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Zu den Ursprüngen des »Weißen Goldes«

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Thomas Stöger (l.) erklärt Aufbau und Funktion des Salzbergwerks. Fotos: Anzeiger/Voss
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Hans Unterreiner hat im Gestein eingelagertes Salz entdeckt.

Berchtesgaden – Den Teilnehmern des 3. Berchtesgadener-Land-Wanderfestivals Ende August wird ein exklusiver Ausflug angeboten: Die Salz-Erlebnis-Tour im Salzbergwerk abseits der Touristenpfade. Die Teilnehmer werden die Stollen und Gänge des Berges erkunden, die sonst kein Außenstehender zu Gesicht bekommt. Toni Grassl von Grassl Event & Promotion Services lud dieser Tage bereits zu einer Presse-Wanderung auf den Spuren des Bergbaus tief im Innern des Obersalzbergs ein. Annabelle Voss war für den »Berchtesgadener Anzeiger« dabei.


Der Bergmann Thomas Stöger arbeitet schon seit 1982 unter Tage. Er ist ein sogenannter »Steiger«. Er dirigiert, sichert und regelt die Arbeit seiner 40 Mitarbeiter, die aktiv Sole fördern. Stöger führt uns Pressevertreter und weitere Interessierte nach einer kurzen Einweisung im Umgang mit Helm, Grubenlampe und Filterselbst-Retter (für den Fall eines Brandes) durch die verzweigten Wege.

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Es geht hinein in den Parallelstollen – und so in die komplett andere, eigene Welt des Berges. Man verliert jegliches Zeitgefühl. Es geht mal geradeaus, mal bergab, und immer wieder trifft man links und rechts des Weges auf geheimnisvolle Schächte und Gänge. Bei einem der Stopps, die Thomas Stöger einlegte, um uns etwas über die lange Geschichte und die spannende Technik des Salzabbaus zu erzählen, fallen uns eingerahmte und gravierte Marmorplatten an den Holzwänden auf. Er erklärt, dass jeder Stollen Adeligen oder Angehörigen des damaligen Königshauses gewidmet wurde und dass die Tafeln teilweise unermesslich wertvoll sind. So entdecken wir auf unserer Wanderung auch richtige Kunststücke.

Das Interessanteste an der Tour ist aber, zu erfahren, woher das »weiße Gold« eigentlich genau kommt. Hans Unterreiner entdeckt neben einer Wegkreuzung verdächtige weiße, körnige Ablagerungen am Gestein und bricht sich freudig ein Stück davon ab. Aber zu früh gefreut. »Du müsstest dieses Stück erst einmal stundenlang im Mund haben, bevor du das Salz herausschmeckst«, sagt Thomas Stöger mit einem Grinsen. Ja, wir hatten uns das so einfach vorgestellt. Aber um an das pure Salz in dem Mischgestein heranzukommen, braucht es kubikmeterweise Süßwasser, das in den Berg befördert wird, um damit das Salz herauszulösen. Es entsteht Sole, mit einem Salzgehalt von 26,5 Prozent.

Genau zu dem Ort, wo dieser Prozess vonstatten geht, kommen wir nach einem kurzen Wegstück. Es ist das »Sinkwerk 25«. Ein Sinkwerk, auch Laugwerk genannt, ist ein ausgehauener Hohlraum, der mit Süßwasser gefüllt wird. Durch das Süßwasser wird das Gestein ausgelaugt und bildet mit dem Wasser die Sole. Wir sind schon eine Zeit unterwegs. Thomas hat noch ein Ass im Ärmel. Er schlägt uns einen kleinen Umweg von 20 Minuten vor, der aber den Teilnehmern des Wanderfestivals aus Sicherheitsgründen vorenthalten wird. Wir fahren mit einem Aufzug im Berg nach oben. Es wird plötzlich immer lauter, man hört Wasser plätschern und rauschen.

Nach wenigen Schritten wird der Boden, vorher noch lehmig und trocken, immer matschiger und nasser. Man fühlt, wie sich die Schuhe fast von den Füßen lösen. Und dann steht unsere kleine Gruppe vor einer mysteriösen Treppe: Steil, klein, eng und niedrig geht es nach unten. Trotzdem ist die Stimmung gut. Das Kind in einem freut sich eben, wenn es sich mal richtig von oben bis unten mit Schlamm einsauen kann. Bevor es dann wieder in den offiziellen Besucherteil geht, dürfen wir noch die Rutsche testen, die nur für die Bergmänner gedacht ist. Der Grund dafür wird schnell offensichtlich: Sie ist länger, steiler und unberechenbarer als die anderen. Ein dickes Seil an der einen Seite dient zum Bremsen, aber bremsen will gelernt sein.

So schießt der eine oder andere über sein Ziel hinaus. Als wir durch das Tor zum Besucherteil gehen, werden wir von einer Gruppe ungläubig blickender Franzosen begrüßt, die sich wohl fragten, was das für seltsame Gestalten sein mögen: vollkommen verdreckt, mit Helmen und Grubenlampen und einem grauen Kästchen über der Schulter (dem Brandgasfilter zur Selbstrettung).

Nach dem aufregenden Ausflug in den aktiv betriebenen Teil des Salzbergwerks ist es eine Erholung, mit dem Schiff über den zauberhaften Salzsee zu gleiten. Aber wer denkt, er könne mit den Touristen auf dem kleinen Zug ins Freie fahren, der hat falsch gedacht. Echte Abenteurer gehen zu Fuß ans Tageslicht. So geht ein spannender, ereignisreicher und interessanter Ausflug in die Arbeitswelt der Bergmänner zu Ende. Am Ende des Stollens blendet das Tageslicht die Augen, als wäre man ein Maulwurf, der sich seinen Weg ins Freie gräbt.

Wer auch auf Entdeckungstour im Obersalzberg gehen möchte, der kann sich schon jetzt für die Salz-Erlebnis-Tour am 31. August anmelden. Infos und Tickets gibt es bei der Grassl Event & Promotion Services GmbH in Ramsau unter Telefon 08657/983520, E-Mail toni.grassl@grassl-eps.de oder im Internet unter www.outdoor-club.de. Annabelle Voss