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Wolke verhindert Versorgungsflüge am Freitagmorgen

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Der Landeplatz am Höhleneingang ist groß genug, damit der Transporthubschrauber der Bundespolizei landen kann. Fotos: BRK BGL
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Forstarbeiter und die Bergwacht haben am Donnerstag extra einen Landeplatz am Höhleneingang gebaut und dafür Latschen entfernt und per Hand eine ebene Fläche im buckeligen Karst planiert.

Marktschellenberg – Bei der fünften Pressekonferenz zum Unglück in der »Riesending«- Schachthöhle konnte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, über keine grundsätzlichen Veränderungen der Situation im Untersberg berichten. Ein Problem in der Höhle: Die Biwaks sind inzwischen überfüllt. Doch für die Rettung seien viele Höhlenretter, die vornehmlich aus Italien, Österreich und der Schweiz kommen, nötig. Derzeit sind acht Trupps mit je vier Rettern im »Riesending«.


Sie haben die verschiedensten Aufgaben. Eine davon ist die Absicherung für den Transport des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser, dessen Zustand nach wie vor als stabil bezeichnet wird. Mehr Angeben machte der leitende Mediziner, Dr. Michael Petermeyer, jedoch nicht. Er gab aber zu verstehen, dass der Forscher im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht über dem Berg sei. Der Arzt betonte, wie wichtig höhlenerfahrene Ärzte, die sich melden und dafür ihren Urlaub nehmen, seien. So kommt demnächst noch ein italienischer Arzt hinzu. Weitere Rettungsteams aus Kärnten und der Schweiz stehen auf Abruf bereit. Einige der Erstretter haben sich schon dazu bereit erklärt, bei Bedarf neuerlich in die Höhle einzusteigen.

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Zu den verschiedenen Aufgaben der Retter gehört auch das regelmäßige Auswechseln der Sicherungsseile, die durch die großen Transportbewegungen mit vielen Bremsaktionen der Karabiner schon wieder nachgelassen haben. Insgesamt sind bisher 4 000 Meter Seillängen verlegt worden. Im Weiteren müssen die Retter versorgt werden.

Auf die Dauer der Rettung angesprochen, sagte Schneider, dass man in der Höhle nicht wie über Tage in Minuten und Stunden, sondern in Tagen rechnet. Und so werde die Bergung sicherlich eine Woche, unter Umständen auch viel länger dauern.

Denn das Wetter spielt nicht mehr so recht mit. Eine dichte Wolke, die seit Donnerstag über dem Hochplateau des Untersbergs hängt, sorgt dafür, dass die Hubschrauberbesatzungen nicht wie geplant die Personal- und Materialtransporte zum Höhleneingang im Karstgebiet in 1 843 Metern Höhe zwischen Stöhrhaus, Berchtesgadener Hochthron, Gamsalpkopf und Dürrfeld durchführen können. Sollte der Nebel weiter Sichtflüge unmöglich machen, so wäre auch ein Transport mit der Materialseilbahn des Stöhrhauses oder mit Tragtieren denkbar.

Forstarbeiter und die Bergwacht hatten am Donnerstag extra einen Landeplatz am Höhleneingang gebaut und dazu Latschen entfernt und per Hand eine ebene Fläche im buckeligen Karst planiert. Seitdem können die Hubschrauber erstmals – sofern das Wetter mitspielt – auf dem Berg landen und müssen Personal und Material nicht mehr aufwendig per Winde absetzen oder aufnehmen.

Aufgrund der beengten Verhältnisse in der Höhle handelt es sich trotz des Einsatzes modernster Rettungsgeräte um eine große logistische Herausforderung. Insbesondere ist die Trage flexibel aufgebaut, um den Transport des Verunfallten auch in sehr engen Passagen zu ermöglichen. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass einige Passagen ohne Trage zu bewältigen sind. Doch so wie es momentan aussieht, kann der Verunfallte laut Entscheidung der Ärzte in diesen Passagen selbst mitarbeiten.

Die Vorbereitungen der italienischen und österreichischen Höhlenretter erleichtern die Arbeit der Transportteams enorm. So wurden verschlissene Seile ausgetauscht, Seilstrecken verbessert beziehungsweise ergänzt und an einigen Stellen sogenannte Trittstifte in den Fels gebohrt, um das Vorankommen zu erleichtern. Jetzt werden die Biwakplätze erweitert und so aufgerüstet, dass größere Rettungsgruppen hier lagern können. Das Personal wird im Schichtdienst durchgetauscht; italienische Höhlenretter sind am Donnerstagnachmittag in einer neuen Rekordzeit von nur acht Stunden vom Patienten bis zum Ausgang ausgefahren.

Die Wettersituation lässt weiterhin ein Arbeiten in der Höhle zu und wird ständig von der Einsatzleitung beobachtet. Auch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bauten sich kleinere Gewitterfronten auf, die Retter in der Höhle konnten aber ungehindert weiter arbeiten. Auch Starkregen stellt für die Retter keine lebensbedrohliche Gefahr dar, da es in der Höhle komplett trockene Passagen und gute Rückzugsstellen gibt. Christian Wechslinger/ml/cfs