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Ahmed Alo und Qais Anwari erlernen in Berchtesgaden das Lackiererhandwerk

Zwei Flüchtlinge haben Fuß gefasst

Berchtesgaden – Der Syrer Ahmed Alo (22) und der gebürtige Afghane Qais Anwari (22) kamen vor über zwei Jahren als Asylbewerber nach Berchtesgaden. Beide lernten schnell Deutsch und stehen bereits bei Lackierermeister Franz Graßl in festen Arbeitsverhältnissen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit den beiden über ihre Flucht, die neue Heimat und ihre Pläne. Zur Situation ihrer Familien sagten sie aus Sicherheitsgründen für ihre Angehörigen allerdings nichts.

Franz Graßl bildet Ahmed Alo (l.) und Qais Anwari zu Lackierern aus. Und ist hochzufrieden mit den beiden Asylbewerbern. (Foto: Wechslinger)

Warum habt ihr eure Heimat verlassen?

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Qais Anwari: Mein Vater hat in Afghanistan in der Regierung gearbeitet. Als die Taliban gekommen sind, musste ich mit meiner Familie in den Iran fliehen.

Wo es sicherer ist.

Anwari: Sicherer ja. Aber ich konnte im Iran nicht studieren und meine Familie keiner geregelten Arbeit nachgehen. Wir lebten praktisch durch Schwarzarbeit von der Hand in den Mund. Und so reifte bei mir der Gedanke der Flucht in ein Land, wo man vernünftig leben kann und Arbeit findet.

Ahmed Alo: Ich komme aus al Haska im Nordwesten Syriens nahe der türkischen und irakischen Grenze. Weil ich Kurde bin, hatte ich aber keinen syrischen Pass. Gearbeitet habe ich als Autospengler. Das möchte ich nach meiner Lackiererlehre auch wieder machen.

Wie kann man sich die Flucht nach Deutschland vorstellen?

Anwari: Wir waren sechs junge Männer auf der Flucht, die zu Fuß fast zwei Jahre gedauert hat. Vor allem in den Nächten war es sehr gefährlich. Wir kamen durch sieben verschiedene Länder, ehe wir endlich in Passau angekommen sind, wo uns die Polizei festgenommen hat. Dann ging es ins Auffanglager nach München weiter und daraufhin nach Berchtesgaden an die Königsseer Straße.

Habt ihr vor, einmal zurück in die Heimat zu gehen, sollte sich die Lage dort beruhigen?

Anwari: Nein, denn im Iran habe ich keine Möglichkeiten und nach Afghanistan darf ich nicht.

Alo: Wenn es das Terrorregime des IS nicht mehr geben sollte, möchte ich auf jeden Fall zurück nach Syrien. Ich will helfen, mein Land wieder aufzubauen und ich möchte das, was ich in Deutschland gelernt habe, an meine Landsleute weitergeben. Mit ein Grund für meine Flucht aus Syrien war, dass ich zum Militär einrücken und dann gegen meinen Bruder hätte kämpfen müssen. Das Widerliche in unserem Land ist die IS-Miliz, das sind keine Menschen, sondern kaltblütige blutrünstige Massenmörder. Dabei kann man im Koran nachlesen, dass wir Frieden wie in Deutschland haben möchten.

Wie kam das Ausbildungsverhältnis bei der Autolackiererei Franz Graßl zustande?

Alo: Nachdem ich schon in meiner Heimat gerne Fußball gespielt hatte, schloss ich mich dem TSV Berchtesgaden an und wurde dort in der Fußballmannschaft herzlich aufgenommen. Ein Bekannter der Fußballer hat mit mir gesprochen und ich habe ihm erzählt, dass ich in meiner Heimat als Autospengler selbstständig gearbeitet habe. Der Bekannte stellte eine Verbindung zur Autolackiererei Graßl her und nach einer Probezeit bekam ich einen Ausbildungsvertrag.

Anwari: Ich habe bei Frau Karbacher deutsch gelernt und sie hat eine Verbindung zu Lackierermeister Graßl hergestellt. Dort habe ich ein Praktikum gemacht und dann eine Ausbildung begonnen.

Deutschland erlebt derzeit einen riesigen Flüchtlingsstrom.

Anwari: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut geht. Wo sollen all die Menschen wohnen und wo sollen sie arbeiten? Das kann ein so kleines Land wie Deutschland nicht mehr organisieren, da müssten mehrere europäische Staaten ordentlich mitspielen, was jedoch nicht passiert.

Alo: Diese Massenflucht sprengt jeden Rahmen. Ich weiß nicht, wohin all diese Menschen sollen. In Deutschland gibt es ohnehin nicht genügend Wohnungen. Und auch Arbeit für so viele Menschen gibt es nicht. Ich denke, dass viele der Flüchtlinge arbeiten möchten, aber natürlich sind auch viele darunter, die sich nur vom reichen Deutschland durchbringen lassen wollen. Es gibt ja überall fleißige, aber auch faule Menschen.

Habt ihr Flüchtlinge untereinander Kontakt?

Anwari: Weil ich und auch die anderen täglich arbeiten, kommen wir nicht oft zusammen.

Alo: Ich arbeite, lerne Deutsch und mache viel für die Schule. Zudem spiele ich Fußball und so bleibt wenig Zeit für andere Kontakte. Außerdem sind die meisten Flüchtlinge schon woanders hingekommen.

Hat einer von euch eine Freundin?

Anwari: Nein, weil die deutschen Mädchen scheinbar nichts mit Asylbewerbern zu tun haben wollen. Christian Wechslinger