weather-image
19°

»Zurück zum Gebirgswildbach«

3.5
3.5
Bildtext einblenden
Ingenieur Martin Wagner begutachtet das Achen-Ufer. (Fotos: Pfeiffer)
Bildtext einblenden
Hunderte Tonnen Kalkstein ergeben eine mächtige Buhne, die in die Ache hineinragt.

Marktschellenberg – Weggerissene Stege, weggespülte Wege: Die Sanierungsarbeiten in der Almbachklamm dauern noch immer an. Zusätzlich finden naturschutzrechtliche Maßnahmen an der Ache statt. »Denn bei der Schadensbeseitigung in der Klamm hat es einige Eingriffe gegeben, die auf diese Weise ausgeglichen werden müssen«, erklärt Bauingenieur Martin Wagner.


1,8 Millionen Euro fließen in das umfangreiche Sanierungsprojekt, das derzeit in Marktschellenberg umgesetzt wird. Viel Stahl wurde in der Almbachklamm verbaut, insgesamt mussten 20 Brückenbauwerke und sieben Hangquerungskonstruktionen von Grund auf neu gebaut werden. Wege wurden zudem neu angelegt, weil die alten Trassen beim Unwetter 2013 weggespült worden waren.

Anzeige

Die Millioneninvestition wird komplett gefördert. Anders könnte die Gemeinde die finanzielle Herausforderung kaum stemmen. Weil in der Almbachklamm große Eingriffe in der Landschaft stattgefunden hatten, mehr Fläche verbraucht worden war, als neu geschaffen werden konnte, muss nun an anderer Stelle ausgeglichen werden. »Das ist vergleichbar mit dem Bau auf der grünen Wiese«, sagt Martin Wagner, der Projektverantwortliche.

Ein provisorischer Weg führt direkt von der Hauptstraße in Richtung Ache. Dorthin, wo seit mehreren Wochen diverse Maßnahmen umgesetzt wurden. Neben waldpflegerischen Maßnahmen, bei welchen etwa Bäume entlang der Ache entnommen werden, soll auch die westseitige Uferböschung des Flusses auf natürliche Weise optimiert werden. »Am Ende soll es in der Ache wieder so aussehen, dass dieser Uferverlauf dem eines natürlichen Gebirgswildbaches gleicht«, sagt Martin Wagner. Des Weiteren werden die Uferbereiche der Ache neu bepflanzt – mit standortgerechten Sträuchern und Bäumen. Hinzu kommt die Schaffung des Lebensraums für bestimmte Tierarten. Die kostspieligste und mit dem größten Aufwand verbundene Maßnahme sind aber die Arbeiten, die direkt im Flussbett der Ache stattfinden.

Um die Zufahrt zur Baustelle zu sichern, musste ein großer Wall mitten in der Ache gebaut werden, um auf die Dauer der Arbeiten den notwendigen Hochwasserschutz bieten zu können. So hat ein großer Bagger einen Graben ausgehoben, der mitunter den Wasserstand der Ache reguliert, um für den Arbeitsbereich den Wasserstand zu senken. Symptomatisch für einen »Gebirgswildbach«, als der die Ache gilt, sei es, dass der Wasserstand bei Starkregenfällen schnell ansteige, dann aber auch schnell wieder falle, so Martin Wagner. Großes hat man weiter unten in der Ache geschaffen: Dort wurden sogenannte Buhnen in das Flussbett gebaut. Das sind trapezförmige, zum Flussverlauf errichtete, dammartige Bauwerke aus frostsicherem Kalkgestein.

Rund 400 Tonnen Material sind in die Realisierung der mächtigen Buhnen eingearbeitet worden. Das Material stammt aus Unken und wurde mit großem Aufwand in die Ache transportiert. Durch die Niedrigwasserregulierungsbauwerke, wie Buhnen auch bezeichnet werden, wird der Abflussquerschnitt bei Niedrigwasserstand verringert, somit die Fließgeschwindigkeit erhöht, was zum Abtransport des Geschiebes (Schotter und Sand; Anm. d. Red.) und einer Verlagerung der Uferlinie von den Bauwerken weg führt. Bei Hochwasser werden die Buhnen überströmt und bilden nahezu keine Querschnittsverringerung. Im Bereich der Buhnen und unterhalb werden künftig Sandbänke zu finden sein, die sich im Laufe der Monate selbstständig anlegen und sich bei Hochwasser verlagern werden. Kilian Pfeiffer