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Die Vorsitzenden der Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land Süd (v.l.): Walter Parma, Manfred Vonderthann, Dr. Friedl Schmidt. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – 120 Mitglieder zählt die Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land Süd schon nach wenigen Wochen seit ihrer Gründung. »Ein sensationelles Ergebnis«, sagt Dr. Friedl Schmidt, einer der drei Vereinsvorsitzenden. Trotzdem kann die Arbeit, Hilfsdienste für ältere Menschen anzubieten, frühestens Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden. »Wir warten aktuell auf die Anschubfinanzierung«, sagt Schmidt.


Die Seniorengemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Bürgern der fünf Talkessel-Gemeinden. Durch Dienstleistungen, die Mitglieder erbringen, soll der Alltag älterer Menschen gestaltet und vereinfacht werden. »Wir wollen keine Konkurrenz darstellen«, meint Friedl Schmidt, sondern vielmehr kommunale Hilfeeinrichtungen entlasten.« Pflegedienste sind tabu, »das dürfen wir allein schon rechtlich nicht.« Bedenken von Kritikern zerstreut er bereits im Vorfeld.

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Gemeinsam mit Manfred Vonderthann und Walter Parma bildet Friedl Schmidt den Vorstand des Vereins, der vor rund einem Monat in Gegenwart der fünf Talkessel-Bürgermeister und Landrat Georg Grabner gegründet worden war. 66 Gründungsmitglieder zählt die Seniorengemeinschaft, die aber nicht nur Senioren ansprechen möchte. Ein falsch gewählter Vereinsname? So drastisch möchte dies keiner der Vorsitzenden ausdrücken, doch dürfte alleine über die Vereinsbezeichnung nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass auch junge Leute händeringend gesucht werden. Jene also, die Hilfsleistungen erbringen können und sollen. »So könnten zwischen Jungen und Alten Vertrauensverhältnisse hergestellt werden«, sagt Schmidt hoffnungsfroh.

Fahren, vorlesen, Gräber pflegen

Dienstleistungen, die in einem umfangreichen, dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegenden Leistungskatalog aufgeführt sind, werden zum Stundensatz von 10 Euro abgerechnet. Der Leistungsempfänger zahlt dem Vereinsmitglied, das die Arbeit erbracht hat, 7,50 Euro. 2,50 Euro verbleiben beim Verein als Zuschlag für dessen organisatorische Arbeit. Alternativ kann das Geld in Form von Punkten angespart und bei Eigenbedarf in Form von Hilfeleistungen abgerufen werden. Hilfen für Mitglieder gibt es jede Menge: So geht es um die Beaufsichtigung von Kindern und Jugendlichen, um Einkaufsdienste, Besuche im Seniorenheim. Das Gesellschaft-Leisten gilt als vereinsinterne Hilfsleistung, ebenso die Grabpflege, kleine handwerkliche Tätigkeiten, Wanderungen oder Winterdienste.

Das Modell erachtet Vorsitzender Walter Parma als erfolgversprechend. In Kronach gibt es einen vergleichbaren Verein, in dem mittlerweile pro Monat 350 Stunden an Hilfsleistungen vermittelt werden. Im Vorstand des hiesigen Vereins ist man sich sicher, dass mittelfristig die 500-Mitglieder-Marke geknackt werden kann. Aktuell zählt die Seniorengemeinschaft 120 Mitglieder.

Wann geht es endlich los?

Viele davon scharren mit den Hufen, möchten am liebsten sofort mit der Arbeit im Verein beginnen. Doch die Vorsitzenden bremsen die Mitglieder ein: »Wir dürfen noch nicht anfangen, sondern müssen erst die Anschubfinanzierung abwarten«, sagt Manfred Vonderthann. 30 000 Euro sollen dem Verein durch das Bayerische Sozialministerium zugesprochen werden. Darüber hinaus gibt es von den hiesigen Gemeinden pro Einwohner einen weiteren Euro. 50 000 Euro lautet das Startkapital, mit dem zunächst einmal über drei Jahre gearbeitet werden soll. In der Insula wurde der Seniorengemeinschaft ein kleines Büro zur Verfügung gestellt, kostenfrei. Viel Wert legen die Vorsitzenden darauf, zu betonen, dass die Arbeit des Vereins unabhängig abläuft. »Bis auf die Räume haben wir mit der Insula nichts zu tun.«

Das Leistungsangebot des Vereins habe für ältere Menschen »eine Reihe von sozialen Vorzügen.« So können auf Hilfe angewiesene Personen »länger in ihren eigenen vier Wänden bleiben«, sagt Friedl Schmidt. »Die aktiven Mitglieder tragen Verantwortung für ihr Handeln und werten ihr Älterwerden in dem Bewusstsein auf, gebraucht zu werden.«

Aktiv am Gelingen mithelfen sollen die Seniorenbeauftragten der Gemeinden, die auch über Vereinsmitgliedschaften informieren. »Die Seniorenbeauftragten sitzen an der Basis«, sagt Walter Parma. Anmeldeformulare für Mitgliedschaften liegen in den Gemeinden aus.

»Alle Mitglieder müssen sich noch in Geduld üben«, weiß Friedl Schmidt. »Wir stehen aber in den Startlöchern.« Drei Monate des Wartens sind angesagt. Dann könne es »endlich« mit den Hilfsleistungen losgehen. Demnächst soll eine vereinseigene Homepage erstellt werden. Im Verein fühlt man sich für die kommende Zeit gut gerüstet. Kilian Pfeiffer