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Wirklich noch ein Gutachten?

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Einen Umsteigepunkt zwischen Auto und Bahn hatte die Naumann-Studie aus dem Jahr 1993 am Walserberg vorgesehen. Das wurde genauso wenig umgesetzt wie andere Empfehlungen des 300-Seiten starken Gutachtens. (Foto: Hudelist)

Bad Reichenhall – Das geplante Verkehrsgutachten des Landkreises beschäftigte auch die Mitglieder des »Verkehrsforum BGL« in ihrer jüngsten Sitzung. Darin konnte der Verkehrsmanager des Landkreises, Hans Wick, nach wie vor die Frage nicht beantworten, was eigentlich vom letzten großen Gutachten, der Naumann-Studie, umgesetzt wurde. Michael Behringer als Vorsitzender hat auf seine Nachfrage eine klare Ansage erhalten: »Aus dem 300-Seiten starken Naumann-Gutachten wurde im Grunde nichts umgesetzt.« Mit einer neuen Studie wolle die Politik nur Zeit gewinnen, »um nichts anpacken zu müssen«. Der Bus- und Bahn-Experte zweifelt an der Notwendigkeit eines neuerlichen Gutachtens. »Im Landratsamt sitzen gut bezahlte Leute, die sich selbst Gedanken machen könnten«, so Behringer.


Das 1993 im Auftrag des Landkreises erstellte Gutachten der Universitäten Berlin und Würzburg hat neben zahlreichen neuen Haltestellen eine Schnittstelle zwischen Bahn und Straße vorgesehen. »Am Walserberg sollten Autobahn, Bundesstraße und eine umgeleitete Bahnstrecke einen Knotenpunkt bilden«, erinnert sich Behringer. Auch daraus sei nichts geworden, die Grundstücke seien mittlerweile auch schon verbaut. Auch die jetzt wieder geforderte Verlängerung der BLB nach Berchtesgaden-Ost sowie eine Trasse zum Königssee habe das Naumann-Gutachten schon 1993 vorgeschlagen.

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»Hirnwasser zusammenlaufen lassen«

»Man müsste im Landratsamt nur einmal das Hirnwasser zusammenlaufen lassen und sich eigene Gedanken machen«, so Behringers Vorschlag. »Im Landratsamt sitzen gut bezahlte Leute, die aus den bisherigen Zahlen und den laufenden neuen Studien wie dem Gutachten zur Regionalstadtbahn selbst Entwicklungen berechnen könnten«. Aber ein neues Gutachten sei zumindest günstiger als eine neue Haltestelle zu bauen, »und eigentlich verzögert man mit einer neuen Studie alles nur, weil ohnehin kein Geld für den Ausbau vorhanden ist« mutmaßt der Sprecher des Verkehrsforums.

Der Auftrag für das neue Gutachten soll im Frühjahr vergeben werden. »Jetzt werden noch alle vorhandenen Studien zusammengetragen«, so Hans Wick, Verkehrsmanager im Landratsamt, damit der neue Gutachter auf bestehendes Material zurückgreifen könne. »Was dann vom neuen Gutachten umgesetzt wird, muss ohnehin der Kreistag beschließen«, betonte Wick. Allerdings könne der Landkreis viele Entscheidungen ohnehin nicht alleine fällen. Zum Beispiel, wenn es um Bundesstraßen gehe. Für das »Verkehrsforum BGL« als Bus- und Bahnfahrer-Lobby ist es wichtig, dass durch das Gutachten am Ende Bus- und Zugverbindungen besser vernetzt werden. »Wenn dies gelingt, braucht das Verkehrsforum nicht den geplanten Arbeitskreis ins Leben rufen«, so Isabella Frank, die stellvertretende Vorsitzende. In diesem Zusammenhang berichtete Wick auch von einem EU-Projekt, das grenzüberschreitende Tarife zum Ziel hatte. »Allerdings ist ein erster Versuch einer Förderung gescheitert, weil das Projekt nicht eindeutig zuordbar war«, zudem gebe es halt unterschiedliche Rechts- und Steuersysteme in den beiden Ländern.

Wünsche an den Gutachter

Die Kommunen können bereits jetzt ihre Wünsche an den noch nicht bestellten Gutachter richten, also zum Beispiel Verkehrszählungen in ihrem Bereich oder den Neubau von Straßen vorschlagen. »Allerdings soll dadurch die Planungsfreiheit des Gutachters nicht eingeschränkt werden«, bekräftigt der Verkehrsmanager, er solle vielmehr eigene Konzepte entwickeln können.

Zur geplanten U-Bahn in Salzburg und der zumindest theoretischen Verlängerung als Regionalstadtbahn nach Berchtesgaden berichtete Wick den Forumsmitgliedern, dass der Landkreis die sogenannte Salzach-Spange befürwortet. Dabei geht es darum, dass die S-Bahn von Freilassing kommend nach der Salzachbrücke Lehen nicht mehr nur zum Hauptbahnhof fährt, sondern auch in den U-Bahn-Tunnel in Richtung Mirabellplatz eingebunden wird. Der beim Land Salzburg zuständige Verkehrslandesrat Hans Mayr hat allerdings schon wiederholt festgestellt, dass er keine Zurufe von außen mehr wünsche. Michael Hudelist