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Wohnqualität steigt – Rücklagen schmelzen

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Erhebliche Summen hat die Bruderhausstiftung in den letzten Jahren in die Sanierung von Bürgerheim und Martin-Beer-Haus investiert. Jetzt sind die Rücklagen fast aufgebraucht. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Mithilfe hoher Spenden und Erbschaften konnte die Bruderhausstiftung Berchtesgaden ihre Aufgaben im Bürgerheim und im Martin-Beer-Haus in den letzten beiden Jahren bestens erfüllen und kräftig investieren. Auch wenn man ohne Spenden weiterhin nicht auskommen wird, zeigten sich die Berchtesgadener Marktgemeinderäte am Montag zufrieden mit der Entwicklung und verabschiedeten einstimmig den Haushaltsplan 2015, der von stark geschmolzenen Rücklagen gekennzeichnet ist.


Der Verwaltungshaushalt 2015 der Bruderhausstiftung schließt mit rund 1,9 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt liegt bei etwa 450 000 Euro. Eine Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen.

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Im Bürgerheim sind nach dem Vorbericht von Kämmerer Richard Beer derzeit 43 Heimbewohner untergebracht, damit ist das Altenheim voll belegt. Sollte die Auslastung so gut bleiben, werden sich die Einnahmen bis zum Jahresende auf rund 1,37 Millionen Euro erhöhen. 71 Prozent davon, nämlich 967 000 Euro, werden allerdings für Personalkosten an die 26 Arbeitnehmer wieder ausgegeben. Eine Einsparmöglichkeit bei den Personalausgaben besteht nach Ansicht der Verwaltung nur noch im Bereich Hauswirtschaft. Insgesamt rechnet man im laufenden Jahr beim »Bürgerheim« mit einem Fehlbetrag von 214 000 Euro. Das meiste davon – nämlich 209 000 Euro – sind kalkulatorische Kosten, sodass sich der tastsächliche Fehlbetrag auf 5 000 Euro beläuft.

Das Altenwohnheim Martin-Beer-Haus wird dagegen im laufenden Jahr einen Überschuss in Höhe von 62 000 Euro erwirtschaften. Für die 19 inzwischen generalsanierten Wohnungen wurde die Kostenmiete auf 5,36 Euro pro Quadratmeter erhöht. Im Jahr 2015 ist die Sanierung von weiteren drei Wohnungen geplant. Für die restlichen 31 Wohnungen erhöht sich die Kostenmiete nach Abschluss der Brandschutzmaßnahmen.

Dem Vermögenshaushalt kann 2015 voraussichtlich ein Betrag von 80  000 Euro zugeführt werden, womit die Mindestzuführung erreicht wird. Es verbleibt eine geringe »freie Spanne« von 28 600 Euro zur Finanzierung von Investitionen.

Im Vermögenshaushalt ist für das Bürgerheim ein Anteil von 9 100 Euro für den Fernwärme-Anschluss enthalten. Für das Martin-Beer-Haus ist ein Betrag von 330 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen eingestellt. Für Wohnungssanierungen rechnet man mit einem Kostenaufwand im laufenden Jahr von 22 000 Euro. In den Jahren 2012 bis 2014 war für die Sanierung des Martin-Beer-Hauses bereits ein Betrag von 243 000 Euro aufgewendet worden.

Drastisch reduzieren werden sich ein weiteres Mal die Rücklagen. Nach der in diesem Jahr geplanten Entnahme von 368 000 Euro für die Finanzierung der geplanten Investitionen wird das Rücklagenkonto nur noch rund 108 000 Euro zum Jahresende aufweisen. Im Jahr 2010 hatte die allgemeine Rücklage noch über 500 000 Euro betragen, dazu lag die Sonderrücklage der Erbschaft Leonhardt in Höhe von 815 000 Euro auf dem Konto der Bruderhausstiftung. Das meiste davon ist mittlerweile in die Sanierungsarbeiten eingeflossen.

Der Schuldenstand der Bruderhausstiftung wird sich allerdings zum Jahresende etwas reduzieren – von 875 000 Euro auf 823 000 Euro.

»Die Sanierungsmaßnahmen zeigen Wirkung, es geht in die richtige Richtung«, stellte Marktbürgermeister Franz Rasp fest und dankte Heimleiter Florian Miciecki mit seinen Mitarbeitern sowie Heimbeirat Manfred Jüstel.

Wie schwierig der Spagat zwischen den erforderlichen Investitionen und kostengünstigen Wohnungen ist, verdeutlichte Josef Prex (CSU) mit seinem Beitrag. »Trotz der Erbschaft Leonhardt bleibt von den Rücklagen nach den hohen Investitionen fast nichts mehr übrig«, sagte Prex. Nun gehe es darum, bei den Heimgebühren Kostendeckung zu erreichen, andererseits die Mieten in erträglicher Höhe zu halten.

Von einer »positiven Entwicklung«, die den finanziellen Kraftakt wert gewesen sei, sprach Michael Koller (Freie Wähler) und auch Dr. Bartl Wimmer (Grüne) sah einen Schritt nach vorne, wenngleich die Rücklagen »an der Grenze dessen sind, was gerade noch geht«. Dauerhaft werde der Betrieb von Bürgerheim und Martin-Beer-Haus wohl nur über Spenden zu finanzieren sein. Das unterstrich auch 2. Bürgermeister Bartl Mittner (SPD): »Ohne Spender würde es schlechter aussehen. Vorsichtiger Optimismus ist aber angebracht.« Ulli Kastner