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Wohin mit dem Kind?

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Angewiesen auf eine Tagesmutter: Bianka Kaufhold mit Sohn Leon. Anzeiger-Foto

Berchtesgaden - Weil sie in der Gastronomie arbeitete, brauchte Bianka Kaufhold für ihren dreijährigen Sohn Leon eine Tagesmutter. »Ich musste auch nachts arbeiten, da ist das notwendig«, sagt sie. Das Jugendamt leistete finanzielle Unterstützung. Dann wurde der Tagesmutter von Leon die Pflegeerlaubnis entzogen, das Amt forderte plötzlich das Geld zurück, sagt sie. Für Kaufhold Grund genug, die Zusammenarbeit zu beenden.


Bianka Kaufhold ist wütend. Wütend auf das Jugendamt im Landratsamt Berchtesgadener Land. Als Kellnerin hat sie unregelmäßige Arbeitszeiten. Ob im Frühdienst oder spät am Abend. Auch ihr Lebensgefährte ist in der Gastronomie als Koch tätig und daher auch nur eingeschränkt verfügbar. Für Sohn Leon bedeutet das, dass er einen Großteil der Woche bei einer Tagesmutter verbringt. »Wir haben in der Vergangenheit keinen Kindergartenplatz erhalten«, erzählt Kaufhold rückblickend. Dessen ungeachtet sei es kaum machbar, ihren Job mit den Öffnungszeiten eines Kindergartens in Einklang zu bringen.

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Fünf bis sechs Mal pro Woche hat sie daher Leon zu der Tagesmutter gegeben. »Da wissen wir, dass er in guten Händen ist«, sagt Bianka Kaufhold. Das ging über mehrere Jahre, dann wurde der Tagesmutter unrechtmäßig die Pflegeerlaubnis entzogen (wir berichteten).

Bianka Kaufhold ist auf eine Tagesmutter aber angewiesen. »Wenn ich keine habe, brauche ich nicht arbeiten zu gehen«, sagt sie. »Das ist schlichtweg unmöglich.« Die Familie hat nur ein Auto. Beim Jugendamt hatte sich Kaufhold deshalb erkundigt, bis wann die vertraute Tagesmutter zur Kinderbetreuung wieder zur Verfügung steht. Daraufhin habe sie nur herzhaft-höhnisches »Gelächter« erfahren, wie sie gegenüber der Heimatzeitung berichtet. Die Tagesmutter befinde sich in einer Überprüfungsphase, hieß es von seiten des Jugendamtes - obwohl per Gerichtsbeschluss entschieden wurde, dass eine Eignung vorliegt und die Pflegeerlaubnis wieder erteilt werden muss. Bislang ist das noch nicht passiert. Das Jugendamt hat hingegen innerhalb von zwei Monaten anlässlich der »Eignungsüberprüfungsphase« einen weiteren Besuch angekündigt. Zum Unverständnis der Tagesmutter. Auf Pressenachfrage teilte das Landratsamt mit, diese Angelegenheit werde in der Öffentlichkeit aber zurzeit nicht weiter kommentiert.

Eine Untätigkeitsklage gegenüber dem Jugendamt wird derzeit forciert.

Bianka Kaufhold hofft, dass es in Zukunft auch wieder mit der Betreuungsmöglichkeit bei der Tagesmutter klappt. Zumal seit Anfang 2013 jedes Kind einen Rechtsanspruch auf eine Unterbringungsmöglichkeit hat. kp