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Zukunft sichern durch Qualität und höhere Preise

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Abmarsch beim Bergwerk in Richtung Kirche. In der Mitte Steiger Hans Neumayer, der heuer nach 40 Jahren in den Ruhestand geht.
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Der dienstälteste Bergmann Lorenz Staudinger mit dem »Bergmandl« auf der Schulter.
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Den Dankgottesdienst in der Stiftskirche zelebrierte Dekan Peter Demmelmair.
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Im Gleichschritt geht's in Richtung Markt. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger (3) und Anzeiger/Thoma-Bregar (2)
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Waren heuer zum letzten Mal dabei (v.l.): Hans Neumayer (41 Jahre), Reinhard Brandner (40), Bernhard Lochner (40) und Franz Brandner (40).

Berchtesgaden – Der Pfingstmontag ist in Berchtesgaden seit jeher der Tag der Bergknappen. Für die Männer in ihren schmucken, weiß-blauen Uniformen samt den geladenen Ehrengästen ging es schon am Morgen zum offiziellen Festakt ins Kaiser-Franz-Sinkwerk. Auf dem Programm stand der Rückblick auf das vergangene Betriebsjahr durch Berchtesgadens Standortleiter Franz Lenz sowie Ehrungen verdienter Bergleute und Grubenwehrmänner.


Nach einer Begrüßung durch Südsalz-Geschäftsführer Kai Fischer warf Berchtesgadens Standortleiter Franz Lenz einen Rückblick auf das vergangene Betriebsjahr, das im Zeichen von Restrukturierungsmaßnahmen stand. Insgesamt habe man 1,06 Millionen Kubikmeter Sole aus dem Salzbergwerk Berchtesgaden und den Solebohrungen im Reichenhaller Becken gefördert. Das sind 6,6 Prozent weniger als im davor liegenden Rekordjahr. Durch Investitionen an der Verdampferanlage könnte man zwar größere Solemengen eindampfen, habe aber wegen der schwierigen Marktentwicklung beim Konsumenten- und Sortensalz darauf verzichten müssen, so Lenz.

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Wie bereits im letzten Jahr berichtet, befinde man sich bei den Erlösen vieler Salzprodukte auf Höhe des Geschäftsjahres 1996. Schwarze Zahlen schrieb das Unternehmen in dem Bereich dennoch. Nicht so im Siedesalzbereich, dort sei die Mengen- und Kostenstellschraube mittlerweile sehr nahe am unteren Anschlag. Deswegen müssten Preissteigerungen einzelner Artikel am Markt durchgesetzt werden. »Wir hoffen und erwarten, dass unsere Vertriebsleute mit ihrem umtriebigen Verhandlungsgeschick unsere Salzmarke auch zu etwas höheren Preisen und in großer Menge im Handel positionieren können. Eine Herausforderung, die Engagement und Herzblut erfordert«, ist sich Franz Lenz bewusst.

Immerhin konnte am Standort Berchtesgaden durch Kostensenkung und Steigerung bei den Umsatzerlösen der Gesamtaufwand um circa 940 000 Euro vermindert werden. »Ein nicht unwesentlicher Beitrag, die bayerischen Standorte wieder in die Gewinnzone zu bringen«, betonte der Standortleiter. Er ist sich sicher: »Die Umsetzung der geplanten Restrukturierungsmaßnahmen und die permanente Verbesserung von Dienstleistungen und Produkten, verbunden mit der Optimierung interner Prozesse, sowie striktes Kostenmanagement und detaillierte betriebswirtschaftliche Hinterfragung all unserer produzierten Waren werden unsere Zukunft sichern.«

Der Grubenbetrieb

Für den Aufschluss und die Untersuchung der Lagerstätten wurden in Bergwerk Berchtesgaden im vergangenen Jahr 2 155 Bohrkerne auf der ersten Tiefbausohle abgebohrt, geologisch analysiert und kartografiert. Dadurch hat sich bestätigt, dass die Kalkeinlagerungen »Keder Brandstattscholle« bis unter das Streckenniveau der ersten Tiefbausohle reicht. Eine Ausweitung der Abbautätigkeit ist dort somit beschränkt.

