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Zurück ins Training

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Zum dritten Mal ist Margarethe Aschauer am Kreuzband verletzt. Aktuell kämpft sie sich zurück ins Training, um wieder im Skicross-Weltcup mitzuwirken. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Margarethe Aschauer hat sich bereits dreimal in ihrer sportlichen Karriere schwer verletzt. Einmal riss das hintere, zweimal das vordere Kreuzband. Die Olympischen Spiele in Pyeongchang musste die 23-Jährige, die für den Deutschen Skiverband fährt, deshalb sausen lassen. »Natürlich war das bitter«, sagt die Schönauerin, die sich derzeit zurückkämpft. Denn aufzugeben, kommt für die 23-Jährige nicht in Frage.


Die Rückschläge sitzen schwer. »Da trainiert man das ganze Jahr über und dann reißt das Kreuzband«, sagt Aschauer, deren Heimatverein der WSV Königssee ist. »Ich hatte viele Momente, in denen ich geheult habe.« Und trotzdem hat sie nie aufgegeben und die Zähne zusammengebissen. Die letzte Verletzung erlitt sie im Oktober 2017.

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Schon als Kind auf Skiern

Margarethe Aschauer begann im Kindesalter mit dem Skifahren. »Ich dürfte drei, vier Jahre alt gewesen sein, als ich das erste Mal auf den Skiern stand. Meine Eltern sind immer mit mir gegangen«, erzählt sie. Sie begann, Rennen im Alpinskilauf zu fahren und lieferte überzeugende Leistungen ab. »Andere waren aber besser«, erzählt die Schönauerin, die kürzlich die Ausbildung zur Bundespolizistin abgeschlossen hat.

Irgendwo im Mittelmaß mitfahren wollte Aschauer aber nicht. Ihr damaliger Trainer machte sie dann auf die Sportart Skicross aufmerksam: »Probier's doch mal«, riet er ihr. Margarethe, die von Sportler-Kollegen Maggy genannt wird, fuhr bei drei öffentlichen Rennen mit und errang zwei erste Plätze. »Das war nicht schlecht«, sagt sie. Das fand auch der Bayerische Skiverband, der Aschauer zu einer Sichtung ins Pitztal einlud. Dann ging alles schnell. »Es hat gar nicht lange gedauert, bis ich meine ersten Europacup-Rennen mitfuhr«, erzählt die Bundespolizistin.

Wie auch beim Snowboardcross wird beim Skicross auf einem mit Sprüngen, Wellen und Kurven versehenen Kurs gefahren, bei dem je vier Skifahrer gleichzeitig starten. Gewertet wird im K.o.-System. Die beiden Erstplatzierten, nach Reihenfolge des Zieleinlaufes, steigen in die nächste Runde auf. Seit Vancouver 2010 ist Skicross in die Riege der olympischen Disziplinen aufgestiegen. Skicross gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als Randsportart, genießt aber in Österreich einen deutlich höheren Stellenwert als etwa in Deutschland. Das Risiko, sich zu verletzen, ist groß. Sprünge von 20, 30, 40 Metern sind keine Seltenheit. Die Kräfte, die auf den eigenen Körper wirken, sind enorm. Margarethe Aschauer hielt das aber nie davon ab, aktiv einzusteigen. »Als Sportlerin hat man immer ein Ziel vor Augen: die Olympischen Winterspiele.« Auch, wenn es nur eine Medaille sei, sei der Stellenwert des größten sportlichen Ereignisses ein ganz besonderer. »Wenn man Sport professionell betreibt, möchte man unbedingt bei den Spielen dabei sein.« Als »größten Traum« bezeichnet sie diese.

Schwerer Sturz

2012 war Aschauer gerade zwei Jahre im Skicross dabei, als sie schwer stürzte. Das hintere Kreuzband im linken Bein war gerissen. »Für mich hieß das, ein Jahr Pause zu machen.« Der Rückschlag wog schwer: »Das hat mich ziemlich mitgenommen«, sagt die 23-Jährige. Es folgten Monate der Physiotherapie und regelmäßige Wassergymnastik. Im darauffolgenden Jahr war der Erfolg wieder auf ihrer Seite. Gesamtbeste im Europacup, dann die ersten Weltcup-Rennen. Drei Jahre lang lief es für Aschauer verletzungsfrei, sie war auf einem guten Weg. Dann der herbe Rückschlag im November 2016. Der nächste Kreuzbandriss, vorne links. Erneutes Aussetzen, erneute Operation, das Training begann von vorne. Rutschen am Hang, Schneepflugfahrten – langsam näherte sich Aschauer ihrem einstigen Profistatus.

Im vergangenen Oktober ging es für Margarethe Aschauer wieder zurück ins Training. Bei einem weiten Sprung stürzte sie. Wieder riss das Kreuzband. »Das war so bitter«, sagt sie. Ihre Augen werden wässrig. Vier Monate ist der Unfall nun her, Aschauer durchläuft das bekannte Programm, so wie einige andere aus dem Weltcupteam, die sich ebenso verletzt haben. »Es schaut gut aus«, sagt sie. Kleine Skitouren sind schon wieder möglich. »Vom Berg runter fahre ich aber immer mit der Bahn.«

Sie trainiert fleißig, auch bei der Bundespolizei in Bad Endorf. Demnächst wird sie zum Radfahren eine Woche nach Mallorca fliegen. »Darauf freue ich mich.« Ende März steht dann ein wichtiger Termin bei ihrem Arzt an. Er wird prüfen, ob sie wieder ins Profitraining einsteigen kann. Margarethe Aschauer ist zuversichtlich, dass es weitergeht. Bei den nächsten Olympischen Winterspielen wäre sie 27 Jahre alt. Jung genug, um dabei zu sein. »Wegen dieses Kreuzbandrisses höre ich sicherlich nicht auf.« Kilian Pfeiffer