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»Yoga ist meine Berufung«

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Kraft schöpfen und den Alltag hinter sich lassen: Marita Frohnhofen gibt seit zehn Jahren Yogaunterricht in der Watzmann Therme Berchtesgaden und achtet dabei stets auf kleine Details wie Blumen, Seidentücher und Kerze, um ihren Teilnehmern eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Anzeiger-Foto

So unglaublich es klingt, aber den ersten Kontakt mit Yoga hatte Marita Frohnhofen vor 30 Jahren in einer Aachener Studentenkneipe inmitten von lauter Musik. »Um mein Grundschulstudium zu finanzieren, habe ich regelmäßig in einer Kneipe gejobbt. Eines Tages fiel mir dort ein Plakat zu einem Heilfasten-Seminar samt Yogaeinheiten ins Auge.« Marita Frohnhofen war sofort fasziniert, auch weil sie sich dadurch neuen Schwung für die Abschlussarbeit ihres Studiums erhoffte. »Das Heilfasten kam mir genau richtig, ich wollte noch einmal meinen Geist klären und dann mit neuer Energie die Arbeit schreiben«.


So absolvierte sie kurze Zeit darauf ihre erste Yogastunde. »Angeleitet wurden die Übungen von einem Heilpraktiker, wir waren mitten in einem Wald«, erinnert sich die 54-jährige Wahlbayerin. »Es war ein überwältigendes Erlebnis, ich habe tiefste Glückseligkeit empfunden. Die Übungen kamen mir von Anfang an so vertraut vor.«

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Die Faszination war geweckt, die Yoga-Erfahrung hat schlagartig das Leben von Marita Frohnhofen verändert. »Zum ersten Mal wusste ich in meinem Leben, was ich wollte.« Erste Yoga-Privatstunden ließen nicht mehr lange auf sich warten. »Ich bin jeden Tag in der Früh zu Theo gefahren, einem bekannten Aachener Yogapraktizierer, und habe Asanas (Yogaübungen) erlernt.« Für die Studentin ein kostspieliges Unterfangen, pro Tag waren zehn Mark fällig, das ganze sechs Wochen lang. Das verdiente Geld aus der Kneipe hat somit fast nicht mehr zum Leben ausgereicht, eine der Konsequenzen daraus: Statt der Zugfahrt wurde getrampt. Trotzdem wollte die junge Frau nicht auf ihre Privatstunden verzichten: »Ich war so energiegeladen und hatte eine neue Lebensausrichtung.« Den Studienabschluss meisterte sie schließlich mit Leichtigkeit.

Unmittelbar nach dem Ende ihres Studiums kam ihre Tochter Ineke auf die Welt. Mit kleinem Kind im Gepäck hat Marita Frohnhofen schließlich ihr Referendariat begonnen, doch nach einem Jahr Arbeit in der Schule trennte sich ihr Partner von ihr und sie musste die Doppelbelastung »Beruf und alleinerziehende Mutter« stemmen. »Es war eine unglaublich harte Zeit, ich wüsste nicht, wie ich das alles ohne Yoga gemeistert hätte«, blickt Frohnhofen zurück. Nach dem Referendariat kam dann die Auszeit: »Ich war freiwillig arbeitslos, lieber wollte ich weniger Geld haben und bewusst für meine Tochter da sein.«

Doch nichts zu tun liegt nicht in der Natur von Frohnhofen: Während der Arbeitslosigkeit absolvierte sie einen Kurs in humanistischer Psychologie und eignete sich immer mehr Wissen im Yoga an. Irgendwann musste sie sich aber trotzdem entscheiden: die Arbeit als Lehrerin mit dem sicheren Beamtenstatus auf Lebenszeit oder die Leidenschaft »Yoga«. »Ich habe mich zuerst für die Schule entschieden und in einer Sonderschule mit lernbehinderten Jugendlichen gearbeitet, dann drei Jahre in einer damals noch sehr konservativen Grundschule in einem Dorf nahe Aachen unterrichtet«. In dieser Zeit flossen bereits erfolgreich Ansätze ihres Yogawissens samt Entspannungstechniken in ihre Unterrichtsmethode ein. »Es hat mir großen Spaß gemacht, nach anfänglicher Skepsis seitens der Kollegen und Eltern wurde ich für meine Unterrichtsmethoden sehr geschätzt. Trotzdem habe ich letztendlich auf meine Karriere verzichtet.« Nach reiflicher Überlegung gab Frohnhofen ihren Beamtenstatus zurück.

»Ich habe alle Sicherheiten aufgegeben und mich voll und ganz dem Yoga gewidmet.« Um letztendlich auch offiziell den Titel Yogalehrerin tragen zu dürfen, absolvierte sie vor zwölf Jahren die anerkannte Yogalehrerausbildung im Westerwald. Nach unzähligen Seminaren bei Yogameistern aus Indien und Skandinavien waren die Unterrichtseinheiten in der Schule wie ein »Ernten« für die Aachenerin. Vieles, was sie in Frankfurt gelernt hatte, wusste Marita Frohnhofen bereits aus ihrer 17-jährigen Erfahrung.

Gleichzeitig mit der Ausbildung im Westerwald begann auch privat ein neuer Lebensabschnitt: Mit ihrem neuen Partner und ihrem zweiten Kind, Sohn Joel, zog sie nach Schönau am Königssee und wurde in der Watzmann Therme mit einem Raum für ihre Yogakurse fündig. In vier Kursen, von Yoga sanft über Yoga mittel bis Yoga fortgeschritten, lassen seitdem ihre Teilnehmer bei Atem- und Meditationsübungen, Asanas und Tiefenentspannung Sorgen und Ängste ihres Alltags hinter sich. »Jeder kann Yoga machen, es gibt keine Voraussetzungen, denn Yoga ist weder Gymnastik noch Sport.« Leistungs- und Konkurrenzdenken haben hier keinen Platz. Für Marita Frohnhofen ist Yoga vielmehr eine innere Haltung, das »Zur-Ruhe- Kommen der Gedanken im Geist«. »Der Großteil unserer Gedanken ist zerstörerisch, viele unserer Probleme kommen aus dem Geist, aber jeder kann lernen, damit umzugehen«, ist sich die 54-Jährige sicher. Wenn die Kursbesucher es schaffen, ihr Gedankenkarussell zu bremsen, und ein bisschen glücklicher und zufriedener nach der Yogastunde nach Hause gehen, dann ist Marita Frohnhofen froh. Denn neben dem Geist profitiert der Körper beim Yoga von ganz alleine.

»Man muss Vertrauen in sich selbst aufbauen mit dem Ziel, Stille und Frieden im Inneren zu finden, auch wenn draußen Stürme um einen herum toben.« Aus diesem Wissen schöpft Marita Frohnhofen ihre Kraft. Und mit diesem Wissen hat Marita Frohnhofen bereits viele komplizierte Hürden in ihrem Leben gemeistert. ci