichnete den Antrag des Eigentümers als »Brückenbau« und als »Chance«. Er gehe davon aus, dass ein gewisser Wille da ist. Mit sieben zu fünf Stimmen nahm das Gremium den Antrag schließlich an. Annabelle Voss