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Zu viel Verkehr, zu wenig Wohnungen

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Berchtesgaden
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Fast fertig: Das Ganghofer-Parkdeck soll nach dreimonatiger Sanierung pünktlich zum Berchtesgadener Advent freigegeben werden. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – So sicher wie in Berchtesgaden lebt man praktisch nirgends in Deutschland. In der Marktgemeinde gibt es im Vergleich zu Großstädten kaum Kriminalität. Beim Mangel an bezahlbarem Wohnraum und dem Zuviel an Verkehr kann Berchtesgaden aber inzwischen mit dem Rest der Republik mithalten. Und zwar sowohl auf den Straßen als auch auf den Parkplätzen. Doch trotz dieser Brennpunkt-Themen herrschte bei der Bürgerversammlung im AlpenCongress gähnende Leere. Außer kommunalen Vertretern gab es kaum Publikum.


Seinen pflichtgemäßen Jahresrückblick hielt Bürgermeister Franz Rasp gewohnt professionell und kurzweilig. Demnach hat die Marktgemeinde viel in den Kanal- und Straßenbau sowie die Sanierung des Parkdecks an der Ganghofer-Straße und des Soleleitungsstegs aus dem 19. Jahrhundert investiert. Beide Projekte sollen pünktlich zum Beginn des Berchtesgadener Advents fertig sein.

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Ungewohnt emotional wurde der Bürgermeister, als er auf das Dauerthema Breitbandausbau zu sprechen kam. »Die Telekom ist der unzuverlässigste Vertragspartner, der mir als Bürgermeister jemals untergekommen ist«, schimpfte er. Denn in manchen Bereichen, zum Beispiel auf der Buchenhöhe und am Etzerschlössl, ist die Anbindung an das sogenannte schnelle Internet seit fast anderthalb Jahren überfällig. »Wir werden immer wieder kurzfristig vertröstet. Der Monopolist Telekom hat sich völlig übernommen«, so Rasp. »Das ist unerträglich. Mir wird schlecht.« Auf eine Nachfrage aus dem Publikum antwortete der Bürgermeister, dass eine Vertragskündigung praktisch nicht möglich sei. »Dann hätten wir niemanden mehr, der die Leitungen anschließen kann.«

Mindestens genauso problematisch wie beim Datenverkehr ist die Situation beim Straßenverkehr. »Die Schmerzgrenze ist erreicht«, sagt der Bürgermeister. Der eventuelle Bau eines Bypasses am Bahnhofskreisel und der bereits installierte Rufbus können laut Rasp die Situation nur entschärfen. »Längerfristig müssen weniger Fahrzeuge auf den Straßen sein«, betonte er.

Angespannt ist die Lage auch auf dem Wohnungsmarkt. Die Devise der Marktgemeinde lautet deshalb: Zweitwohnungen verhindern, bereits bestehende höher besteuern. Der Anteil an Zweitwohnungen liege derzeit unter sechs Prozent. Was laut Rasp auch so bleiben müsse. Bezahlbarer Wohnraum werde in Berchtesgaden immer knapper. »Wollen wir hoffen, dass die Salzburger nicht auf uns aufmerksam werden. Denn dann würden Mietwohnungen noch schwerer zu finden sein.

Finanziell steht die Marktgemeinde auf soliden Füßen, wie Franz Rasp erklärte. Die Schulden sinken trotz hoher Investitionen jährlich um eine Million Euro. Der derzeitige Stand beträgt 18,3 Millionen Euro. Christian Fischer

Ein Artikel über die Anfragen der Bürger folgt in der nächsten Ausgabe.