Bergrechtliche Vorschriften schreiben ein geschlossenes Streckensystem für das Ostfeld vor. Aus Sicherheitsgründen muss es ab einer gewissen Streckenlänge immer zwei Fluchtmöglichkeiten für die unter Tage Beschäftigten geben. Ende nächsten Jahres wolle man die Einlagerungen mit der Streckenvortriebsmaschine weiter umfahren und auch die Lagerstättengrenze im östlichsten Teil der ersten Tiefbausohle erkunden, so Lenz.

Der Schacht BW 33 liefere bereits qualitativ hochwertige Sole nach Bad Reichenhall. Franz Lenz dankte den Bergleuten, dass sie auf hohem Niveau nachhaltig Neues geschaffen haben und Vorhandenes ständig verbessern. Sein besonderer Dank galt Steiger Hans Neumayer, der heuer nach 40 Jahren Salzbergbau in den Ruhestand geht. »Du hast maßgeblich dazu beigetragen, dass unser Bergwerk heute so dasteht und dass unsere Belegschaft so gut ausgebildet ist«, lobte Lenz. Neumayers Nachfolger Richard Springl wünschte er für die Zukunft das nötige Bergmannsglück.

Salzzeitreise bleibt Publikumsmagnet

Erfreulich haben sich im Geschäftsjahr 2012 die Besucherzahlen und die Umsatzerlöse in der Tourismussparte des Bergwerkes entwickelt. Annähernd 325 000 Gäste konnten durch die Salzzeitreise geführt werden, das entspricht einer Steigerung von vier Prozent. Trotz Tariferhöhung habe man das Ergebnis bei den bergmännischen und handwerklichen Arbeiten um ein Drittel verbessern können, freute sich der Standortleiter. Die vor sieben Jahren durchgeführte Planung und Umsetzung der Salzzeitreise sei für die Besucher immer noch attraktiv und als touristische Einrichtung up to date, auch dank ständiger Verbesserungen und Optimierungen. So wurden die Show im Kaiser-Franz-Sinkwerk neu inszeniert und als positiver Nebeneffekt die Energiekosten gesenkt, die Technik bei der Überfahrt über den Spiegelsee wurde vereinfacht und der Online-Ticketverkauf zu jeder Tageszeit möglich gemacht. Außerdem habe man in einer gemeinsamen Aktion mit Vertretern der Gemeinden, der Tourismusorganisationen und vieler privater Anwohner zwischen dem neuen »Haus der Berge« und dem Salzbergwerk einen informativen Themenweg installiert.

Generell mehr Unterstützung im Tourismusbereich wünschte sich Lenz von allen Verantwortlichen, auch von Seiten der Politik. Das Alleinstellungsmerkmal Salz habe für das komplette Berchtesgadener Land eine große Bedeutung und Identität. »Für uns und den ganzen Tourismus wäre es hilfreich, wenn das durch Salz entstandene flächendeckende Netz an Triftanlagen, Klammen, Salzsäumer- und Soleleitungswegen sowie unser Bergwerk und die Alte Saline verstärkt in die Außenwerbung aufgenommen würden.«

Nach dem etwa einstündigen Festakt im Sinkwerk ging es wieder zurück ans Tageslicht. Für die Belegschaft des Salzbergwerkes waren die Feierlichkeiten aber noch nicht zu Ende. Im Zug ging es zum Gottesdienst in die Stiftskirche - und dann stand noch der große Festzug durch den Markt mit musikalischer Begleietung durch die Knappschaftskapelle an.

Auf die Ehrungen für verdiente Bergmänner kommen wir noch zurück. Kathrin Thoma-Bregar