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Zehn Euro aus Bischofswiesen

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Anne Karen Hentschel musste bei dem Relief-Entwurf für die Gedenkmünze »1 000 Jahre Stadt Leipzig« im Zehntelmillimeterbereich arbeiten. (Foto: Merker)
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Die Gedenkmünze »1 000 Jahre Stadt Leipzig« kommt am 2. Juli 2015 in den Handel. (Foto: BADV/Jan Peter Böning/Hans-Joachim Wuthenow)

Bischofswiesen – Die in Bischofswiesen lebende Bildhauerin Anne Karen Hentschel hat die Gedenkmünze »1 000 Jahre Stadt Leipzig« gestaltet. Die 10-Euro-Münze wird nächstes Jahr herausgegeben und ist eine von fünf Sondermünzen, die jährlich geprägt werden. In akribischer Feinarbeit hatte sie die Gipsmodelle angefertigt, die als Vorlagen für die Münzprägung dienen.


Eine Münze ist eigentlich ein Relief. Genau genommen ein Flachrelief und in diesem Fall ein sehr, sehr flaches Relief. Denn keines der dargestellten Teile darf höher als 0,7 Millimeter sein. Denn so hoch ist der Münzrand und darüber darf nichts hinausstehen. Aus diesem Grunde hat Anne Karen Hentschel verschiedene dünne Plättchen, mit denen sie die Höhe ihrer Formen kontrollieren kann. Das heißt, die Bildhauerin muss im Zehntelmillimeterbereich arbeiten. Nicht viel Platz, um sich auszudrücken. Trotzdem sollen ganze 1 000 Jahre Leipzig auf der Münze dargestellt werden. So die Anforderung des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, die im Auftrag der Bundesrepublik, vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen, die Sondermünzen herausgeben.

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Da Geld eine besondere und sehr wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt, ist alles, was damit verbunden ist, sehr genau reglementiert. So gibt es genaue Festlegungen, wie die Münze auszusehen und welche Kriterien sie zu erfüllen hat. Denn schließlich ist die Gedenkmünze ein offizielles Zahlungsmittel. Im Allgemeinen aber gelangt sie nicht in den Geldumlauf, sondern ist ein Sammlerstück. Der Adler auf der Rückseite muss ein würdiges Aussehen haben, mit flugbereiten Schwingen dargestellt werden und sein Kopf muss mit geöffnetem Schnabel nach links zeigen. Auch der Text auf der Münze und auf dem Münzrand ist vorgegeben. Dabei steht neben der Jahreszahl ein »F«, das den Prägeort, die »Staatliche Münze Stuttgart« bezeichnet.

Die entscheidende künstlerische Aufgabe war es nun, die 1 000-jährige Geschichte Leipzigs auf einer kleinen Scheibe von drei Zentimetern Durchmesser darzustellen. »Ich habe mich zunächst mit der Geschichte Leipzigs beschäftigt«, erzählt Anne Karen Hentschel. »Ich habe festgestellt, dass besonders die Bevölkerung immer eine wichtige Rolle gespielt hat.« Sei es beim Handel, als aufstrebendes Bürgertum oder schließlich bei den Montagsdemonstrationen. »Darum habe ich im vorderen Bereich der Münze eine Gruppe von Menschen als Silhouette angelegt. Eingebettet, ja richtiggehend eingeprägt, sind die Menschen in eine Darstellung wichtiger Bauwerke der Stadt.

Die Thomaskirche, in der Bach gewirkt hat, befindet sich darunter, die Nikolaikirche als Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen, das Völkerschlachtdenkmal, Neues Rathaus und die Universität sind als Umrisse dargestellt. Natürlich darf die Messehalle nicht fehlen, denn seit fast 850 Jahren findet in Leipzig eine Messe statt. »Die Menschen prägen die Stadt«, so lautet die Botschaft der Münze. Die hatte auch die Jury überzeugt und hat den Entwurf von Anne Karen Hentschel ausgewählt.

Eingeladen zu dem Wettbewerb waren zwölf Künstlerinnen und Künstler. Der Entwurf bestand aus einem Gipsmodell im Maßstab 1:5. »Zuerst habe ich beide Seiten der Münze modelliert, um sie dann in Gips abzuformen«, erklärt die Bildhauerin, die in Bremen aufwuchs und Bildhauerei an der Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale studiert hat. Die Gipsformen überarbeitete sie anschließend, schnitt die Schrift und die zwölf Europa-sterne hinein. Die Negativform war fertig. Diese wurde wiederum in Hartgips abgeformt, um die Münze als Positiv zu erhalten. Ein kniffliges Unterfangen, das sehr genaues Arbeiten erfordert.

Nach dieser Vorlage wird in der Münze Stuttgart der Prägestempel hergestellt und die 10-Euro-Münze anschließend in Kupfer-Nickel oder in Silber geprägt. Ab 2. Juli 2015 kann man dann für »schlappe« zehn Euro einen echten Hentschel erwerben. Christoph Merker