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»Zum Skifahren bin ich sowieso zu alt«

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Grüne Pisten und stillgelegte Lifte: Für Berchtesgadens Touristen ist der Schnee nicht entscheidend. Foto: Anzeiger/Scheidsach

Berchtesgaden – Das Berchtesgadener Land ist im Winter bekannt für seinen Schneereichtum. Nur gab es in diesem Jahr selten genug zum Skifahren oder Rodeln. Der »Berchtesgadener Anzeiger« erkundigte sich bei Touristen, ob der Schnee bei ihnen überhaupt an erster Stelle steht.


Nathalie Zickert, 36 Jahre, aus Ehringshausen in Hessen, besucht mit Mann und Kind für eine Woche das Berchtesgadener Land. Dass in diesem Jahr der Schneefall eher dürftig ausfiel, war der Familie bewusst und hielt sie nicht von ihrem Urlaub ab. Ohnehin befinden sie die Angebote wie das Salzbergwerk oder das Haus der Berge für ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten.

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Lediglich die für den Frühling noch nicht in Betrieb genommenen Spielplätze stören die Eltern und vor allem den sechsjährigen Sohn. Beim nächsten Aufenthalt würden sie deshalb entweder mitten im Winter oder gleich erst zur Sommersaison anreisen.

Das Ehepaar Hannelore und Frank Trautmann reist mehrmals im Jahr von Heidelberg nach Berchtesgaden. »Mit über 65 Jahren fahren wir kein Ski mehr, da ist uns schönes Wetter wichtiger als Schnee«, erklärt Frank. Die Berge und der Königssee begeistern die Beiden bei jedem Besuch erneut.

Frau Hemmer reist extra von Nürnberg nach Berchtesgaden ins Salzbergwerk. Die 69-Jährige leidet an Asthma und hat Probleme mit den Bronchen. Alle zwei Jahre macht sie eine Gesundheitsfahrt in den Salzheilstollen, um die Bronchien zu entlasten und das Asthma zu reduzieren. Berchtesgaden sei zwar »ein sehr, sehr schöner Ort«, aber die Nürnbergerin ist kein Fan von Schnee und Kälte und kommt »eigentlich nur wegen der Heilstollen«.

Der 38-jährige Martin Janus besucht gerade mit seinen Eltern das Haus der Berge. Er fährt jedes Jahr mit Vater und Mutter von Hamburg für mindestens zehn Tage nach Berchtesgaden. Das Ehepaar kommt seit 35 Jahren und sieht Berchtesgaden als zweite Heimat. Dass so wenig Schnee liegt, ist aber auch für sie ungewöhnlich. Martin Janus ist ein wenig enttäuscht: »Natürlich wäre mir Schnee sehr recht, so müsste ich zum Skifahren nicht nach Österreich fahren. Meiner Meinung nach fehlen hier die Alternativen zum Schnee – aber so ein Wetter kam für die Berchtesgadener sicher auch unerwartet«. Sein Vater hat Mitleid mit seinem Sohn: »Zum Skifahren bin ich sowieso zu alt mit über 70 Jahren, aber für die jungen Leute und die Skigebiete hier ist das sicher eine Katastrophe«.

Brigitte Hellmann, 69 Jahre, und ihr Mann Thomas, 68 Jahre, aus Hannover, sind vom Wetter sehr überrascht: »Wir waren jetzt schon mindestens 20 Winter in Berchtesgaden, aber solche Temperaturen haben wir um diese Zeit noch nicht erlebt«, sagt Brigitte. Auch ihr fehlt für jährlich anreisende Familien die Abwechslung: »Es gibt zwar sehr interessante Dinge wie das Salzbergwerk oder das Haus der Berge, aber da geht man ein Mal hin und dann fehlen die Optionen, wenn kein Schnee liegt«, so die 69-Jährige weiter.

Die beiden Rentner Elisabeth und Heinrich besuchen drei Mal jährlich für eine Woche ihre Verwandten in Bischofswiesen. »Wir wohnen in Karlsruhe, da gab es dieses Jahr auch kein Schnee, für uns ist das kein Problem. Ich fahre seit über zehn Jahren nicht mehr Ski und wir wandern lieber, wenn es warm ist«, so die 64-Jährige. Ihr Mann macht sich Sorgen: »Das sind ganz klar die Folgen vom Klimawandel. Wenn das die nächsten Jahre so weitergehen sollte, haben die Bauern sicher Probleme mit der Ernte und im Winter wird der Tourismus deutlich zurück gehen. Aber ich glaube und hoffe, das war eine einmalige Sache, denn es wäre sehr schade für das Berchtesgadener Land, wenn auf Dauer kein Schnee fällt.«

Familie Lange aus Stuttgart urlaubt mit ihrem vier- beziehungsweise sechsjährigen Sohn zum ersten Mal in Berchtesgaden. Die 30-jährige Mutter vermisst den Schnee: »Mein Mann und ich wären sehr gerne Ski gefahren und auch unser Ältester hätte gerne einen Skikurs besucht, aber da waren wir dieses Jahr wohl zu spät dran.« Trotzdem möchte die junge Familie im nächsten Winter noch einmal nach Berchtesgaden: »Da kommen wir aber vor oder nach Weihnachten und dann sind auch beide Jungs schon alt genug für die Skischule«, kündigt sie an. Beni Scheidsach