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Zwei Nordlichter und ihre Liebe zu Berchtesgaden

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»Bild Hamburg« widmete dem Ehepaar Kossiski kürzlich eine ganze Druckseite. Anzeiger-Repro

Büsum/Berchtesgaden – Bessere Werbeträger als dieses Ehepaar aus dem hohen Norden kann sich Berchtesgaden kaum wünschen. Elisabeth und Werner Kossiski aus Westerdeichstrich bei Büsum kommen seit 60 Jahren Jahr für Jahr in die Marktgemeinde, um dort ihren Urlaub zu verbringen. »Berchtesgaden ist unsere zweite Heimat, wir lieben das«, erzählt Elisabeth Kossiski am Telefon.


Ihre inzwischen verstorbene Schwester Agnes hat hier gelebt, und auch sie selbst hat die Berge schon immer geliebt. »Ich war schon immer mehr für die Berge als hier fürs Wasser«, meint sie mit Blick auf ihre norddeutsche Heimat, deren eigene Schönheit sie dennoch zu schätzen weiß. »Hier ist es rauer«, meint sie, »in den Bergen braucht man kaum mal ne Mütze.«

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Durch ihre Liebe zu den Bergen kam es, dass die beiden Kossiskis vor nun gut 60 Jahren auch ihre Hochzeit in Berchtesgaden gefeiert haben. Ganz einfach war das nicht, denn Elisabeth ist katholisch und ihr Mann Werner evangelisch; das war 1953 im erzkatholischen Berchtesgaden noch ein Problem. Sie mussten dem Kaplan versprechen, ihre Kinder auf jeden Fall katholisch zu erziehen. Das Versprechen haben sie gehalten, doch so ganz ernst gemeint habe der Kaplan das wohl selbst nicht, meint Elisabeth im Rückblick schmunzelnd. Jedenfalls konnte auch diese Hürde genommen und am 30. Dezember 1953 in der Berchtesgadener Stiftskirche die Trauung gefeiert werden. Seitdem kommen sie immer wieder, die ersten beide Male im Sommer, danach – um die Sommerhitze zu meiden – zumeist in den Osterferien. Später haben sie es dann auch mal im Winter mit dem Skifahren versucht, was sie sich in den ersten Jahren noch nicht leisten konnten.

Die Kossiski sind keine reichen Leute, aber es war ihnen immer wichtig, das Geld für ihren Berchtesgaden-Urlaub zusammenzubekommen, wie Elisabeth erzählt. Geblieben sind sie immer mindestens drei Wochen, als ihr Sohn noch nicht in die Schule ging auch mal vier. Ihren Geldbeutel geschont haben sie, indem sie stets mit einer kleinen Gruppe aus ihrer Heimatgemeinde und meist außerhalb der Hauptsaison reisten. Groß Werbung machen mussten sie nicht, um Mitfahrer zu finden, sagt Elisabeth, »wir haben einfach ein paar Fotos von Berchtesgaden hergezeigt«.

Darüber hinaus weiß sie es zu schätzen, dass seit einiger Zeit die Kurkarte in Berchtesgaden auch als Buskarte gilt, sodass man als Gast günstig auf den Kehlstein oder den Obersalzberg gelangt, denn »auf einem Berg kommt man zur Ruhe«. Durch Beziehungen konnten sie in den Nachkriegsjahren einige Male mit dem sogenannten amerikanischen Schüttelbus auf den Obersalzberg fahren – bei dem Namen kann man sich gut vorstellen, dass das damals noch etwas abenteuerlicher war als heute.

Glück gehabt haben die Kossiskis stets mit ihren Gastgebern und so sind sie nicht nur einander und ihrem Urlaubsort, sondern auch den Vermietern lange Jahre treu geblieben. Rund 30 Jahre haben sie und ihre Reisegefährten im Waldhofweg im Haus Mitterbach bei der Familie Poschner gewohnt. Wie Frau Poschner verrät, gibt es natürlich Gäste, die man gerne beherbergt, und andere, bei denen das weniger der Fall ist. Die Kossiskis, an die sie sich als sehr saubere und immer lustige Leute erinnert, hätten aber auf jeden Fall zur ersten Kategorie gehört: »Mia ham uns jedsmoi gfreid, wenn's wieda kema san.«

So hat sie sich auch sehr über den Besuch der Kossiskis gefreut, als diese über Weihnachten wieder einmal in Berchtesgaden waren – ein Geschenk ihres Sohnes zur diamantenen Hochzeit. Zurück in der norddeutschen Heimat erreichte die beiden dann als nettes Geschenk zum Hochzeitstag ein Buch, das der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee Richtung Norden geschickt hatte.

Auf Empfehlung der Poschners wohnen die beiden nun seit rund zehn Jahren Am Wemholz bei Familie Lenz im Hotel »Binderhäusl«. Wie Elisabeth Kossiski betont, haben die Poschners ihren Geschmack getroffen: Das Binderhäusl sei »ein schönes kleines Hotel, da kann man sich wohlfühlen«. Als langjährige Gäste würden sie dort fast schon wie Familienangehörige aufgenommen.

Möglicherweise aber war die Reise über Weihnachten ihre letzte, meint Elisabeth Kossiski. Der Kopf ist zwar noch fit und die Stimme kräftig, aber mit mittlerweile 82 beziehungsweise 84 Jahren werde es nicht einfacher, meint sie. Die lange Reise – insgesamt rund zehn Stunden mit dem Zug – und weite Fußwege würden zunehmend beschwerlich. »Ob das nächstes Jahr noch geht?« Es wäre den beiden lebenslustigen Rentnern zu wünschen. Was aber auf jeden Fall bleibt, sind neben den Fotos viele tolle Erinnerungen an »ein schönes Fleckchen Erde«. »Einfach am Königssee sitzen und die Schiffe beobachten«, meint Elisabeth Kossiski, mehr braucht man doch gar nicht. Markus Schüssler