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Wolf und Mindestlohn machen Sorgen

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Sie wurden für ihren Einsatz als Sennleute geehrt: (v.l.) Anita Hohenwarter für zehn Jahre, Andreas Hillebrand für 20 Jahre, Brigitte Meier für zehn Jahre und Stefanie Rieblinger für fünf Jahre.
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Ließen sich den Almbauernjahrtag nicht entgehen: (v.l.) Rolf Oehler vom Landwirtschaftsamt Traunstein, Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Almfachberater Hans Gruber, Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger und Georg Lenz.
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Anita Hohenwarter wagte einen Tanz mit dem Landrat Georg Grabner. (Fotos: B. Stanggassinger
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Die Schönauer Weihnachtsschützen schossen am Hanauerstein zum Kirchen- und Festzug.

Schönau am Königssee – Die Almbauern im Berchtesgadener Land hatten am Sonntag Grund zur Freude und zum Feiern. »Der Sommer ist gut vorbeigegangen«, zog Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger auf dem 68. Berchtesgadener Almbauernjahrtag Bilanz. Im Gasthaus »Unterstein« erhielten die Almbauern von ihren Ehrengästen viele anerkennende Grußworte für ihre herausfordernde Arbeit.


Zur Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden gehören laut Kaspar Stanggassinger 56 Almen, Tendenz zum Glück gleichbleibend. Die meisten Almbauern sind Nebenerwerbslandwirte und auf die Mitarbeit aller Familienmitglieder angewiesen. Zum Almbauernjahrtag waren daher ganze Bauernfamilien mit ihren Sennern erschienen.

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Der Tag begann mit einem Kirchenzug in die Pfarrkirche Mariä Sieben Schmerzen, die der Bischofswieser Franz Stanggassinger festlich mit vielen Fuikln geschmückt hatte. Pfarrer Herwig Hoffmann dankte im Gottesdienst im Namen der Almbauern für einen größtenteils unfallfreien Sommer von Mensch und Tier, und am Hanauerstein schossen die Schönauer Weihnachtsschützen.

Auch Kaspar Stanggassinger sagte nach dem gemeinsamen Mittagessen der Almbauern im Gasthaus »Unterstein«, die Almbauern könnten »dem Herrgott danken«, dass der Sommer gut verlaufen sei. Der Bezirksalmbauer kritisierte, dass der Almwegebau wesentlich längere Realisierungszeiten habe, als etwa neue Beschneiungsanlagen oder Skipisten. Er wünschte sich hier »eine Gleichstellung«. Sorge bereitet Stanggassinger und seinen Kollegen auch der Wolf. »Er ist im Anzug und für uns ein großes Problem.« Der Almbauer meinte: »Wenn wir die Kulturlandschaft erhalten wollen, dann können wir den Wolf nicht brauchen.« Kaspar Stanggassinger sah noch weitere Herausforderungen für die Almwirtschaft. »Das Nächste, das auf uns zukommt, ist der Mindestlohn«, sagte er. Wenn die Bauern ihre Sennerinnen und Senner nicht mehr entlohnen könnten, würden die Almen nicht mehr bewirtschaftet, »und das ist nicht gut für den Tourismus.« Der Bezirksalmbauer machte aber auch aus den positiven Seiten der Berchtesgadener Almbauernwirtschaft keinen Hehl. »Wir können stolz sein auf unsere Molkerei mit dem besten Milch-Preis«, stellte er fest.

Ebenso erfreulich wäre, dass es so engagierte wie von Idealismus geprägte junge Absolventen der Akademie für Land- und Almwirtschaft in Traunstein gebe. Im neunten Jahr ihres Bestehens seien heuer neun der 24 Teilnehmer aus dem Berchtesgadener Land, wusste Landwirtschaftsdirektor Rolf Oehler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein. Und von den 28 Teilnehmerinnen des einsemestrigen Teilzeitstudiengangs an der Abteilung Hauswirtschaft der Landwirtschaftsschule Laufen kämen 18 aus dem Berchtesgadener Land. »Die jungen Damen haben alle einen anderen Beruf«, unterstrich Oehler.

Dass die Leidenschaft für die Alm lange währt, bewiesen auch die vier Ehrungen des Almbauernjahrtags: Für 20 Jahre wurde von Landrat Georg Grabner, Kaspar Stanggassinger und Anton Kern vom Bayerischen Bauernverband Andreas Hillebrand geehrt, für zehn Jahre Anita Hohenwarter und Brigitte Meier und für fünf Jahre Stefanie Rieblinger.

Der Einsatz der Almbauern und ihrer Senner beeindruckt seit vielen Jahren auch Landrat Georg Grabner. »Ich bin wieder gerne gekommen«, sagte er. Vergangenes Jahr habe er wegen eines Besuches beim Papst nicht auf dem Almbauernjahrtag erscheinen können. »Aber nach dem Papst kommen sofort die Almbauern«, versicherte Grabner dem Publikum im voll besetzten Festsaal des Gasthaus »Unterstein«. »Ich finde es erfreulich, dass sich so viele Almbauern persönlich um ihre Almen kümmern«, betonte Grabner. Viele Kaser würden derzeit saniert »und für Neubauten von Kasern haben wir im Landratsamt in einigen Fällen grünes Licht geben können.« Blieben die Almen bestehen und somit auch die Landwirtschaft, diene dies auch der Heimat. »Uns muss jeder Betrieb schade sein, der aufhört«, meinte auch Kreisobmann Anton Kern vom Bayerischen Bauernverband. Er empfahl den Almbauern, »mit realistischem Optimismus bei der Sache zu bleiben.«

Zuspruch bekam die Berchtesgadener Almbauernschaft auch von Georg Mair, 1. Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. »Lasst Euch nicht entmutigen, wir helfen jedem, der Probleme hat«, versprach er. Die Almbauern, Sennerinnen und Senner schoben zum Ausklang des Jahrtages alle Sorgen beiseite und tanzten miteinander. Nachdem die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee die vier Geehrten schon mit dem Ehrentanz in einen »Böhmischen Traum« geschickt hat, ging es für die Bauersleut von den Almen beschwingt und fröhlich in einen wohlverdienten Feier-Abend. Ina Berwanger