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Wummwumm und die Nacht ist um

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Ein Feuerwerk der guten Laune zündete gestern ein Unbekannter im Nonntal. Foto: Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden – Ruhe. Die Äuglein fallen langsam zu. Die süße Schwere des Schlafs breitet sich gemächlich über den ganzen Leib aus. Und dann: wumm. Und wieder: wumm. Und nochmals: wumm. Ein infernalischer Lärm erschüttert das Nonntal, Feuerblitze flackern am Firmament. Der Schlaf ist weggesprengt. Was war da los?


Ein Feuerwerk brachte die Bewohner des Nonntals in der Nacht auf Mittwoch um den Schlaf. Punkt Mitternacht ging es los. Die Gaudi dauerte ungefähr fünf Minuten. Ein Feuerwerk im Markt. Aber warum? Das Feuerwerk zum Empfang der Olympiahelden war doch erst für Mittwochabend geplant. Die Russen sind auch nicht gekommen. Von einem Terroranschlag ist nichts bekannt. Und die Marsmenschen würden bei einer Invasion wohl nicht mit Silvesterraketen angreifen.

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Nachfrage bei der Polizei. Dass da was war, ist zwar bekannt. Aber eine Anzeige wegen Ruhestörung liegt nicht vor. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Nächster Anruf im Ordnungsamt. Elke Lanzendörfer weiß ebenfalls nichts von einem Feuerwerk. Es war keines angemeldet. »Bei uns kann man nur ein Feuerwerk der Klasse II anmelden«, klärt die Ordnungsamtsleiterin auf. Also, typische Silvesterkracher. Genehmigungen gebe es dafür aber so gut wie nie. Aus Gründen der Gleichbehandlung. Denn würde zu jedem runden Geburtstag, zu jeder Hochzeit oder ähnlichen Veranstaltungen geschossen, wäre das unerträglich.

Können sich die Pyromanen dennoch nicht zurückhalten, haben Nachbarn, die sich belästigt fühlen, zwei Möglichkeiten. Entweder sofort die Polizei rufen. Oder am nächsten Tag das Ordnungsamt verständigen. Den Schuldigen erwartet dann ein Ordnungswidrigkeitenverfahren. »Mit Feuerwerken hatten wir aber noch nie Schwierigkeiten«, sagt Elke Lanzendörfer. Gut, dann war es Dienstagnacht das erste Mal.

Nächster Anruf bei der Regierung von Oberbayern, Abteilung Sprengstoffrecht und Feuerwerke. Erich Raßhofer ist ein alter Hase im Geschäft. Er genehmigt Feuerwerke der Klasse I. Also die richtig Großen, wie sie beispielsweise zu Neujahr am Königssee zu sehen sind. Diese Feuerwerke dürfen nur von professionellen Pyrotechnikern gezündet werden.

Dass es sich bei dem Feuerzauber in der Nacht auf Mittwoch um ein Klasse-I-Ereignis gehandelt hat, kann sich Raßhofer nicht vorstellen. Denn genehmigt war nichts. Und ein Profi würde wohl kaum seine Lizenz aufs Spiel setzen. »Aber moderne Klasse-II-Feuerwerke sind inzwischen sehr imposant«, weiß der Experte. Zum Beispiel würden Verbundfeuerwerke heute eine Steighöhe von 70 Metern erreichen. Diese sogenannten »Cake«-Feuerwerke, also Batterien mit einer hohen Schussfrequenz, waren ursprünglich für professionelle Feuerwerker gedacht. Doch seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2000 seien sie auch für Laien zugänglich. »Die haben heutzutage eine Nettoexplosivmasse von 500 Gramm«, weiß Raßhofer.

Beim Durchsuchen seiner Unterlagen fällt dem Sprengstofffachmann aber plötzlich etwas auf. Das Feuerwerk für den Olympiaempfang war ursprünglich für den Dienstagabend angemeldet und wurde kurzfristig auf den Mittwoch verlegt. Sehr verdächtig. Einen Zusammenhang vermutet Raßhofer allerdings nicht. Erfahrungsgemäß tippt er auf eine private Feier. Mit einem nicht angemeldeten Feuerwerk als Höhepunkt. Christian Fischer