weather-image

Zweimal Stromschlag, bitte

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Zwei Stromstöße zur Absicherung: Im Schlachthof Berchtesgaden werden Schweine »doppelt« betäubt. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden - Oft qualvoll endet die Reise eines Schweins in bayerischen Betrieben. Das ergab eine vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit veröffentlichte Studie. Nicht so im Schlachthof in Berchtesgaden, wie der Schlachthofleiter und zuständige Tierarzt, Dr. Manfred Weindl, auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« bestätigt. »Jede Tierschlachtung wird bei uns ärztlich überwacht«, versichert er. Außerdem arbeite man »ohne Druck«.


Mastschweine haben in der Regel ein kurzes Leben. Knapp ein halbes Jahr werden sie alt, ehe sie zum Schlachter kommen. Dort werden sie entweder begast, was größere Gruppen an Tieren zulässt und demnach günstiger ist, weil die Arbeit des Menschen nicht erforderlich ist – oder aber elektrisiert. Beide Methoden haben zahlreiche Kritiker, denn wo massenhaft getötet wird, passieren auch Fehler. Etwa, dass die Gaskonzentration nicht richtig wirkt, die Betäubung ausbleibt und das Schwein am Ende, wenn es dann am Haken hängt, den tödlichen Stich in die Halsschlagader miterlebt. »So etwas darf auf keinen Fall passieren«, sagt Tierarzt Manfred Weindl, der als Schlachthofchef immer mit dabei ist, wenn wöchentlich an der Bergwerkstraße geschlachtet wird.

Anzeige

Stromschlag zur Betäubung

Rund 30 Schweine werden hier Woche für Woche geschlachtet. Ohne Gas, sondern mit einem elektrischen Stromschlag. Auch diese Methode steht immer wieder in der Kritik, angeblich jedes vierte Schwein sei in Großbetrieben nicht richtig betäubt worden, heißt es in der Studie, sei demnach also nicht in Ohnmacht gefallen. In Berchtesgaden versucht man sich aber in doppelter Weise abzusichern, sodass das Tier auch wirklich bewusstlos ist, sobald der Strom durch dessen Körper gefahren ist. Die Zange, die den Strom in den Körper des Schweins jagt, wird zunächst links und rechts am Kopf, in direkter Nähe zum Gehirn, angesetzt, dann fließt der Strom. »Ein Gerät zeigt den Stromdurchfluss, ein grünes Licht signalisiert den Erfolg«, sagt Manfred Weindl. Zusätzlich wird die Zange auch am Hirn und am Herz angesetzt.

Keine Fehler erlaubt

Innerhalb von einer Minute wird es aufgehängt und gestochen, direkt in die Halsschlagader, sodass eine Schwallentblutung garantiert werden kann, sagt Weindl. Das Schwein blutet dann aus, bevor es in die Brühanlage kommt. Fehler würden nicht geduldet, so der Schlachthofchef. Alle gesetzlichen Vorgaben würden zu jeder Zeit eingehalten. Natürlich habe man in Berchtesgaden den Vorteil, dass man ohne Druck arbeiten könne, »bei uns pressiert's nicht«, weiß Weindl. Das erleichtere die Arbeit.

Die Kontrollen, die man als Schlachthof immer wieder durchlaufen müsse, seien zahlreich. Häufig komme ein Vertreter des Veterinäramtes, die Amtstierärztin, und überprüfe den Betrieb an der Bergwerkstraße. »Wir haben bislang keine Beanstandungen erfahren.« Großbetriebe würden, vor allem dann, wenn Beanstandungen oder ein gesetzlicher Verstoß bekannt sind, schon mal häufiger von der »schnellen Eingreiftruppe aus München« besucht. »Die rücken dann mit fünf oder sechs Mann an und sperren alles ab«, sagt Weindl. In Berchtesgaden waren die Kontrolleure bislang aber noch nie, fügt er hinzu. Kilian Pfeiffer