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Wirtshaus wechsel dich

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Susi und Stefan Kraus arbeiten derzeit fleißig in ihrem neuen Lokal »Bauchgfui« an der Maximilianstraße. Die beiden Wirtsleute lassen das Café Söldenköpfl hinter sich. Letzteres wird von Andreas Aschauer, dem jetzigen Brenner-Wirt, übernommen. (Fotos: Voss)
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Nächsten Sommer ist hier eine »Baguetteria« zu finden: Steffi und Michael Kortas ziehen vom Dr.-Hugo-Beck-Haus hierher.

Berchtesgaden – Es tut sich was in der heimischen Wirtshauskultur. Während die Bischofswieser traurig sind, weil der Wirt ihres geliebten Brenner Bräus weggeht, jammern die Ramsauer, weil die Wirtsleute des Café Söldenköpfl dort aufhören. Anders herum freuen sich viele, weil der baldige Ex-Brennerwirt Andreas Aschauer das Söldenköpfl übernimmt und Stefan und Susi Kraus von der Ramsau in den Markt gehen – dort machen sie dann das »Bauchgfui« auf. Derartige Wechsel gibt es noch einige mehr. Und auch wilde Gerüchte, wer angeblich welches Lokal übernimmt. Hier ist eine Auflistung der bestätigten Wechsel:


Das Café Söldenköpfl und das »Bauchgfui«

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Los ging alles mit der Schließung des Café Spiesberger an der Maximilianstraße im Berchtesgaden. »Der Grund ist einfach erklärt: Meine Eltern sind in den Ruhestand gegangen«, erzählt Sophie Spiesberger, die jetzige Chefin der »Alpenküche« im Haus der Berge. Dann präzisiert sie: »Naja, die Mama ist im Ruhestand, der Papa hilft mir noch in der Alpenküche.« Dann bekamen Stefan und Susi Kraus vom Café Söldenköpfl eine Hiobsbotschaft: Die Pacht wird zum 1. Januar 2017 sehr viel teurer. Das erzählt Stefan Kraus auf Nachfrage. Sie hätten sich daraufhin umgesehen und waren auf die leeren Räume an der Maximilianstraße gestoßen.

»Wir dachten, es wäre doch nett, wenn es etwas für alle geben würde, die im Markt arbeiten. Gesundes Essen zum Mitnehmen«, sagt Kraus und beschreibt damit das Konzept des neuen Lokals »Bauchgfui«. Das Motto lautet: »Fresh for you«, also »etwas Frisches für dich gemacht«. Der Schwerpunkt liegt auf frischen Sachen, wie Salate zum Selbst-Zusammenstellen. Und warum hat das Ehepaar sein neues Restaurant so genannt? »Wir hatten schon lange ein Bauchgfui, dass wir irgendwann so etwas umsetzen wollen.« Aber da es auf dem Köpfl immer so gut lief und die Pachtbedingungen über 18 Jahre gut waren, ergab sich nicht die Gelegenheit, so Stefan Kraus. Anfang Dezember öffnet das Restaurant.

Dass die beiden das Söldenköpfl hinter sich lassen, hat zu einigen Reaktionen geführt, zu traurigen wie auch fröhlichen Kommentaren, wie der Wirt erzählt. »Es ist halb und halb: Viele waren traurig und manche entsetzt, dass wir aufhören, die andere Hälfte sagt: Wir freuen uns schon auf euch im Markt.«

Das Gasthaus Brenner Bräu

Überrascht waren auch einige Bischofswieser, die im Gasthaus Brenner Bräu ihre zweite Heimat gefunden hatten, von den dortigen Veränderungen zu erfahren. Dort finden regelmäßig die Bürgerversammlungen statt, Jahreshauptversammlungen der ansässigen Vereine und jede Menge Hochzeiten. Das liegt auch an Andreas Aschauer und seiner Küchencrew, die die besten Schmankerl zaubern – bald heißt es, gezaubert haben. Aschauer verlässt den Brenner voraussichtlich im Juni 2017 und übernimmt dafür das Café Söldenköpfl, das er zu etwa dem gleichen Zeitpunkt aufsperren will.

