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Zdarsky und die »Lilienthaler Skilauftechnik«

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Mit diesem Plakat warb der Deutsche Touringclub vor 106 Jahren für einen Skikurs am Weinfeld. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der heutige Teil der Serie historischer Ansichtskarten befasst sich mit einem Einladungsplakat zu einem Skikurs am Weinfeld. Der Deutsche Touringclub schickte den berühmten Skipionier Mathias Zdarsky.


Im Januar 1911 wurde in Berchtesgaden endlich ein Wintersportausschuss aus Vertretern verschiedener Vereine gebildet, die Marktgemeinde erklärte sich zur finanziellen Unterstützung bereit. Hocherfreut und prompt reagierte der Skiklub: Man lud den Skipionier Georg Bilgeri ein, in Berchtesgaden einen Skikurs abzuhalten. Der Kurs war ein großer Erfolg und animierte die Klubmitglieder, weitere Wintersportgrößen einzuladen.

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Da kam ein Angebot des Deutschen Touringclubs gerade recht. Man konnte noch im selben Jahr Mathias Zdarsky für einen Skikurs nach Berchtesgaden verpflichten. Seine bahnbrechend neue Methode nannte sich »Lilienthaler Skilauftechnik«. Zdarsky hatte, angeregt von der Durchquerung Grönlands durch den Norweger Fridjof Nansen, die Jahrhunderte alte nordische Entwicklung entscheidend verbessert. Im Jahre 1880 hatte er eine seitenstabile, gefederte Stahlsohlenbindung zum Patent angemeldet. Durch Anwendung von nur einem langen Skistock erreichte er mit dem sogenannten Vorlagenstemmschwung eine Revolution des alpinen Skilaufs. Jetzt waren das Befahren von Steilhängen und sogar die Torlauftechnik möglich.

Von Kärnten aus startete Zdarsky eine Werbetour durch die Alpenländer. Die Wintersportorte rissen sich um seine Lehrgänge. Er besaß praktisch ein Monopol, Anmeldungen liefen nur über die Münchener Zentrale des Touringclubs. Doch vom 25. Dezember 1911 an, dem ersten Weihnachtsfeiertag, also ziemlich genau vor 106 Jahren, kam der berühmte Mathias Zdarsky persönlich eine ganze Woche zum Weinfeld. Mit Plakaten und Postkarten hatte man schon lange vorher geworben.

Nach Meinung des Skiklubs war »die Beteiligung eine alle Erwartungen übertreffende. Das eine dürfte aus den gemachten Erfahrungen klar zutage getreten sein, nur derartige Unternehmungen werden Berchtesgaden als Wintersportplatz bekannt machen«. Der Skiklub Berchtesgaden war übrigens bereits im Winter 1906 gegründet worden.

Das Bild stammt aus einer historischen Ansichtskartensammlung des Museums Schloss Adelsheim. Der Schwerpunkt dieser Sammlung umfasst die Zeit von 1870 bis 1910. Dies war die Gründungs- und Blütezeit des Verschönerungsvereins Berchtesgaden, des entscheidenden Impulsgebers für den Fremdenverkehr.

Aus dieser Sammlung präsentiert Christoph Karbacher den »Anzeiger«-Lesern weiterhin in einwöchigem Turnus besonders interessante Bilder. Ein ausführlicher Lichtbildervortrag folgt am 18. Januar im »Haus der Berge«. fb