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Zollhaus wird zur Flüchtlingsunterkunft

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Ob das Schnitzhofheim wirklich zur Asylbewerberunterkunft wird, entscheidet letztlich das Landratsamt.
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In das ehemalige Zollhaus an der Hauptstraße 37 sollen Flüchtlinge ziehen. Darüber hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Gemeinde Marktschellenberg vor zehn Tagen informiert. (Fotos: Wechslinger)

Marktschellenberg – Die Flüchtlingskrise macht auch vor Marktschellenberg nicht halt. Nun will eine heimische Tiefbaufirma das Schnitzhofheim als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen. Der Bund wird in den Zollhäusern an der B 305 Flüchtlinge einquartieren. Das gab Bürgermeister Franz Halmich (FW) in der Marktschellenberger Gemeinderatssitzung am Montagabend bekannt. »Sobald wir wissen, wann genau die Asylbewerber kommen, gibt es eine Bürgerinformation«, sicherte Halmich zu.


Eine heimische Tiefbaufirma hatte im Gemeinderat einen Antrag gestellt. Dieser lautet auf einen Vorentscheid zur Nutzungsänderung des Schnitzhofheimes und des Nebengebäudes, die bis vor zehn Jahren als Kindererholungsheim und als Schulungsstätte für Aussiedler-Kinder gedient hatten, in ein Asylbewerberheim. Dies soll allerdings befristet sein.

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Die Gemeinde hat für das Schnitzhofheim allerdings eine andere Nutzung vorgesehen: ein Sondergebiet mit gewerblicher Lagerfläche. »Wohnen widerspricht dieser Nutzung«, erklärte Halmich. Dies soll im Flächennutzungsplan festgehalten werden, der sich derzeit im Aufstellungsverfahren befindet. Zudem gab er hier Anmerkungen der Behörden weiter. Das Wasserwirtschaftsamt weist bei einer Nutzung als Wohnhaus darauf hin, dass es eine Überschwemmungsgefahr gibt, weil der Schnitzhofbach bei Starkregen anschwillt. Das Straßenbauamt gab zu bedenken, dass der Straßenlärm der B305 störend sein könnte.

Dr. Michael Köhler (CSU) zeigte sich irritiert von diesen Argumenten: »Jahrelang waren im Schnitzhofheim Schulkinder und Gäste untergebracht. Und plötzlich soll das Wohnen dort ein Problem sein?« Darauf antwortete Halmich, er gebe lediglich die Stellungnahmen der Behörden weiter. Diese Anmerkungen seien kein Grund für eine Ablehnung des Vorhabens. »Uns geht es um die Zukunft. Wir wollen unsere Chancen auf eine Gewerbenutzung des Schnitzhofheimes nicht vertun«, erklärte Halmich.

Der Beschluss lautete: »Das Vorhaben widerspricht den Ausweisungen im aktuell im Aufstellungsverfahren befindlichen Flächennutzungsplan«. Zehn der zwölf Gemeinderäte stimmten dafür. Letztlich entscheidet das Landratsamt, ob das Gebäude der Firma als Flüchtlingsunterkunft verwendet wird.

Zum Schluss der öffentlichen Sitzung informierte der Bürgermeister die Gemeinderäte und die zahlreichen Zuhörer über weitere Pläne zur Unterbringung von Asylbewerbern: »Der Bund hat uns vor zehn Tagen mitgeteilt, dass in den ehemaligen Zollhäusern an der B 305 Flüchtlinge untergebracht werden.« Eine Gemeinschaftsunterkunft soll entstehen. Halmich informierte, dass die Anwohner bereits ein Schreiben an den Landrat und den Bürgermeister geschickt hatten, in dem sie ihre Sorgen äußern.

»Ich war verwundert, da es erst hieß, der Ort sei nicht geeignet«, sagte Bürgermeister Franz Halmich. Für die Gemeinde ist es laut Halmich sehr unbefriedigend, dass die neue Information der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erst vor zehn Tagen gekommen ist.

Der Bürgermeister zählte anschließend die Argumente auf, die gegen ein Asylbewerberheim an dieser Stelle sprechen würden: Es sei zum einen wegen der Grenznähe ein ungeeigneter Standort, zum anderen würden die Einkaufsmöglichkeiten im Ort fehlen. »Sobald wir wissen, wann wie viele Flüchtlinge kommen, gibt es sofort eine Bürgerinformation«, sicherte Halmich zu. Der Mietvertrag zwischen Bund und Landratsamt sei noch nicht geschlossen worden. Er verstehe die Sorgen der Anwohner und bittet sie um Verständnis. Zudem sei die Sicherheitslage laut Auskunft der Polizei nicht beeinträchtigt.

»Es wird derzeit einfach händeringend nach Gebäuden gesucht«, fuhr Halmich fort. Auch, wenn der Talkessel bereits »gut bedient« sei, so werde alles abgeklopft auf der Suche nach Unterkunftsmöglichkeiten. Für Marktschellenberg hofft er, dass sich bald ein Helferkreis für die Flüchtlinge bildet, und sie willkommen geheißen werden.

Im Vergleich halten sowohl Bürgermeister als auch die Gemeinderäte allerdings das Schnitzhofheim für die bessere Unterkunftsmöglichkeit, als das Zollhaus.

Dr. Michael Köhler (CSU) wurde nach eigener Aussage schon von Landrat Georg Grabner auf die Situation bei Kreistags- und EuRegio-Sitzungen darauf angesprochen. Auch er sprach sich für das Schnitzhofheim als bessere Alternative aus. Köhler betonte, dass syrische Familien besser integrierbar wären als alleinstehende Männer. Hier warf Halmich ein, er habe das schon im Landratsamt angesprochen und setze sich dafür ein. Der CSU-Gemeinderat bat den Bürgermeister, dies auch über die nächsten Wochen mit Nachdruck zu tun.

Daniela Graßl (FW) wies daraufhin, dass es nur für die Landkreise eine Verteilungsquote gibt und nicht für die einzelnen Gemeinden. Auch sie hält das Schnitzhofheim für die bessere Wahl.

Clemens Wagner (CSU) zeigte auch Verständnis für die Bedenken. Er war sich sicher: Auch von den Marktschellenbergern sei Hilfe für die Flüchtlinge, »die einige Strapazen hinter sich haben«, zu erwarten. Hierzu sollen keine bösen Worte fallen, sagte er. »Integration ist die beste Prophylaxe gegen Bösartigkeiten.« Es werde in Schellenberg funktionieren, war er überzeugt. Annabelle Voss