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Wolf und Anbindehaltung sind die Haupt-Aufreger

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Landrat Georg Grabner beim Ehrentanz mit Walburga Fegg, die für 15 Almsommer geehrt wurde. (Fotos: Mergenthal)

Teisendorf – Zwei Themen dominierten ganz klar den diesjährigen Almbauern-Jahrtag in Teisendorf: die mögliche Rückkehr des Wolfs und das viel diskutierte mögliche Verbot der Anbindehaltung im Kuhstall. Im voll besetzten »Poststall« hielten die 56 Almbauern der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden mit ihren Familien und ihrem Almpersonal nach einem Gottesdienst und Mittagessen Rückschau auf einen guten Almsommer.


Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger plädierte energisch dafür, dass die in der Region traditionelle Kombination aus Anbinde- und Weidehaltung erhalten bleiben müsse. Der Bau teurer Laufställe sei für die meisten Bauern nicht finanzierbar. Zudem sieht Stanggassinger Probleme aufgrund der knappen Flächen für Stallneubauten und der häufigen Hanglage der Betriebe. Die Bundesregierung habe im August zwar das vom Bundesrat geforderte Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung abgelehnt, doch das Thema sei wohl noch nicht vom Tisch. Auch der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) setzt sich laut Vorsitzendem Georg Mayr für den Erhalt der Kombi aus Anbinde- und Weidehaltung ein. Wichtig sei es, die Bauern bei einer eventuell erforderlichen Umstellung zu unterstützen, betonte Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Elf Prozent der Milch der Pidinger Molkerei stamme aus ganzjähriger Anbindehaltung, berichtete deren Geschäftsführer Bernhard Pointner und folgerte: »Wir müssen das Thema anpacken.«

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»Wolf und Bär haben hier nichts verloren«

»Der Wolf ist bei uns einfach nicht tragbar«, stellte Stanggassinger zum Thema der großen Beutegreifer klar. »Wolf und Bär haben bei uns nichts verloren«, pflichtete Landrat Georg Grabner bei. Es sei zwar nicht möglich, hier einen Grenzzaun zu ziehen, aber man könne die aktiven Bemühungen um die Rückkehr unterlassen, die Region sei dafür zu dicht besiedelt.

Auch Mayr hält den Wolf mit der Weidehaltung für nicht kompatibel. Wenn man den Wolf wolle, fördere das die Stallhaltung. »Es funktioniert nirgends«, so die Ansicht des AVO-Vorsitzenden. Er forderte, den Schutzstatus des Wolfs zurückzustufen und wolfsfreie Zonen auszuweisen. Er berichtete von einer »dramatischen« Entwicklung in Frankreich, wo es im Jahr 2015 beim Viehbestand 9 000 Risse trotz Herdenschutz und trotz des Abschusses von 37 Wölfen gegeben habe. »Wenn der Wolf einmal etabliert ist, wird man ihm nicht mehr Herr«, warnte er.

Erfreut zeigte sich der Landrat, dass die Anzahl der Almen seit Langem stabil ist und dass sogar wieder mehr Tiere aufgetrieben wurden. »Ihr tragt ganz wesentlich dazu bei, dass es bei uns so schön ist und der Tourismus floriert«, lobte er die Almbauern. »Wenn man will, dass die Landschaft so bleibt, wie sie ist, muss man auch bewusst einkaufen«, forderte Leitenbacher. Bei der Milch laufe das ganz gut, beim Fleisch gebe es Nachholbedarf. Er regte an, dass in regionalen Discountern, wo er eine Werbung für österreichische Almochsen entdeckt hatte, auch für heimische Ochsen geworben werden könnte. Bernhard Pointner ergänzte dies mit einem Appell an die Vermieter unter den Almbauern: »Wir möchten, dass am Frühstücksbuffet die heimischen Milchprodukte stehen.«

Positives Resümee

Das Resümee von Almfachberater Alfons Osenstetter zum Almsommer fiel positiv aus. Die Trockenheit vom Vorjahr, die sich durch den Winter bis zum April gezogen habe, sei durch den nasskalten Mai und das »Wachswetter« im fast »subtropischen« Juni und Juli ausgeglichen worden. Freilich habe es durch die vielen Niederschläge zum Teil Probleme mit Trittschäden gegeben. Ab Mitte August sei die Witterung stabil und der Sommer sehr schön gewesen. Osenstetter wies auf die Möglichkeit der Flexibilisierung bei den Auftriebszeiten und der Tendenz zum früheren Auftrieb hin. Er appellierte auch an die Bauern, sich auf die künftig wohl häufiger werdenden Starkregen-Ereignisse einzustellen. Ein Info-Flyer für die Verbraucher solle zur nächsten Almsaison erstellt und in den Almkasern aufgelegt werden.

Nach der Ehrung langjähriger Sennerinnen und Senner (Bericht folgt) klang der Tag im mit Fuikln und Kuhglocken geschmückten Saal mit Weisen der Teisendorfer Musikkapelle aus. Veronika Mergenthal