Wer das beliebte Gasthaus in Bischofswiesen weiterführt, darüber wird viel getratscht, aber die Wahrheit ist noch nicht bekannt. »Ich übernehme das Café Söldenköpfl, weil es ein kleinerer Betrieb ist, der überschaubarer ist«, erklärt Andreas Aschauer seine Entscheidung. Seine Kunden seien »traurig, aber verständnisvoll«. Die Frage, die alle beschäftigt – »Wer übernimmt den Brenner?« – kann Aschauer nicht beantworten. Eigentümer des Gasthauses ist die Privatbrauerei Wieninger. Laut dem jetzigen Wirt hat diese noch niemanden gefunden und sucht weiterhin nach einem Nachfolger.

Das Dr.-Hugo-Beck-Haus

Steffi und Michael Kortas führen derzeit noch das Dr.-Hugo-Beck-Haus am Jenner. Im Sommer 2017 eröffnen die beiden eine »Baguetteria« im Markt. Sie haben das Haus gekauft, in dem früher eine Filiale der Gärtnerei Sommer war, direkt neben dem Eingang zum Kurgarten. Steffi Kortas berichtet: »Wir sind noch bis 20. November im Beck-Haus, dann gibt es eine Pause bis Weihnachten. Von da an betreiben wir das Haus noch bis Anfang/Mitte März.«

In der neuen »Baguetteria« gibt es nach einer Zeit des Renovierens und Umbauens dann frische Baguettes, Salate und »auch mal eine Lasagne«. Allerdings, anders wie im »Bauchgfui«, wo man auch sitzen kann, ausschließlich zum Mitnehmen.

Die Familie Kortas hat so entschieden, weil »uns das Haus dann selbst gehört. Wir müssen keine Pacht mehr bezahlen, und am Jenner wird jetzt auch groß umgebaut. Da verändert sich einiges. Somit war der Zeitpunkt gut«, lautet die Erklärung von Steffi Kortas. »Aber wir waren immer total gerne hier oben.« Auch diesen Wechsel sehen viele Berchtesgadener mit einem weinenden Auge, vor allem, weil noch nicht klar ist, wer das Beck-Haus weiterführt. Um dieses Thema drehen sich auch viele Gerüchte, so zum Beispiel, dass Hannes Schneider vom Aschauerweiherwirt rauf auf den Jenner zieht, um das Beck-Haus zu übernehmen. »Das stimmt nicht«, sagt Schneider. »Aber ich weiß, dass sich schon einige dafür beworben haben«, fügt er hinzu. Die Ausschreibung war am vergangenen Samstag im »Berchtesgadener Anzeiger«. Nachfrage beim Skiklub Berchtesgaden, der das Dr.-Hugo-Beck-Haus verpachtet: »Das wird noch einige Wochen dauern, bis der neue Pächter feststeht«, sagt Elisabeth Neumayer vom SK.

Das Gasthaus Unterstein

Die Wirtsleute des Gasthauses Unterstein haben derzeit mit einem anderen Problem zu tun: Es hält sich an einigen Stammtischen das Gerücht, dass sie ihr Traditionsgasthaus verlassen und – das wird unter anderem erzählt – das Brenner Bräu übernehmen. Alles Schmarrn, wie sich auf Nachfrage herausstellt: Thomas Lichtmannegger, seine Frau und sein Team bleiben im Gasthaus Unterstein: »Solange alles passt und wir gesund sind, machen wir das weiter.«

Das Wimbachschloss

»Nicht lustig« empfinden Catharina und Sebastian Lichtmannegger das Gerede, das sich hartnäckig über das Wimbachschloss hält. Auch hier heißt es, die Wirtsleute wollen ihr Gasthaus aufgeben. Diese falsche Behauptung führte sogar schon dazu, dass sich ein Wirtepärchen die Hütte ansehen wollte und sich darauf beworben hat, erzählt Catharina Lichtmannegger. Auch der Verpächter habe sie schon darauf angesprochen, ob sie denn das Haus schon noch weiterführen wollen. »Wir bleiben die nächsten fünf Jahre auf jeden Fall noch hier und wollen dann noch einmal um zehn Jahre verlängern«, versichert die Wirtin. Annabelle Voss

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